Mit Fingerspitzengefühl

Es sind keine Geräte oder Medikamente erforderlich. Seine Hände und eine Liege: Mehr benötigt ein Osteopath nicht als Werkzeug - weder bei der Diagnose noch bei der Behandlung.

Einblicke in seine Arbeit gab Heilpraktiker Georg Schöner, zugleich Vorsitzender des Bundesverbandes der Osteopathen, in einem Referat beim KAB-Ortsverband. Die osteopathische Medizin sei eine ganzheitliche Behandlungsform, diene vorwiegend der Erkennung und Behandlung, spreche alle Altersschichten an und sei mittlerweile auch bei Ärzten anerkannt, sagte er.

Der Begriff Osteopathie ist aus dem Griechischen abgeleitet: Osteon ist der Knochen, Panthos bedeutet Krankheit. Begründer der Osteopathie ist der Amerikaner Andrew T. Still (1894). Um 1900 hielt die Osteopathie in Europa Einzug, zuerst in England. Erst Anfang der 1990er Jahre wurden sie auch in Deutschland und der Schweiz heimisch.

Im Körper sei alles im Fluss, denn 60 Prozent seiner Masse bestehe aus Flüssigkeit, erläuterte Georg Schöner. Träten Stauungen auf, seien diese Grundlage von Krankheiten. "Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum: Körper, Geist und Seele, deren Funktion und Struktur, die Selbstregulationskräfte sowie die Gefäße und Leitungsbahnen bilden als vier Säulen eine untrennbare Einheit."

Von einer osteopathischen Dysfunktion werde gesprochen, wenn eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit oder funktionelle Störung bei einem Menschen vorliege. Ein Osteopath betreibe keine Symptombehandlung, sondern befasse sich mit dem Finden der Ursachen. Er benötige daher Fingerspitzengefühl und Erfahrung, erklärte der Referent.

Die Osteopathie sei noch nicht als Beruf anerkannt. Daher könne die Behandlung nur durch einen Heilpraktiker oder Arzt erfolgen. Ein großer Teil davon bestehe aus dem Patientengespräch, in dem familiäre und berufliche Ereignisse beleuchtet sowie Operationen und Unfälle besprochen werden.

Osteopathie sei für Menschen jeden Alters geeignet, betonte Schöner. Sie helfe zum Beispiel bei einem Schleudertrauma, internistischen Problemen, Kopfschmerzen, Frauenkrankheiten, Lern- und Konzentrationsstörungen oder Entwicklungsverzögerungen. Auch die Folgen einer Krebsbehandlung beziehungsweise Chemotherapie könnten gemildert werden.

Bei offenen Wunden, Brüchen und anderem stoße die Osteopathie jedoch an ihre Grenzen. Diese Fälle müssten durch herkömmliche Medizin und Ärzte behandelt werden, machte der Referent deutlich.
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