Mit Mut zum Neuanfang

Josef Ficker, der Gründervater des CSU-Ortsverbandes Eschenbach, prägte vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten und in den ersten Jahren der Nachkriegszeit maßgeblich die Partei.

Alter allein ist kein Verdienst. Es wird erst dann eines, wenn die Jahre, auf die zurückzublicken ist, Jahre der Arbeit und der Leistung, der Verantwortung und des Erfolgs waren. Und weil dies so ist, kann die Eschenbacher CSU ihren 70. Geburtstag in Dankbarkeit und Freude, in Selbstbewusstsein und Zuversicht feiern.

Der Ortsverband der Christlich Sozialen Union ist in die Jahre gekommen, könnte man sagen. Aber es waren und sind gute Jahre - für die Stadt und für die Menschen, für die die CSU seit sieben Jahrzehnten Verantwortung trägt.

Dies fiel den "Männern der ersten Stunde" jedoch nicht in den Schoß. Nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes wollten sie nicht einfach an die Zeit vor 1933 anknüpfen. Angesichts von Not, Elend und Zerstörung hatten sie den Mut, einen neuen Anfang zu wagen. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machten sie die ersten Schritte in eine Epoche der Freiheit.

Aus vielen Wurzeln

Als erster Ortsverband im ehemaligen Landkreis Eschenbach entstand die CSU Eschenbach jedoch nicht auf einen Schlag. Schon lange vor den Gründungsanstrengungen von Josef Ficker - dem letzten vor der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten gewählten, aber dann von den Nazis verhinderten Bürgermeister - und Heinrich Dorner, dem damaligen Leiter des Amtsgerichts, entwickelte sich im Herbst 1945 aus vielen Wurzeln der spätere CSU-Ortsverband.

Zahlreiche Diskussionen gingen voraus, bis im Oktober 1945 der CSU-Kreisverband Eschenbach entstand. Die Spitze bildeten Josef Ficker (Eschenbach), Prior Gereon Motyka (Speinshart) und Josef Prüschenk (Kirchenthumbach). Dies bestätigte Schriftführer Heinrich Dorner am 17. November 1945 Staatsrat Fritz Schäffer in München. Im Schlussabsatz des Schreibens versicherte Dorner dem späteren Finanzminister die Absicht der Neugründer, das Fundament bayerischer Traditionen nicht zu verlassen.

Zur ersten Bewährungsprobe für den jungen CSU-Ortsverband kam es schon am 27. Januar 1946. Die amerikanische Militärregierung gestattete den Gemeinden die ersten freien Wahlen nach der Nazidiktatur. Aus dem Einheitsvorschlag der CSU mit insgesamt 18 Kandidaten wählten die Bürger elf Männer ins Rathaus. Die ersten CSU-Nachkriegs-Stadträte waren Franz Simon, Ludwig List, Lorenz Löw, Michael Kallmeier, Josef Prösl, Franz Scherm, Wolfgang Schloderer, Johann Steger, Baptist Lunz, Josef Gradl und Georg Steger. Josef Ficker übernahm das Bürgermeisteramt. Sein Stellvertreter wurde Franz Simon.

Es folgten CSU-Triumphe bei den Kreistags- und Landtagswahlen 1946. Als Listenführer zog Josef Ficker mit den meisten Stimmen in den Kreistag ein. Wiedergewählt wurde Landrat Josef Prüschenk.

Auf Vater folgt Sohn

Nach dem Tod Josef Fickers, eines Symbols des Widerstands im Dritten Reich und des demokratischen Wiederaufbaues in den ersten Nachkriegsjahren, im Jahr 1949, prägte sein Sohn Walter Ficker über viele Jahrzehnte die Eschenbacher CSU und das kommunale Geschehen. 1952 in den Stadtrat gewählt, bestimmten ihn die Eschenbacher 1956 zum Bürgermeister. 1960 bestätigt, wurde er 1966 von Hans Grünwald abgelöst.

Ein Jahr später übergab Walter Ficker das Amt des CSU-Ortsvorsitzenden an Straßenmeister Max Appl. Der neue CSU-Chef verdoppelte die Mitgliederzahl auf rund 80 Frauen und Männer und feierte mit seinen Parteifreunden bei Kommunalwahlen große Erfolge. 1978 gelang Walter Ficker ein Comeback. Erneut wurde der Kaufmann und Lederhändler zum Bürgermeister gewählt - und blieb bis 1990 im Amt.
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