Mission Basteln

Ingrid Sischka (Sechste von rechts) ist die dienstälteste Bastlerin der Frauengruppe, die sich jährlich in den Wochen vor Advent im Pfarrheim trifft.

Dienstagabend, halb acht vor dem Pfarrheim: Ein Anhänger mit Streu einer halben Tanne wartet darauf, entladen zu werden. Nach und nach trudeln die Immenreuther Bastlerinnen ein. Die Zeit drängt, denn der Adventsbasar ist bereits am Samstag (17 bis 21 Uhr) und am Sonntag (8 bis 16 Uhr).

Immenreuth. (sib) Es wuselt im Keller, die letzten Kränze und Gestecke müssen gebunden und geschmückt werden. Bereits seit Anfang Oktober stellen die Frauen der KAB Weihnachtsartikel im Akkord her.

1971 hatte der Adventsbasar Premiere, damals im Pfarrheim und in noch viel kleinerer Dimension. Es gab Strohsterne, Makrameeartikel und Rauschgoldengel. Der Erlös des ersten Basars unter Pfarrer Sparrer war für die Seniorenbetreuung. "Dann war die Primiz vom Pater Weichs, seitdem geht der Gewinn an unsere Missionare oder wie in diesem Jahr an unseren Pfarrvikar Justin Kishimbe", erzählt KAB-Vorsitzende Claudia Porst. Dieser unterstütze Schüler seiner Heimatpfarrei im Kongo. 200 000 Euro gingen in all den Jahren schon an den guten Zweck.

Aber nicht nur im Pfarrheim werkeln die fleißigen Helfer, ein großer Teil der Artikel wird in Heimarbeit gefertigt. "Schon seit Mitte des Jahres stellen unsere Helferinnen Marmeladen, Liköre oder Strickwaren wie Socken, Mützen, Kissen, genähte Adventskalender, Nikoläuse oder Schaukelpferde zu Hause her." Größere Holzartikel wie Lichterbretter, Birkendekostühle und Vogelhäuschen werden den Männern daheim angefertigt, berichtet Porst.

Damit wieder ein großes Angebot an Dekoartikeln bereitgestellt werden kann, waren Unmengen an Material nötig. "Bis jetzt mussten wir zum Glück noch kein Streu kaufen. Das wird alles von Immenreuthern oder Nachbargemeinden gespendet." Im November strömten die Bastlerinnen selbst wie die "Oichkatzeln" aus, um Zapfen in allen Formen und Größen zu sammeln.

1,5 Kilometer Schleifen

Von Buchs über Tanne, Douglasie oder Thuja: Vier bis fünf komplette Bäume verarbeiteten die Frauen zu mehr als 700 Dekoartikel. Daneben verbrauchten sie heuer fast 1,5 Kilometer an Schleifen und Bändern, 7 Kilogramm Draht, 3 Kilogramm Heißkleber und über 200 Kerzen. "Von Gestecken, Kränzen, Hängern, Kerzen, von traditionell bis modern - da ist für jeden Geschmack etwas dabei." Eine Mammutaufgabe ist auch die Lagerung der Artikel. "Das Pfarrheim reicht da nicht aus. Unsere Keller sind auch schon voll."

Ideen kommen im Schlaf

Elisabeth Schlicht und Claudia Porst, die Leiterinnen des Bastelns, müssen da schon kreativ werden, damit kein Artikel aussieht wie der andere. "Die meisten Ideen nehmen wir aus Zeitschriften oder bekommen wir beim Basteln. Ab und zu habe ich sogar im Schlaf gute Einfälle", schmunzelt die Vorsitzende. Auch die Teilnehmerinnen dürfen ihre Ideen einbringen - wenn sie es denn ins Pfarrheim schaffen. "Einmal hab ich meine Damen ausgesperrt. Ich habe gewartet und mich gewundert, warum wohl keiner kommt. Irgendwann bin ich dann doch mal raus und wollte nachsehen, wo die alle bleiben. Da warteten sie alle vor verschlossener Tür."

Um jeden Artikel mit dem Prädikat "handgefertigt" bezeichnen zu können, sind zahlreiche Hände notwendig. "Ohne die vielen fleißigen Bastelfreudigen wäre der Basar nicht möglich. Heuer hatten wir einen besonders hohen Zuspruch, auch neue Gesichter kamen und halfen mit." Aber auch die Heimarbeiter und die Bäcker von über 70 Kilogramm Plätzchen dürften nicht vergessen werden. Ein Dank gehe zudem an die Sponsoren der Tombola, freut sich die Vorsitzende. Ganz ungefährlich sind die Bastelarbeiten nicht: "Der schlimmste Feind des Bastelns ist die Heißklebepistole", sind sich alle Frauen einig.

Schon von Beginn an dabei sind Ingrid Sischka, Margarete Ziegler, Lucia Brunner und Hermine Heinl. Sie erlebten auch die Erfolgsgeschichte des Basars mit: "Wir mussten in die Mehrzweckhalle umziehen, weil das Pfarrheim aus allen Nähten platzte. Es wurde größer und größer. Die Leute kommen aus der ganzen Umgebung, sogar aus Frankfurt haben wir Stammkunden", erzählt Porst. "Ich hoffe, dass unsere Werke auch heuer wieder reißenden Absatz finden und viele Besucher kommen. Man ist vorher natürlich immer aufgeregt, aber wir sind sehr zufrieden mit unseren Arbeiten."
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