Milchpreis "schwankt brutal"

Der Handel nütze die Russland/China-Situation eiskalt aus, bemerkte ein kämpferischer Vorstandsvorsitzender Franz Kustner. Bild: sön

"Wann wird sich der Wind wieder drehen?", fragte Dr. Norbert Bauer bei der Versammlung der Domspitzmilch eG. Er wusste: "Es macht sich Frustration breit, da nach zwei guten Jahren der Milchpreis rückwärts läuft. Brutal schwankend bis zu zehn Cent pro Kilogramm."

(sön) Mit Grafiken legte Domspitzmilch-Geschäftsführer Bauer im Landgasthof Zum Bärenwirt die Marktentwicklung im Geschäftsjahr 2015 dar. Er zeigte auf, dass die etwa 1200 Milchbauern der Domspitzmilch eG von Januar bis Oktober 236 Millionen Kilogramm an die Bayernland eG lieferten. Diese verarbeite an den Standorten Amberg, Bayreuth, Fürth, Kemnath und Regensburg 698 Millionen Kilogramm zu verschiedenen Milch- und Käseprodukten.

Erfreulich sei das Wachstum bei Doppelrahmfrischkäse und kernigem Frischkäse. Es gefalle ihm jedoch gar nicht, dass bei Rigatello ein Minus zu verzeichnen sei. Insgesamt würden heuer 820 Millionen Kilogramm Milch, davon 50 Millionen Kilogramm Biomilch, verarbeitet.

Export läuft schlecht

Das für die Milchwirtschaft wichtige Exportgeschäft werde derzeit von negativen Einflussfaktoren belastet, erklärte Bauer. Der Exportstopp - "damit hat sich letzten Endes die EU ins eigene Bein geschossen" - und das darauf folgende russische Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der Europäischen Union, die Wirtschaftskrise in China sowie die verringerte Kaufkraft der erdölfördernden Länder infolge des geringeren Rohölpreises zählten dazu. "Wenn man alles zusammenfasst, sind wir ein Teil dieses großen globalen Weltmarkts", sagte Bauer und berichtete, dass der voll erwirtschaftete Milchauszahlungspreis der Bayernland eG bei 30,64 Cent/kg liege, der aktuelle Auszahlungspreis bei 29 Cent/kg.

"Wir müssen auch unsere Substanz erhalten", bemerkte Bauer zu Investitionen wie der Erweiterung des Hochregallagers am Standort Regensburg sowie zu Energieprojekten zur Eigenstromerzeugung, die derzeit anliefen.

Im Anschluss beleuchtete Erzeugerberater Dietmar Weigert die Entwicklung der Milchqualität sowie die Lieferantenstruktur von Domspitzmilch. Er bat, mit Blick auf den Winter, die Milchfahrer mit Räumen und Streuen zu unterstützen.

"Wir sind eine vernünftige deutsche Durchschnittsmolkerei, aber eine Spitzenmolkerei sind wird nicht", entgegnete Bauer, als der Molkerei in der Diskussion zwar gute Arbeit und sehr gute Wertschöpfung bescheinigt wurde - "schade ist es jedoch, dass dabei so wenig bei den Bauern ankommt". Die Wertschöpfung komme auch aus dem Handelsgeschäft, sagte Bauer. Eine "eingeheiratete" Bäuerin mit "nur" 40 Kühen im Stall empfahl ihren Berufskollegen, etwas strukturierter zu arbeiten und zu leben, "mit etwas weniger Einkommen, aber mehr Lebensqualität".

Der Handel nütze die Russland/China-Situation eiskalt aus, sagte Vorstandsvorsitzender Franz Kustner. Er betonte: "Solange wir eine Genossenschaft sind, wird jeder gleich behandelt - egal, ob klein oder groß."
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