Mittelpunkt der Metal-Welt

Toller Sound, tolle Atmosphäre: Die Fans sparten nicht mit Lob für die Leistung der Musiker.
"Wo ist denn hier der Schlossherr", fragte eine junge Frau aus dem Norden der Republik. "Ich will ihm doch nur Danke sagen für dieses tolle Konzert und die tolle Stimmung und Atmosphäre in dieser tollen Location." Den Schlossherrn hat sie nicht gefunden, aber dessen "Vogt" Michael Ritz, der das Kompliment gerne entgegennahm. Die Heavy-Metal-Anhängerin hatte es auf den Punkt gebracht, denn am Wochenende war für die Szene das Kulturschloss Theuern irgendwie der Mittelpunkt der Welt.

Weite Anreise lohnte sich

Atlantean Kodex, die mittlerweile nicht mehr nur unter ausgesprochenen Fans des Genres bekannte Band aus Vilseck, kam zu ihrem Oberpfalzdebüt in die hehren Hallen des Theuerner Kulturtempels. Und die Freunde der harten Töne folgten dem Ruf und machten sich auf den Weg in die beschauliche Oberpfalz - wo die zum Teil recht weit angereisten Konzertbesucher Derartiges wohl kaum vermutet hätten. Dass sich die Reise gelohnt hat, spürten sie schon bei den Auftritten der Vorbands, die hier nicht nur die Anheizer-Funktion ausfüllten. Lunar Shadow aus Niedersachsen und die Engländer von Dark Forest verstanden es, die Fans in beste Feierlaune zu versetzen. Mit spürbarer Begeisterung zeigten die Musiker, wie man ein Schloss rockt.

Einst zeugten Hard- und Heavy-Rock das Kind Heavy Metal. Und dieses war recht fruchtbar und mehrte sich. Thrash und Speed, Dark und Space, Doom und Epic hießen nur einige der Nachkommen. Diese Spielart der Rockmusik entwickelte derart viele Subgenres, dass es sogar Stilrichtungen gab, die sich oft nur wenige oder gar nur einzelne Bands auf die Fahnen schrieben. Das macht das Einordnen in eine spezielle Schublade einesteils leichter, andererseits, wie bei Atlantean Kodex aber auch schwerer. Laut Wikipedia gehört die Band in die Fächer Heavy Metal und Epic Doom. Aber so einfach ist es nicht, denn Atlantean Kodex vereint viele Stilrichtungen (sogar Einflüsse aus der alpenländischen Volksmusik waren zu hören) und schafft daraus einen ganz eigenen Sound.

Natürlich sind schnelle Beats und heftige E-Gitarren-Klänge die Basis der Songs auf dem Album "The white Godess", das die Vilsecker im Schloss en Suite aufführten. Aber auch sehr melodische Passagen gehören dazu. Hier kam die Stimme von Frontman Markus Becker besonders zum Tragen, eine außergewöhnliche Stimme mit hohem Wiedererkennungswert. Nur am Bühnenoutfit müsste er noch etwas arbeiten, denn er versprühte eher das Charisma eines Bankangestellten als das eines wilden Rockers. Kaum waren die ersten Klänge angestimmt, skandierten die Fans "Kodex, Kodex, Kodex" und stimmten lautstark in die eingängigen Refrains mit ein. Etwas befremdlich mochte die Show auf Besucher aus den nördlichen Regionen wirken.

Kein Geheimtipp mehr

Denn plötzlich enterten Perchtenläufer die Bühne und mischten sich unters Publikum. Die gruseligen Gestalten wirkten aber nicht als Fremdkörper, sondern passten absolut in die musikalische Welt von Atlantean Kodex. Schließlich ist Heavy Metal, neben den psychedelischen Endsechzigern, die einzige Subkultur, die sich nicht nur über die Musik definiert, sondern auch andere Kunstformen hervorbrachte. Dazu gehören auch solche fantastischen (Alb-)Traumgestalten, wie eben die Perchten. Man kann der eingangs zitierten jungen Dame aus Hannover nur zustimmen.

Hier stimmte einfach alles: Tolle Musik, tolle Show und eine tolle Atmosphäre in einer tollen Location - insgesamt gesehen also ein wirklich toller Abend im Kulturschloss Theuern und ein gelungenes "Oberpfalz-Debüt" einer Band, die schon längst mehr als ein Geheimtipp ist.

___

Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/atlantean-kodex
Weitere Beiträge zu den Themen: Theuern (1141)November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.