Missbrauchsopfer kommt von Sexual-Attacke nicht mehr los - Viermal umgezogen - Richter hören ...
Arglos in die seelische Katastrophe geglitten

Amberg/Schwandorf. (hwo) Als ihre Aussage nach knapp einer Stunde beendet war, hätte man eine Stecknadel im Sitzungssaal fallen hören können. Die fast schon atemlose Stille löste sich erst dann, als die Frau hinaus ging. Sie hatte der 4. Strafkammer des Landgerichts Amberg berichtet, was ihr in einer Schwandorfer Wohnung zustieß.

Die heute 29-Jährige reiste an einem Septembertag 2012 von Oberbayern in die Oberpfalz. Sie wollte einen Mann näher kennenlernen, mit dem sie zuvor Internetkontakte hatte. Er empfing sie in seiner Schwandorfer Wohnung, dann fuhren beide nach Regensburg, um ein paar Cocktails zu trinken. Später kehrten der heute 35-Jährige und seine Bekannte nach Schwandorf zurück. Das alles ist der ehemaligen Berufssoldatin in Erinnerung geblieben. Was anschließend folgte, ließ sie ahnungslos in eine menschliche Katastrophe gleiten.

Homöopathisches Mittel?

Behutsam tastete sich der Vorsitzende Richter Dr. Stefan Täschner an die Geschehnisse heran und es wurde deutlich: Der Jurist wollte mit seinen Fragen keine noch größeren seelischen Wunden entstehen lassen. Allerdings mochte er schon wissen: "Wollten Sie übernachten?" Die Antwort: "Das habe ich offen gelassen. Aber wenn, dann auf der Couch." Auf diesem Sofa saß die Frau, als ihr etwas zur Entspannung angeboten wurde. Zuvor hatte sie dem 35-Jährigen von Schlafstörungen berichtet. "Ein homöopathisches Mittel", wie die Mutter zweier Kinder erfuhr. Doch statt irgendwelcher Globuli bekam sie eine offenbar sehr hohe Dosis der rezeptpflichtigen Beruhigungstabletten Diazepam. Unmittelbar danach schwanden ihre Sinne, fiel sie in einen Tiefschlaf. Was danach passierte, ließ die 29-Jährige seither nie mehr zur Ruhe kommen. Denn sie weiß bis heute nicht, was der Mann, der sie in sein Bett schleppte, mit ihr trieb. Nur dann und wann im Verlauf etlicher Stunden hatte das Opfer helle Momente. Von daher behielt die Frau in Erinnerung: "Er hat mir die Beine über den Kopf gedrückt, er hat mich auch gewendet." Doch zu einer Gegenwehr fehlte jegliche Kraft. Ihr Körper war zu keiner Reaktion fähig. Am anderen Tag trat sie die Heimfahrt an. Auch dabei immer noch benebelt und so desorientiert, dass sie jemanden per Handy zu Hilfe rief. Daheim angekommen, wurde Angehörigen rasch deutlich, dass etwas nicht stimmte. Daraufhin kam sie ins Krankenhaus, wurde die Polizei geholt, erschien auch ein Gynäkologe. Er stellte fest, dass es am Körper seiner Patientin Blutergüsse gab.

Die Folgen sind bis heute dramatisch. Das Opfer ist vier Mal umgezogen. Immer weiter weg von Bayern, hoch in den Norden. Am liebsten wäre es ihr, ganz aus Deutschland fort zu kommen. Endgültig außer Reichweite des Täters, von dem sie sagt: "Er versaut mir mein Leben noch immer." Gerne hätte die Frisörin die Meisterprüfung in ihrem Handwerk abgelegt. Doch dazu ist sie wegen der Traumatisierung nicht fähig.

Angeklagter schweigt

Noch immer lebt die Frau in einem permanenten Zustand der Angst und der Ungewissheit, was der Täter mit ihr machte. Sie wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nie erfahren. Der Angeklagte schweigt bisher. Von zwei Frauen, denen es ähnlich erging, fertigte er Videoaufnahmen. Eine der beiden soll diese Woche aussagen.
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