Mitgestalten und Menge steuern

"Die Milchbauern müssen den Markt mitgestalten und die Menge steuern, um ein kostendeckendes Milchgeld zu bekommen." Diese deutliche Ansage machte der Vorsitzende der MEG (Milchland Oberpfalz), Hubert Meiler, bei der Jahreshauptversammlung im Landgasthof Burkhard.

Wernberg-Köblitz. (ohr) Vor einer großen Teilnehmerkulisse von Milchbauern sowie Vertretern der Verbände, der Politik und der Behörden verwies Meiler auf einzelne Milchpreisverhandlungen und Veranstaltungen. Schriftführer Johannes Hösl hatte hierzu einen detaillierten Bericht abgegeben. Meiler beleuchtete den Milchverlauf 2014. Der gute Preis von über 42 Cent zu Jahresbeginn sackte auf 32,5 Cent ab. Die Aussage von Milchexperten, dass der Verbrauch und der Export zur Erreichung eines einigermaßen kostendeckenden Milchpreises schneller steigen würden als die Erzeugung, habe sich nicht bewahrheitet.

In Bayern an der Spitze

Der Milchviehtag in Neunburg v. Wald mit den Ämtern Cham und Schwandorf sowie mit mehreren MEGs und Molkereigenossenschaften stieß auf positive Resonanz. Die von den 74 Mitgliedern angelieferte Gesamtmenge von 26 864 292 Kilogramm im Jahr 2014 - 23 688 074 gingen an "Allgäuer Alpenmilch" und 3 176 218 Kilogramm an die "Naabtaler Milchwerke" - ergibt eine durchschnittliche Jahresquote je Mitglied von 363 030 Kilogramm.

Mit der Gesamtmenge und dem einzelbetrieblichen Anteil liegt die MEG Milchland Oberpfalz an der Spitze Bayerns. Die Gesamtheit der Betriebe erwirtschaftete in diesem Zeitraum ein Milchgeld von 11,5 Millionen Euro.

"Kann es so weitergehen?", stellte die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL), Gertraud Gafus, als Frage in den Raum. "Immer größer werden, ist der falsche Weg", so ihre klare Aussage. Immer weniger Höfe, das wirke sich auf die Gesellschaft ungünstig aus, denn Bauern erbringen eine öffentliche Leistung. "Wohin geht die Reise mit der Ökologie und der Artenvielfalt?" Zuviel erzeugte Milch zerstöre anderswo Märkte, so Gafus. "Das System ist krank. Die Landwirte brauchen", so die Referentin, "eine ehrliche Interessenvertretung für die Bauern und nicht für die Industrie". Von der Flächenförderung profitierten die großen Betriebe. Der Faktor Arbeit müsse eingebaut werden. "Ziel muss es sein, Rahmenbedingungen zu setzen, damit möglichst viele Bauernhöfe erhalten bleiben", forderte die AbL-Bundesvorsitzende.

Der höchste Milchpreis

"Das Jahr 2014 brachte bisher mit rund 39 Cent den höchsten Milchpreis im Jahresschnitt", signalisierte Bayern-MEG-Repräsentant Markus Seemüller bei seinem Bericht zur aktuellen Situation auf dem Milchmarkt. Trotz des Überangebots in der EU sei der Milchpreis relativ hoch. Die Talsohle scheine erreicht zu sein und eine Aufwärtsbewegung könne sich anbahnen, so die vorsichtige Prognose. "Es muss geschafft werden, dass der Milchpreis konstant bleibt", resümierte Seemüller.

Die strategische Unternehmerberatung gewinne an Bedeutung, erklärte Leitender Landwirtschaftsdirektor Reinhold Witt. "Der einzelne Bauernhof, die Familie brauchen klare Zielvorstellungen für die Zukunft. Sie treffen die Entscheidungen". Die Milchwirtschaft sei ein anspruchsvolles Geschäft für Profis, so Witt. "Das sind Sie", wandte sich der Leiter des AELF an die Landwirte.

"Brauchen eine Lobby"

Der Landkreis Schwandorf ist von der Landwirtschaft stark geprägt, hob Landratsstellvertreter Arnold Kimmerl hervor. Viele kleinere landwirtschaftliche Betriebe erhalten die Vielfalt in der Natur. "Die Landwirtschaft braucht eine Lobby in der breiten Gesellschaft", unterstrich Kimmerl. "Das wichtige Nahrungsmittel Milch kommt im Preis nicht zur Geltung", betonte der Dritte Bürgermeister der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz, Georg Schlögl. Der Wert der Nahrungsmittel werde zu gering geschätzt.

Im laufenden Jahr könne sich eine Trendwende zu einer gewissen Milchpreisstabilität abzeichnen, prognostizierte der Erzeugerberater der Naabtaler Milchwerke, Bernhard Greger. In der Oberpfalz sei die Milcherzeugung "konstant mit leichten Zuwächsen".

Das Eingehen einer Partnerschaft mit der Genossenschaft "Hochwald" war eine richtige Entscheidung, stellte der Einkäufer der Tochter "Allgäuer Alpenmilch" in Weiding bei Altötting, Armin Rauch, heraus. Der Jahresumsatz liege bei 1,6 Milliarden Euro.
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