"Mit dem Rücken zur Wand"

Auch wenn es nicht so ausschaut, das Lachen ist den Landwirten angesichts des Preisverfalls bei Lebensmitteln gründlich vergangen. Einer Delegation des Bayerischen Bauernverbandes mit Kreisobmann Ely Eibisch (Zweiter von rechts) und Kreisgeschäftsführer Ulrich Härtl (rechts) schilderte die Familie Schiml ihre Sorgen. Bild: stg

Der Preisverfall bei Milch und Fleisch bereitet den Verantwortlichen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Tirschenreuth große Sorgen. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", schlägt Ely Eibisch Alarm.

Kemnath/Tirschenreuth. (stg) Dringend geboten seien deswegen staatliche Unterstützungen, forderte der Kreisobmann bei einem Besuch auf dem Hof von Matthias und Lisa Schiml in Schweißenreuth. Laut Ely Eibisch hat sich in den vergangenen Wochen für die bayerischen Bauern bei vielen Erzeugerpreisen ein absolut unbefriedigendes Niveau entwickelt. Das Russlandembargo, das aus politischen Gründen und aufgrund der Ukraine-Krise verhängt worden sei, trage insbesondere bei Milch, Fleisch, Obst und Gemüse zu massiven Marktproblemen bei. "Es ist unfair, dass die Bauern mit den enormen wirtschaftlichen Folgewirkungen außenpolitischer Entscheidungen allein gelassen werden", betonte Eibisch.

Gerade Familienbetriebe befänden sich in einer schwierigen Lage, bestätigte Matthias Schiml, der 170 Milchkühe auf seinem Hof hat. "Das Einkommen bei Milch sinkt um ein Viertel, die Ausgaben bleiben gleich, beziehungsweise steigen an." Bei einem Preis von 30 Cent pro Liter sei keine nachhaltige Milchwirtschaft möglich, unter solchen Bedingungen sei es äußerst schwierig, kleinbäuerliche Strukturen zu erhalten. Eibisch ergänzte, dass der auf 1,40 Euro pro Kilogramm gesunkene Schweinefleischpreis ebenfalls dramatisch sei.

Mit einem Sechs-Punkte-Forderungskatalog will der Bayerische Bauernverband den aktuellen Tendenzen entgegensteuern: Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen, Einführung einer Liquiditätshilfe auf Bundesebene, Möglichkeit zur steuerlichen Risikovorsorge, schnelle und effiziente Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels, Rückfluss von Abzügen im Milchbereich an die Milcherzeuger sowie die Sicherstellung der Auszahlung der diesjährigen Betriebsprämie bis Dezember.

Sollte die aktuelle Preissituation weiter anhalten, so Eibisch, dann sei eine Produktion auf den bäuerlichen Familienbetrieben in der Region nicht mehr möglich. Die Erzeugung von Lebensmitteln verlagere sich dann immer mehr ins Ausland.
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