Mit "fürchterlicher Aktualität"

Polizeibeamte hatten am Volkstrauertag die Ehrenwache übernommen. Bürgermeister Armin Schärtl, seine Stellvertreter Kurt Koppmann und Heidi Eckl sowie Karl Böhm und Fritz Sauerer als Vertreter der Soldaten- und Kriegerkameradschaft legten im Gedenken an die Opfer der Weltkriege, aber auch an die Opfer des Terroranschlags in Paris, einen Kranz nieder. Die Geistlichen beider Konfessionen, Stadtpfarrer Hannes Lorenz und Pfarrerin Irene Friedrich sprachen die Gebete. Bild: Baehnisch

Der Terroranschlag von Paris in der Nacht zum Samstag: Für Nabburgs Bürgermeister Armin Schärtl hatte das Gedenken zum Volkstrauertag eine "fürchterliche Aktualität" erlangt.

Nabburg. (cv) 100 Jahre nach dem Ersten und 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gefallenen und Leidtragenden gedacht: In einem Gottesdienst, dann in der Feierstunde am Ehrenmal - diesmal im Stadtfriedhof, da die Nikolauskirche renoviert wird.

Stadträte, Jugendblaskapelle, die Vereine und Stadtfeuerwehren hatten sich um den Gedenkstein gruppiert. Auf der Schautafel in der Nikolauskirche stehen die Namen der Gefallenen aus dem Stadtgebiet, doch welche Schicksale stecken dahinter?

Aus dem Tagebuch

Bürgermeister Schärtl zitierte aus privaten Tagebuchaufzeichnungen der Nabburger Familie Nissl. Margarete Nissls Vater Thomas Amode, geboren 1897, musste beide Weltkriege erleben. Vor exakt 70 Jahren starb er in einem russischen Lager. Im Tagebuch über die Erlebnisse im Ersten Weltkrieg wird spürbar, wie sich anfängliche naive Begeisterung an der Front ins Gegenteil verkehrt. Amode schreibt von Kälte und Dreck, Weihnachten unter Störfeuer, von Granaten und Leichen. Die Schilderungen machen auch nach so langer Zeit betroffen. Schärtls Fazit: "Wir müssen genau hinschauen, wenn heute wieder rechte Rattenfänger und Ewiggestrige unterwegs sind, um die Geschichte zu klittern". Bürgermeister Schärtl zitierte den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizäcker: "Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, wird anfällig für neue Ansteckungsgefahr." Pegida und neue politische Strömungen gelte es "aufmerksam zu beobachten".
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