Mit Respekt vor der Natur

Holger Dahlem zeigte der Grünen-Kreisgruppe Schwandorf sowie der Landesvorsitzenden Sigi Hagl (links daneben) seinen biologischen Gemüseanbau. Bilder: Schieder (2)

Ist es möglich, Gemüse anzubauen und dabei auf den Einsatz der chemischen Keule zu verzichten? Kommen die Pflanzen ohne die handelsüblichen Düngepräparate aus? Die Grünen und ihre Landesvorsitzende Sigi Hagel erhielten dazu in Neuenschwand Auskunft.

Wie funktioniert ein landwirtschaftlicher Betrieb, der fernab jeglicher Konventionen den Anbau von Gemüse betreibt? "Klein aber fein", kommt einem in den Sinn, wenn man auf dem Feld von Holger Dahlem steht. Bereits von weitem zu sehen sind die verschiedenen Gemüsesorten, die hier in Reih und Glied wachsen. Qualitativ hochwertig, biologisch angebaut - so präsentiert sich das reiche Sortiment.

Eine Ernte im Jahr

Landwirt hat er gelernt, erzählt Holger Dahlem. Das Konventionelle habe ihm dabei aber nicht so gut gefallen. "Vor 15 Jahren haben wir mit 400 Quadratmetern angefangen und waren manchmal nahe daran, das Handtuch zu werfen", gab er zu. Bei allem Idealismus müsse auch hier die Wirtschaftlichkeit bedacht werden. Doch bei weitem überwog der Gedanke an die Qualität des Gemüses - unter Berücksichtigung der Bodenfruchtbarkeit - alle kommerziellen Überlegungen. "Es wird nur einmal im Jahr geerntet", nimmt er Bezug auf den Schutz des Bodens. Auf Dünger kann verzichtet werden. Holger Dahlem baut nach der Ernte beispielsweise Kleegras an, damit der Boden sich wieder erholen und Nährstoffe aufnehmen kann. "Alles, was die Erde hergibt, soll sie wieder zurückerhalten." Gleichzeitig wird so dem Unkraut ein Schnippchen geschlagen.

40 Sorten Gemüse

Überhaupt: Große Zwischenräume zwischen der einzelnen Frucht machen es ihm und seiner Familie, zu der sechs Kinder zwischen vier und 19 Jahren gehören sowie den Helfern, leicht, die Erde durchzuharken. Früher habe er Mist eingebracht, erzählt Dahlem. Aber da tauchte wieder die Frage nach dessen Beschaffenheit auf. Häufig sei der Strohanteil darin zu gering gewesen. Problematisch seien auch die Fungizide und Herbizide, die darin enthalten sein könnten. Mittlerweile seien es mehr als zwei Hektar, auf denen über 40 verschiedene Sorten Gemüse angebaut würden. 90 Prozent der Kunden seien Endverbraucher.

Beim Gang über das Feld erläuterte Holger Dahlem den Anbau und die Ernte des Gemüses. Dabei gebe es kaum einen Maschineneinsatz. Die Palette reicht von Hokkaido-Kürbis über Zwiebeln, Wirsing und Tomaten bis hin zu Chili und Paprika. Die Gäste kamen vollends ins Staunen, als Dahlem ihnen erläuterte, dass er seine Felder nicht gieße. Die Wurzeln passten sich den Gegebenheiten an, würden sogar kräftiger und schöner wachsen. Sollten sich Blattläuse auf den Pflanzen niederlassen, komme eine ganze Armee von Marienkäfern, die diese Schädlinge vernichte, verdeutlichte der Bio-Bauer.

Eine seiner Töchter widmet sich dem Binden von Blumensträußen. Die Blumen wachsen am Rand des Feldes, bilden die Grenze zum benachbarten Maisfeld. Diese Sträuße und das Gemüse werden im Hofladen verkauft. Erweitert hat Dahlem sein Angebot um fair gehandeltes biologisches Obst und Gemüse. "Die Leute waren anfangs skeptisch, haben dann aber auch mitgeholfen", schilderte Dahlem die Reaktion in seiner Umgebung. Inzwischen kommen die Menschen gerne, genießen das Ernten in Gemeinschaft. "Es hat etwas Heilendes. Der Kontakt mit der Natur, der Umgang mit dem Gemüse wird zum Gemeinschaftserlebnis."

Nur noch der Preis

Die Landesvorsitzende der Grünen, Sigi Hagl, zeigte sich ebenso wie die weiteren Gäste beeindruckt von der Leidenschaft Dahlems, der damit zeige, dass Landwirtschaft auch Spaß machen könne. Man habe in Bayern den Wert dieser ökologischen Landwirtschaft noch nicht erkannt. Durch die hier erzeugte Qualität stecke auch Potenzial im Tourismus und in der Gastronomie. Zudem sehe sie den Preisdruck, daher verurteile sie auch die konventionell geführte Landwirtschaft nicht. Letzten Endes liege es aber beim Verbraucher.

Problematisch sei, dass die Nahrungsmittel nicht mehr wertgeschätzt würden und bloß mehr eine Orientierung am Preis erfolge.
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