Mindestlohn hilft der Region

Alexander Gröbner spannte den Bogen von Washington bis Weihersberg. Bei allen weltpoltischen Überlegungen behielt der Verdi-Funktionär auch die Region im Blick. Bild: rn

Die Region und die ganze Welt arbeitete Alexander Gröbner im Eschenbacher Sportheim ab. Die SPD-Ortsvereine des Städtedreiecks hatten den Verdi-Mann zum Ascherfreitag geladen, und der Gewerkschafter enttäuschte nicht.

Eng ging es am Freitag im SC-Sportheim zu. Die SPD war nach Pressath und Grafenwöhr Gastgeber des dritten Politischen Ascherfreitags. Verdi-Mann Alexander Gröbner beackerte dabei viele Felder, hatte aber immer die Region im Blick.

"Rund ein Jahrzehnt haben die Gewerkschaften für den Mindestlohn gekämpft. Jetzt wird er Realität", freute sich der Regensburger. Er prangerte bisher sittenwidrige Löhne an und rechnete hoch, dass durch den Mindestlohn jährlich mehr als 200 000 Euro zusätzlich in die Region fließen. Er wusste von 116 440 Arbeitnehmern, einem Fünftel der Beschäftigten der Oberpfalz, die bisher unter 8,50 Euro bekamen. Kategorisch lehnte er Ausnahmen als "diskriminierend und damit verfassungswidrig" ab. Bei der Überprüfung von Unternehmen dürfe es keine Vorankündigung geben. "Auch bei der Rente mit 63 und den Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente stimmt die Richtung." Diesen ersten Schritten müssten weitere folgen. Der bayerischen Staatsregierung warf er vor, Bildung zwar wichtig, aber nicht ernst zu nehmen. Beweis dafür sei die hohe Zahl arbeitsloser Lehrer.

Nicht christlich oder sozial

Die US-Administration rief er auf, "nicht auf dem Rücken der Region Politik zu machen". Politikern der Region warf er vor, zum Abbau der Bettenkapazität in den Krankenhäusern beigetragen zu haben. Angriffsfläche bot auch die Kliniken AG. Die Beschäftigten müssten für die Sanierung der Tiefgarage in Weiden auf Einkommen verzichten. Zum Thema machte Gröbner auch die Asylwelle: "Wenn es in diesem reichen Land nicht möglich ist zu helfen, dann ist dies nicht christlich und nicht sozial." Es sei ihm ein Anliegen, diesen Menschen mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Massenarbeitslosigkeit und Armut in den Krisenstaaten - auch in Mittel- und Osteuropa - würden beitragen, dass Menschen hier Arbeit suchen.

Nicht ausblenden wollte er die Arbeits- und Finanzsituation in Griechenland. Von der neuen Regierung erhoffe er sich eine Verbesserung im Steuerwesen. "Wir sollten aber nicht auf Griechenland zeigen, weil das Land seine Steuern mangelhaft eintreibt." Gröbner erklärte, dass auch die bayerische Staatsregierung Steuersünder konsequent schone. An den Finanzämtern fehlten permanent 500 Betriebsprüfer. Erfahrungsgemäß bringe ein Prüfer jährlich ein Mehrergebnis von einer Million Euro. "Und dann ist für Kindertagesstätten kein Geld da."

Sorge ums Land

Auch Ortsvorsitzender Thomas Ott wandte sich an seine Genossen. Er bedauerte, dass der Politische Aschermittwoch im Zeichen der Großen Koalition an Bedeutung verloren habe. Zum Lästern und auch zum Fürchten gebe es zur Zeit genug. Dazu hatte er eine große Palette parat und zählte auf: Mindestlohn, Energiepolitik, Griechenland, Asylbewerberproblematik, populistische Parolen der AfD, Lehrermangel trotz Lehrerüberschusses und Ausbluten der ländlichen Gebiete trotz Heimatministeriums. Ganz besonders stieß er sich an der "Selbstherrlichkeit und Überheblichkeit, mit der unsere schwarzen Brüder unser Land regieren". Im Anschluss lud er die Besucher ein: "Lasst die Worte auf euch wirken, diskutiert darüber, rückt zam und genießt die Fastenbrotzeit"
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