Mit Leib und Seele dabei

Markus Schickentanz ist seit einem Jahr Bezirksvorsitzender der Bayerischen Jungbauernschaft. Bild: juh

Markus Schickentanz - Pogrammierer, Fräser, Landmaschinenmechaniker und Landwirt - ein Multitalent. Vor rund einem Jahr wurde der 34-Jährige zum Bezirksvorsitzenden der Bayerischen Jungbauernschaft gewählt.

Die Amtszeit des gebürtigen Vorbacher als Bezirksvorsitzender läuft drei Jahre. Seit der Wahl ist ein Jahr vergangen. Im Interview erklärt der Landwirt, weshalb er das Amt übernommen hat, welche Erfahrungen er gemacht hat und was sich für ihn dadurch verändert hat.

Sind sie in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen?

Mein Vater hat 1980 damit angefangen, einen Hof aufzubauen. Wir hatten lange Zeit Schweine und betrieben Ackerbau. Wenn man das alles von Klein auf mitbekommt, kann man das, denke ich, nie ganz lassen.

Wie muss man sich Ihre Tätigkeit als Nebenerwerbslandwirt vorstellen?

2008 habe ich unseren Betrieb übernommen. Bis 2013 habe ich ihn auch so weitergeführt, doch dann habe ich die Schweinemast abgeschafft. Ich hätte in den Schweinestall 250 000 Euro investieren müssen, das wäre nicht rentabel gewesen. Seitdem betreibe ich ausschließlich Ackerbau. Es ist für mich ein Hobby, wodurch ich mich vom Arbeitsstress ablenke. Im Sommer, während der Ernte, ist die Arbeit natürlich intensiver.

Was machen Sie hauptberuflich?

Ich habe drei Berufe gelernt. 2008 habe ich, neben meiner Tätigkeit als Landwirt, Programmierer gelernt. Davor hatte ich Ausbildungen zum Landmaschinenmechaniker und zum Landwirt abgeschlossen. Jetzt arbeite ich bei der Firma Novem in Vorbach als CNC-Fräser. Nebenbei habe ich dort die Möglichkeit, zu programmieren.

Wieso widmen sie sich nicht ganz der Landwirtschaft?

Das ist keine Option. Mit 15 Hektar Ackerland und 14 Hektar Wald ist unser Hof zu klein, um davon zu leben. Ich sage immer, zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Vor einem Jahr haben sie sich zum Bezirksvorsitzenden der Bayerischen Jungbauernschaft wählen lassen. Weshalb?

Als Nebenerwerbslandwirt weiß ich, was es bedeutet, einen Hof zu betreiben. Ich hatte auch eine persönliche Motivation. Bis vor zwei Jahren habe ich so stark gestottert, dass ich kaum zwei Worte am Stück sprechen konnte. Ich wusste, dass durch das Amt auch viele Ansprachen und Grußworte auf mich zukommen. Ich wollte es einfach schaffen, meine sprachliche Kompetenz zu verbessern. Das hat auch in kürzerster Zeit funktioniert. Es ist eine Art Therapie für mich.

Welche Aufgaben fallen in den Bereich des Bezirksvorsitzenden?

Ich repräsentiere die Bayerische Jungbauernschaft in der Öffentlichkeit, zum Beispiel bei verschiedenen Hoffesten. Zudem bis ich als Ehrengast bei Zeugnisübergaben der Landwirtschaftsschule und bei Meisterbriefverleihungen vor Ort. Ich halte Vorträge an landwirtschaftlichen Schulen und erkläre, was die Jungbauernschaft macht. Meine Hauptaufgabe ist es, junge Leute zu inspirieren, bei uns beizutreten.

Was hat sich für Sie persönlich seit der Wahl verändert?

Ich habe tolle Menschen kennengelernt, zum Beispiel Albert Füracker. Eines meiner Highlights war aber die Begegnung mit dem Präsidenten des Bauernverbandes Walter Heidl. Mit diesem Treffen ging für mich ein Traum in Erfüllung.

Wie vereinbaren Sie Ihre Arbeit mit den anderen Tätigkeiten?

Meine Mutter aktualisiert meinen Terminkalender. Auch die Zusammenarbeit mit Franz Obermaier, dem Geschäftsführer der Jungbauernschaft und mit der anderen Bezirksvorsitzenden Karina Kederer hilft mir dabei. Außerdem stärkt mir der Vorstand den Rücken.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre Arbeit als Bezirksvorsitzender gesetzt?

Der Schwerpunkt ist, junge Leute zu begeistern, zur Bayerischen Jungbauernschaft zu gehen. Das ist nicht leicht. Wir müssen uns präsentieren. Deshalb bin ich im Moment dabei, eine Facebook-Seite zu erstellen, um zu zeigen, was wir alles machen.

Wie wirkt sich die Tätigkeit auf Ihre Freizeit, Ihr Privatleben aus?

Freizeit habe ich sehr wenig. Unter der Woche habe ich immer was zu tun, und am Wochenende bin ich mit meinen Jungbauernschafts-Kollegen unterwegs. Außerdem habe ich weitere Ehrenämter. Ich bin zweiter Vorsitzender der Feuerwehr Vorbach, Beisitzer der Krieger- und Soldatenkameradschaft, Ortsobmann vom Bayerischen Bauernverein, zweiter Ortsobmann der Forstbetriebsgemeinschaft Eschenbach und Beisitzer im Vorstand der Jagdgenossenschaft.

Wie bewerten Sie die Entwicklung der Landwirtschaft?

In Bayern nimmt ihre Bedeutung ab, aber nicht so stark, wie oft gesagt wird. Um den Standard mitzuhalten, müssen Höfe zu Großbetrieben werden. Anders ist es sehr schwer, mit der Konkurrenz mitzuhalten. EU-Richtlinien, bundesweite und auch bayernweite Richtlinien erschweren uns zusätzlich die Arbeit, da sie sich ständig ändern und man immer auf dem neuesten Stand sein muss. Der Weltmarkt macht die Waren billig, dadurch stoßen wir preislich an Grenzen. Auch die Bauern müssen noch etwas verdienen, da unsere Standards sehr hoch sind.

Was muss sich ändern, um die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern?

Wir als Landwirte müssen uns stärker präsentieren und die Menschen von unseren Waren überzeugen. Auch am Bewusstsein der Verbraucher muss sich etwas ändern. Der Prozess beruht auf Gegenseitigkeit: Wir müssen mehr auf die Verbraucher zugehen, und die Verbraucher müssen mehr Vertrauen in unsere Sachen haben.

Welche Zukunftspläne haben Sie?

Privat wünsche ich mir, dass alles so bleibt, wie es ist. Ich bin ein familiärer Mensch. Ich habe noch zwei Brüder. Meine Familie und ich sprechen immer alles gut ab, wir halten zusammen, sonst wäre das alles nicht machbar. Und natürlich hätte ich auch gerne mal eine eigene Familie. Beruflich ist für mich schon ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, indem ich mit solchen Maschinen, wie ich es jetzt tue, arbeiten kann.
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