Militär trifft auf Natur

Der Übungsplatz wird immer mehr zum Adler-Paradies. Fischadler und der größte mitteleuropäische Greifvogel, der Seeadler, ziehen über dem Sperrgebiet ihre Kreise. Wie das Rotwild zeigen die Adler, dass Natur und Militär kein Widerspruch sind.

Grafenwöhr. Die Revierförster des Bundesforstes und die Umweltabteilung der US-Armee-Garnison Bavaria kümmern sich um die Adler. Seit Ende der 1980er Jahre entwickelte sich im Übungsplatz ihre Population. Gepackt vom "Adlervirus" ist Stefan Härtl. Er ist in der US-Umweltabteilung für den Naturschutz zuständig. Fernglas und Spektiv sind wichtige Ausrüstungsgeräte des Naturschutzbeauftragten, wenn er die Adler beobachtet oder die Horst-Stellen kontrolliert. "Seit 2010 habe ich 10 junge Seeadler und 14 Fischadler im Truppenübungsplatz heranwachsen sehen", erzählt Härtl. Das sind in erster Linie Tiere, die beringt werden.

Mindestens zwei Horste

Diplom-Biologe Dr. Daniel Schmidt-Rothmund vom Vogelschutzzentrum Mössingen erledigt die Beringung (wir berichten). Die Kosten dafür teilen sich die US-Umweltschützer und der Bundesforst, genau wie für die künstlichen Nisthilfen und die Horstpflege. Mittlerweile gibt es offiziell je zwei See- und Fischadlerreviere und Horste auf dem Übungsplatz.

Tatsächlich geht Härtl von mehr Brutplätzen auf den 23 000-Hektar-Areal aus. Während die Fischadler den Winter in wärmeren Gefilden in Afrika oder Spanien verbringen, sind die Seeadler das ganze Jahr in der Region. Besonders im Herbst und im Winter sind den Schätzungen zufolge 15 bis 20 Seeadler auf dem Platz. Als emotionalstes Ereignis mit den Adlern berichtet Härtl von einem Fischadler, der südlich außerhalb des Übungsplatzes in einem Fangeisen qualvoll verendete.

Gesundheitspolizei

Das verurteilt auch Revierförster Frank Gerstenmeier. Aus seinem Revier Tanzfleck stammte der 2014 tot in der Falle aufgefundene Vogel. In diesem Revier wurde Mitte der 1980er Jahre der erste Fischadlerhorst in der nördlichen Oberpfalz ausgemacht. Die Wälder sowie große Weiherflächen im Südosten des Übungsplatzes und das Sumpf- und Torfgebiet des Röthelweihers machen es den Vögeln leichter. Täglich kann Gerstenmeier bei seinen Streifenfahrten die Fisch- und Seeadler beobachten.

Für den Forstmann erfüllen die Seeadler die Funktion einer Gesundheitspolizei. Die Adler sind Aasfresser und leben von Fallwild und den Fischen in den Seen. Den Wildreichtum - riesige Rotwild-Rudel durchziehen nach wie vor den Übungsplatz - nennt der Bundesforst auch als Grund für den enormen Adlerbestand.

Militär und Natur sind für die Förster kein Widerspruch, im Gegenteil: Das militärische Sperrgebiet sorgt für ein Betretungsverbot, das Gebiet ist eigentlich menschenleer. Dass die Tiere durch den Schießbetrieb zu Schaden kommen, ist eher unwahrscheinlich, unmittelbare Schussbereiche werden von Wild und Adlern gemieden. Holzscheiben sind auf den Rangen die Ziele der Soldaten, es besteht absolutes Schießverbot auf alle Lebewesen - Zuwiderhandlungen werden drastisch bestraft.
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