Mit Eskorte durch Historie

Zwar nicht Geschichte zum Anfassen, jedoch zum Miterleben bot die Historische Stadtführung bei Nacht. Über 150 Besucher trafen dabei markante Persönlichkeiten in der über 1000-jährigen Geschichte Kemnaths.

Kemnath. (jzk) Die Stadtführung war Teil des Aktionsprogramms zum aktionsreichen Wochenende "Kemnath blüht auf". Und für die Teilnehmer gratis, denn: "Den Pflasterzoll hat heute Bürgermeister Werner Nickl übernommen", erklärte Hans Rösch, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises.

Nach einer kurzen Einführung lud die Baderin Pauline (Pauline Bäumler) die Gäste zu einer abwechslungsreichen Tour ein. Die Trommler Roland Rabenstein und Thomas Lauber marschierten voran, Richard Brunner und Jürgen Schreyer von der Stadtwache eskortierten den Zug.

In authentischen Vorstellungen ließen sieben Darsteller in historischen Gewändern die Teilnehmer tief in vergangene Zeiten eintauchen. Den Auftakt machte die Pinzer-Beckn-Resl (Liane Preininger) auf dem Cammerloherplatz. Sie musste 1878 im Alter von zehn Jahren nach Amerika auswandern. Eindrucksvoll schilderte sie die Umstände, die ihre Familie dazu zwangen. Eines ihrer sechs Kinder wurde in Amerika Kardinal (Aloysius Joseph Muench). Hildebert Mehler, der letzte Guardian des Franziskanerklosters (Roland Wende), erzählte im Klosterhof die wechselhafte Geschichte des Klosters von der Gründung bis zur Auflösung bei der Säkularisation im Jahr 1802.

Von Rom nach Kemnath

Bei der Nepomuk-Statue vor dem Kirchturm wartete der Fischer Wolf Veigl mit einer Schubkarre, einem Karpfenfass und einem Holzeimer. Er erzählte von der Bedeutung der Karpfenzucht in früheren Zeiten. Vor der Stadtpfarrkirche teilte Pfarrer Arckhauer (Reinhard Herr) seinen Zuhörern mit, wie der Katakomben-Heilige Primian von Rom nach Kemnath kam und zum Stadtpatron wurde. Christoph Adam von Trautenberg (Hans Rösch) erzählte in Begleitung von Bruder Josef (Heiner Dworzak) in der Trautenbergstraße von der Gründung des Spitals für "in Ehren abgehauste Kemnather Bürger". Singend war Kantor Wolfgang Schmeltzl (Josef Zaglmann) aus Wien zum ehemaligen Gänsbrunnen, der seit über 40 Jahren seinen Namen trägt, auf den Rathausplatz geeilt. Er berichtete, wie er im 16. Jahrhundert als armer Sohn eines Kemnather Handwerksmanns nach Wien zog und dort als Kantor, Schulmeister und Schuldramatiker zu Ruhm und Ehren gelangte.

An der Sebastiansäule auf dem Stadtplatz trat die Brandstifterin Sybilla Schimmel (Anna Müller-Rösch) auf. Sie erzählte, wie sie 1848 im Rausch ein Feuer legte, bei dem fast 100 Häuser abbrannten. Nach der abschließenden Vorstellung der Darsteller durch die Baderin Pauline dankte Rösch allen Mitwirkenden.
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