Milchbauern machen sich Mut

Gesamtangebot und Nachfrage sind aus den Fugen geraten, die Preisfront dramatisch eingebrochen, der Milchmarkt seit Mitte 2014 gewaltig unter Druck.

Der russische Markt ist mit einem Boykott belegt, die EU-Milchkontingentierung bald Geschichte. Planungssicherheit kennen die betroffenen Bauern nicht mehr. Sie vertrauen deshalb nur noch auf ihren Überlebenswillen.

(sön) Als Gradmesser der Stimmung unter den Milchbauern dienen Genossenschaftsversammlungen von Domspitzmilch allemal. So deutliche Worte einer tiefen Verunsicherung wie beim Bärenwirt fallen jedoch selten. "Gesamtangebot und Nachfrage sind aus den Fugen geraten, die Preisfront dramatisch eingebrochen, der Milchmarkt seit Mitte 2014 gewaltig unter Druck."

Keine Spielräume

Diese Analyse stammt von Genossenschafts-Direktor Dr. Norbert Bauer, der in dieser Eigenschaft im Grunde die Abnehmer- und Produzentenseite gleichermaßen vertritt. "Das erhöhte Milchaufkommen und die russische Einfuhrsperre für Lebensmittel aus Europa belasten die Verwertungssituation der deutschen Molkereien enorm", brachte er es auf den Punkt. Das sei aber noch nicht die ganze Wahrheit. Denn es kämen noch die "Superabgabe" durch das Auslaufen der Milchquote und Abgabezahlungen in Deutschland hinzu. Sein Fazit: "Die Endabrechnung wird so brutal durchgezogen, wie es in den Verordnungen steht."

Rückblickend verwies Bauer darauf, dass knapp 1300 Milcherzeuger der Domspitzmilch-Genossenschaft 2014 insgesamt 299 Millionen Kilogramm Milch an die Bayerland eG geliefert haben. Die Bayernland-Gruppe verarbeitete an ihren Standorten Amberg, Bayreuth, Fürth, Kemnath und Regensburg 840 Millionen Kilogramm Milch. Die Liefermengen der Domspitzmilch-Bauern seien vor diesem Hintergrund im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent angestiegen. Verantwortlich machte Bauer dafür gute Milchpreise in der ersten Jahreshälfte von 2014 und das bevorstehende Auslaufen der Milchquotenregelung zum 1. April 2015.

Mehr Lagerkapazitäten

Den durchschnittlichen Auszahlungspreis der Bayerland eG an deren Liefergenossenschaften bezifferte der Direktor für das vergangene Jahr auf 38,31 Cent pro Kilogramm. Als zukunftsweisende Investitionen seitens der Molkereien beschrieb Bauer Erweiterungsbauten in Regensburg. Dort entstehen zusätzliche Kühllager- und Gefrierkapazitäten, auch das Hochregallager wird aufgestockt.

"So etwas Verrücktes habe ich in den vergangenen Jahren noch nicht erlebt", nahm auch Bayerland-Hauptgeschäftsführer Gerhard Meier kein Blatt vor den Mund. "Wo geht da die Reise hin? Fünf Kunden vertreten 95 Prozent derer, die unsere Ware kaufen", umriss er die Marktposition der Discounter bei Preisverhandlungen, Und in der vielzitierten Option der Regionalisierung des Absatzes erkennt er nur beschränkte Potenziale. "Um die Kirch' rum, das ist Regionalität. Aber wir müssen unsere Ware über Bayern hinaus verkaufen." Schließlich gebe es keinen Grenzzaun des Welthandels um Bayern, Deutschland oder gar Europa herum. Und: "Es ist zu viel Milch auf dem Markt."

"Schwierige Situation"

Aus der aktuellen Tagespolitik heraus erwartet Meier keine Unterstützung, also bleibt für ihn nur der eine Schluss, dass sich die Milchbauern nur selbst um ihre Anliegen kümmern könnten. Resignieren will er deshalb aber nicht. "Wir haben eine schwierige Situation, werden diese schwierige Situation aber meistern", zeigte sich der Bayernland-Hauptgeschäftsführer überzeugt.
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