Milch: Kühlen Kopf bewahren

Auf dem Markt für landwirtschaftlich erzeugte Produkte herrscht Unsicherheit. Preisverfall bei Schweinefleisch und Milch, ein trockener Sommer, viel Bürokratie: Damit hatten die Bauern zu kämpfen.

Ein volles Haus hatte der Bayerische Bauernverband im Gasthof Erras in Fichtenhof bei der BBV-Ortsobmännertagung. Bayernland-Geschäftsführer Gerhard Meier sah den Milchmarkt nicht so dramatisch. Bei dem sei es schon immer bergauf, bergab und dann wieder bergauf gegangen. Unsicherheiten bei Agrar-Umwelt-Maßnahmen wie dem Kulturlandschafts- und dem Vertragsnaturschutz-Programm (KULAP, VNP) habe es 2014 gegeben, sagte Kreisobmann Franz Kustner. Dann sei im Frühjahr 2015 der Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch gekommen.

Die Landwirte hätten außerdem die Folgen der langanhaltenden Trockenheit in diesem Sommer gespürt. Das Einzige, was angestiegen ist, sind laut Kustner die Bürokratie und eine Flut von Vorschriften. Wenn das so weitergehe, könne er nicht ausschließen, dass weitere Landwirte ihren Betrieb aufgeben. "Wir Bauern dürfen uns nicht zufrieden zurücklehnen, sondern müssen auf die Agrarreform Einfluss nehmen", forderte er. In Bayern seien 283 Hektar von Greening betroffen, in Deutschland gut 1,3 Millionen Hektar. Der Staat müsse den Landwirten Steuervorteile zubilligen, mit denen sie gute und schlechte Jahre ausgleichen können. Kustner betonte, dass Landwirte Antibiotika nicht in der Menge einsetzen, wie ihnen angedichtet werde. Die Marktlage bei Ferkel bezeichnete der BBV-Kreisobmann als katastrophal, bei der zu viel vorhandenen Gülle seien Biogas-Anlagen der wahrscheinlich einzige Ausweg.

"Bleiben marktfähig"

"Unsere Landwirte sind und bleiben marktfähig", betonte Gerhard Meier, Geschäftsführer der Bayernland e.G. Beim Auf und Ab mit dem Milchpreis sollten sie vor allem einen kühlen Kopf bewahren, riet er. Meier sprach die Preisentwicklung bei Butter, Käse und Milchprodukten an. Von den 4843 Molkereien, die es noch vor fast 80 Jahren in Deutschland gegeben hat, seien 1970 knapp 1300 noch in Betrieb gewesen. Heute gebe es nur noch 139 selbstständige Molkereien. Domspitz sei 1990 von gut 5000 Landwirten mit einem Stalldurchschnitt von 59 000 Kilogramm Milch pro Jahr beliefert worden. Die Anzahl der Milchproduzenten sei auf etwa 1200 gesunken, ihr Stalldurchschnitt aber auf 248 000 Kilo gestiegen.

Zur Bio-Milch meinte Gerhard Meier, dass der Liter 20 Cent mehr koste, aber ihr Marktanteil bei etwa vier Prozent liege. Größte Abnehmer von Milchprodukten seien die Supermarktketten wie REWE, Edeka, Metro, Lidl/Kaufland und Aldi. An sie liefere Bayernland gut 37 Prozent seiner Produktion. Die fünf größten Lebensmittelversorger hätten ihren Marktanteil, der 1980 bei 26,3 Prozent lag, bis zum Jahr 2000 verdoppelt und vor zwei Jahren auf 73 Prozent steigern können. Die Food-Umsätze in Deutschland bezifferte Gerhard Meier bei Tengelmann auf zwei, bei Norma auf zweieinhalb Milliarden Euro. Metro verzeichne über 10 Milliarden Euro, Lidl gar über 15 Milliarden, Aldi komme auf über 22 Milliarden Euro. Spitzenreiter in der Republik sei Edeka mit mehr als 47 Milliarden Euro. Die größte Milchmenge (159 Milliarden Kilogramm) erzeuge Europa, gefolgt von Indien (142 Milliarden Kilo) und den USA (93 Milliarden Kilo).

Europa exportiere nur 12 Prozent seiner Milchprodukte, Neuseeland dagegen 96 Prozent. Größte Milch-Importeure seien China, Russland und die USA. China baue gigantische Milchfarmen und Molkereien auf, "aber der Chinese, der Geld hat, kauft unsere Milchprodukte mit weitaus besserer Qualität". Das derzeit von Russland verhängte Einfuhrverbot für europäische Produkte sieht Meier gelassen, denn Russland könne sich niemals selbst ernähren und brauche in absehbarer Zeit wieder unsere Nahrungsmittel.

China und arabische Welt

China sei an Premiumprodukten interessiert, die arabischen Staaten dürfe man nicht aus den Augen lassen, aber Amerika habe 300 Millionen Verbraucher, die versorgt werden sollen. An deren landwirtschaftlichen Riesenbetrieben hat er seine Zweifel. Denn eine artgerechte Tierhaltung sei dort ein absolutes Fremdwort. Meier sah positive Seiten des Flüchtlingsstroms: Denn auch diese Menschen müssten mit ordentlichen Lebensmitteln versorgt werden und diese würden eben die Landwirte produzieren. (Im Blickpunkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Fichtenhof (71)Dezember 2015 (2649)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.