Motorradfahrer stirbt bei Zusammenprall mit abbiegendem Traktor - Prozess wegen fahrlässiger ...
Ein Unfall, den keiner mehr vermeiden konnte

Schwandorf. (frd) Die fahrlässige Tötung eines Motorradfahrers bekam ein 26-jähriger Landmaschinenmechaniker aus dem Landkreis zur Last gelegt. Ein Schöffengericht sprach ihn am Amtsgericht frei.

Im März des Vorjahres war der Beschuldigte mit seinem Traktor in Neunburg vom Wald stadtauswärts Richtung Rötz unterwegs. Er wollte nach links in eine Straße abbiegen, die zu seinem Heimatort führt. Dabei vergewisserte er sich seiner Aussage zufolge mit einem Blick nach hinten, dass die Abbiegespur frei ist. Was dann geschehen ist, konnte der Traktorfahrer aufgrund eines Schocks nicht mehr nachvollziehen. Auf das linke hintere Rad des Bulldogs war ein Motorradfahrer geprallt. Er wurde zehn Meter weiter auf die Straße katapultiert, das Motorrad durch die Wucht des Aufpralls in mehrere Einzelteile zerlegt. Der Biker erlitt schwerste Verletzungen und verstarb noch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Im Vorfeld der Verhandlung hatte der Beschuldigte gegen einen erhaltenen Strafbefehl Berufung eingelegt. Der Mann war der Ansicht, dass er den Unfall nicht hätte verhindern können. Zum Tatvorwurf schwieg er vor Gericht, erklärte aber: "Was passiert ist, bedrückt mich sehr, aber ich kann es leider nicht ändern. Es ist auch für mich furchtbar, dass ein Mensch ums Leben gekommen ist."

Schnell beim Überholen

Die Zeugin, die zuerst am Unfallort eingetroffen war, gab an, dass ihr der Traktorfahrer verzweifelt entgegengelaufen sei und gestammelt habe, dass ihm ein Motorradfahrer hineingefahren sei und er glaube, dass der Mann tot sei. Immer wieder habe er in höchster Erregung zu ihr gesagt: "Ich weiß nicht, wo der plötzlich hergekommen ist".

Die zweite Zeugin gab an, dass sie auf Höhe des Neunburger Marienheimes stadtauswärts mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gefahren sei, als sie ein Motorradfahrer noch innerorts mit viel höherem Tempo überholt habe. Als sie an die Unfallstelle kam, habe auch sie der Traktorfahrer gebeten, Sanitäts-, Rettungsdienste und Polizei zu verständigen, was die beiden Zeuginnen auch taten. Der Traktorfahrer habe sichtlich unter schwerem Schock gestanden.

Zwei Sachverständige hatten den Unfallhergang untersucht. Die Kernaussagen dabei waren, dass der Traktor in einwandfreiem technischen Zustand war und dass vor allem die Blinkanlagen funktionierten. Ob der linke Fahrtrichtungsanzeiger allerdings eingeschaltet war, konnte trotz intensiver Untersuchungen nicht geklärt werden - die Wahrscheinlichkeit liege daher bei 50:50.

Gutachter gibt Ausschlag

Die entscheidende Aussage eines der Gutachter war jedoch, dass der Traktorfahrer bei seinem Blick nach rückwärts vor dem Abbiegen den Motorradfahrer nicht unbedingt gesehen haben muss, wenn sich dieser zu diesem Zeitpunkt noch auf der rechten Seite der Straße befunden habe. Habe der Traktor das Abbiegen zum gleichen Zeitpunkt wie der Motorradfahrer den Überholvorgang begonnen, so sei von der Zeitberechnung her dieser Unfall von keinem der Beiden mehr zu vermeiden gewesen. Denn der Motorradfahrer sei vermutlich schnell unterwegs gewesen, was die errechnete Aufprallgeschwindigkeit belege.

Am Ende der Beweisaufnahme waren sich Staatsanwaltschaft und Richterin einig, dass dem Angeklagten keine Schuld an diesem Unfall nachgewiesen werden könne, weshalb die Staatsanwaltschaft auch einen Freispruch beantragte. Die stellvertretende Direktorin und Richterin am Amtsgericht Schwandorf, Petra Froschauer, folgte diesem Antrag und sprach dem Angeklagten vom Schuldvorwurf der fahrlässigen Tötung frei. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.