Milch nichts für Kinder

Um unseren Verband ist es scheinbar ruhiger geworden, doch hinter den Kulissen machen wir hartnäckig unsere Hausaufgaben.

Die Milchbauern fürchten die Zukunft - beim Stammtisch in Burkhardsreuth zeichnete Kreissprecher Werner Reinl ein düsteres Bild von der Zeit nach dem Quoten-Aus, bot aber auch Gegenvorschläge.

"Wir müssen Flagge zeigen. Was uns Milcherzeugern droht, lässt mich zweifeln, ob ich meinen Kindern empfehlen kann, meinen Hof weiterzuführen." Das zum 1. April anstehende Ende der Milchquotierung lässt bei Helmut Ott aus Grub die Alarmglocken schrillen. Auch sein Kollege und Mitstreiter im Kreisteam des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Werner Reinl, beurteilte beim Milchbauernstammtisch im Gasthof Lober die Lage als misslich.

"Das Milchaufkommen steigt weltweit beständig an", diagnostizierte der BDM-Kreisvorsitzende. Folge: Der Preisindex des Weltmilchmarktes habe seit Februar 2014 um 50 Prozent nachgegeben. "Der Erzeugerpreis liegt bei 32, bei einigen Molkereien auch schon unter 29 Cent je Kilogramm Milch, und es gibt Experten, die mit dem Unterschreiten der 25-Cent-Schwelle rechnen."

Zu bedenken sei, dass die Selbstkosten des Landwirts für ein Kilogramm Milch bei 45 Cent lägen: "Das ist die Berechnung des 'Informationsnetzes landwirtschaftlicher Buchführungen', dessen Daten auch die EU nutzt. Der Verband 'European Dairy Farmers' kommt auf 49 Cent." Nur, wenn die Überproduktion aufhöre, sei eine Trendwende möglich.

Umso wichtiger sei es, sich offensiv für ein "Milchmarkt-Krisenmanagement" stark zu machen, wie es der BDM tue: "Um unseren Verband ist es scheinbar ruhiger geworden, doch hinter den Kulissen machen wir hartnäckig unsere Hausaufgaben, suchen so oft wie möglich das Gespräch mit Politik, Milchwirtschaft und Landwirten." Beispielhaft nannte Reinl agrarpolitische "runde Tische" in Bayern und Nordrhein-Westfalen und ein Expertentreffen in Hannover, an dem außer BDM-Repräsentanten auch Vertreter von Politik, Wissenschaft, Justiz und Bundeskartellamt teilgenommen hätten.

Zur letztjährigen Agrarministerkonferenz in Potsdam habe der Verband eine Kundgebung initiiert und in einem "Milchbauern-Manifest" ein "Sicherheitsnetz für den Milchmarkt" gefordert. Einen Ansatzpunkt habe die EU selbst vor einem Jahr mit der Gründung einer "Monitoringstelle" geschaffen, die den Milchmarkt beobachte und analysiere. Damit habe die EU eine auch vom BDM und dem europäischen Milcherzeuger-Dachverband EMB (European Milk Board) zur Diskussion gestellte Idee umgesetzt, merkte Reinl an.

Nach den Vorschlägen des "Marktverantwortungsprogramms" von BDM und EMB könnte diese Monitoringstelle die Befugnis erhalten, in Krisensituationen auf eine vorübergehende Deckelung der Milchanlieferung hinzuwirken. Zur schnellen Wiedererreichung eines Marktgleichgewichts sollte ein Anreizsystem geschaffen werden, die Milchproduktion zeitlich befristet gegen eine Ausgleichsleistung zurückzunehmen.
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