Mischung aus Haflinger und Esel

Karl Krieg blickt im Gespräch auf 50 Ausgaben des "Passauer Pegasus" zurück. Bild: Setzwein

Unbemerkt von der großen Öffentlichkeit hat sich in Passau eine der dienstältesten Literaturzeitschriften des deutschsprachigen Raums etabliert: der "Passauer Pegasus". Vor wenigen Wochen erschien die Jubiläumsnummer 50. Ein Gespräch mit Mit-Herausgeber Karl Krieg.

Sehe ich es recht, dass der "Passauer Pegasus" manchmal etwas länger braucht, dafür aber dann umso massiver auftritt, in Art eines niederbayerischen Kaltblüters eben? Das 30-jährige Jubiläum 2014 habt ihr jedenfalls ungefeiert vorübergehen lassen?

Karl Krieg: Richtig, der "Passauer Pegasus" ist eine Mischung aus Haflinger und Esel: Bedächtigkeit gepaart mit einem störrischen Element. Und so haben wir die Feieranlässe bockig verweigert und unsere Zeit und Energie lieber in die Sache an sich investiert.

Entstanden ist so ein Heft 50 mit über 300 Seiten. Es findet sich ein breites Angebot an Gedichten, weil uns Lyrik immer schon wichtig war. Als weiteren wunderbaren Schwerpunkt hat sich das Genre des Tagebuchaufschriebs, des Reiseberichts, der Alltagsnotizen manifestiert. Beiträge gibt's von Peter K. Wehrli, Petra Morsbach, Paul Wühr, Richard Wall, Bernhard Setzwein und Harald Grill.

Wenn man solch runde Zahlen glücklich und erschöpft erreicht, ist man natürlich immer verleitet, nochmal einen Blick zurück zu werfen. Wie hat das eigentlich begonnen, mit dem "Pegasus" und mit welchen Gefühlen schaust Du selber auf diese Anfänge zurück?

Krieg: Ich bin als Möchtegern-Autor in die Fänge des Pegasus geraten, eigentlich arbeite ich ja seit 1980 als Diplombibliothekar an der Uni Passau. So entging es mir nicht, dass irgendwann eine Literaturzeitschrift in der Stadt auftauchte. Ich kaufte diese natürlich und bereits in der zweiten Ausgabe bedankte sich die Redaktion für die Einsendung von Texten bei Karl Krieg. Es erschienen dann tatsächlich ein paar Texte von mir. In der Ausgabe 5, 1984, wurde ich bereits im Herausgeberteam genannt. Und das ist so geblieben bis heute.

Betrachtet man die 30 Jahre und 50 Nummern, muss man ganz klar sagen: der "Pegasus" hat eine enorme Professionalisierung durchgemacht. Wie siehst Du selber die Entwicklung?

Krieg: In den ersten Jahren war der "Pegasus" ein Organ für schreibende Herausgeber, Studierende und Dozenten der Uni Passau. Irgendwann kam von mir die Forderung, dass von den Herausgebern keine literarischen Texte mehr publiziert werden sollen. Das ging auch gegen mich selbst, war aber eine Notwendigkeit.

Es folgte also die Öffnung nach außen, mit dem Themenheft "Bayerische Mundart". Wir fanden Spaß am Kontakt mit der Literaturwelt. Eine Großtat gelang uns 1993 mit dem Band "Literatur aus der Schweiz". Ein 375-Seiten-Buch lag auf einmal vor uns, von dem wir nicht so recht wussten, wie es entstehen konnte. Wir wurden eingeladen zu den Solothurner Literaturtagen, der Band wurde in großen Blättern besprochen, der "Neuen Züricher Zeitung" etwa. Es war was los.

Es folgten weitere Themenhefte?

Krieg: Ja. Zum Beispiel das Sonderheft "Tschechische Gegenwartsliteratur". Der Recherche-Ausflug nach Prag zur Vorbereitung der Ausgabe war eine feine Räuberpistole mit Literatenstammtisch plus Surrealistenbeteiligung. "Neue Poesie und/als Tradition" war ein weiteres Thema und "Literatur aus der Slowakei".

Es gab jetzt schon länger kein reines Themenheft mehr. Warum eigentlich? Sind die Themen ausgegangen oder laufen heimlich schon längst langwierige Vorbereitungen?

Krieg: Lustig, dass es keine Themen mehr gibt. Das mag die neue Zeit sein, oder die eigene Bequemlichkeit. Unsere besten Themen hatten ja mit der Literatur in unterschiedlichen Landstrichen zu tun. Inhaltliche Themenüberschriften haben wir gerne vermieden, weil allerorts gerne Texte unters Thema gebogen werden. Was denkbar wäre, sind die neuen Themen, wofür ich mir schon mal "Vom Neandertal ins Digital" schützen lassen möchte.

Unbedingt noch erwähnen sollte man, dass der "Passauer Pegasus" seit ebenfalls bald 30 Jahren Lesungen organisiert, hauptsächlich im Scharfrichterhaus. Was erlebt man da alles?

Krieg: Geschichten gibt es da allerlei, vom verschlossenen Helmut Krausser, den wir mit Rotwein geöffnet haben, vom Robert Menasse, der mir ewig dankbar ist, weil ich ihm für seinen Schwiegervater zum Geburtstag eine Radischneidmaschine mit Einsalzvorrichtung besorgen konnte, vom völlig durchgeknallten Thomas Glavinic, der professionell gelesen hat, aber ansonsten voll neben der Spur war, bis zu Ulrike Draesner, die in Berlin bleiben musste, weil die Lokführer-Gewerkschaft wohl etwas gegen Literaturveranstaltungen hat.

Noch mal zum eigenen Zeitmaß des "Pegasus": Der hat ja zum Beispiel noch immer keine Homepage. Was muss sich ändern, für die nächsten 50 Nummern?

Krieg: Wir brauchen eine gescheite Homepage, einen Eintrag bei Facebook, einen Whats-app-Kontakt und ein paar geile Auftrittsvideos bei Youtube. Nur wissen wir gerade nicht, wer es machen soll. Allerdings ist die Internet-Adresse seit längerem gebunkert. Wir sind zuversichtlich.

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Informationen und Bezug des "Passauer Pegasus" (zwölf Euro) unter der E-Mail-Adresse passauer.pegasus@gmx.de.
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