Multitalent fühlt sich wohl

So sieht echte Spielfreude aus. Zwei Stunden lang, ohne Pause, zupfte der Künstler seine Gitarre und legte vor lauter Begeisterung mehrere Zugaben nach. Geschehen am Schafferhof bei "Richie Necker & Friends". Der überaus vielseitige Regensburger fühlte sich sichtlich wohl auf der Bühne.

Seine "Friends" waren am Bass Jochen Benkert sowie Schlagzeug und Gesang Erich Parzefall. Im Vorprogramm sollte eigentlich Eddy Gabler spielen, doch den hatte die Grippe niedergestreckt. Spontan sprang ein anderer Musiker ein, der dem "Hauptact" durch seine großartigen selbstgeschriebenen und gefühlvollen Lieder fast die Schau stahl: Manuel "Manulo" Meier vom Duo "Ohrange". Schon wie er sich bescheiden und strahlend dafür bedankte, dass ihn "der großartige Richie Necker" angerufen habe, brachte ihm viel Sympathie ein.

Mit viel Gefühl

Seine Lieder kamen direkt aus dem Herzen. Er sang, was er fühlte, und war stolz, nur einen einzigen Coversong dabei zu haben. Gefühlvoll und leicht melancholisch klangen "Ich bin froh bei dir zu sein" und "Leuchtturm". "Von oben awi" sang er in Erinnerung an einen Tag auf den Winzerer Höhen in Regensburg, die Stadt zu seinen Füßen. Das Publikum wurde ganz still und lauschte, saugte die tiefen Gedanken, die Ruhe, die Gefühle in sich auf.

In "Wie lange noch?" philosophierte er über die Zufriedenheit. Liebenswürdig und bescheiden kündigte er jeden seiner Titel an, seine tolle Stimme tat ihr Übriges. "Du bist der Regisseur in deinem Leben" mahnte er, und forderte "zeig mir wer du bist - nicht was du hast". Auf die nächste CD von "Ohrange" darf man gespannt sein.

Nach einer kurzen Umbaupause kamen schließlich Richie Necker und seine beiden Musiker zum Zug, und fingen ebenso ruhig und akustisch an, allerdings mit Coversongs. "Here comes the sun" oder "Baker Street" von Gerry Rafferty, wobei Necker das bekannte und eindringliche Saxophonsolo mit seiner Gitarre ersetzte. Zwei Akustikgitarren, eine Ganzmetall-Dobro und eine Mandoline warteten auf ihren Einsatz. Er sang vom "Hotel at the End oft the World", das er in einer schweren Zeit in Griechenland komponiert hatte.

Ein Alleskönner

Als unglaublich vielseitiger Musiker in vielen Genres zu Hause, wechselte Necker von "I shot the Sheriff" von Eric Clapton über "Sultans of Swing" von den Dire Straits zu "Walking in Memphis" von Marc Cohn. Genial war "Don't worry be happy", das er allein als sein eigener A-Capella-Chor zusammen mit seiner Loop-Station intonierte. Zwischendurch ließ er seiner Begeisterung und Freude, im Schafferhof zu spielen, freien Lauf und verzichtete sogar auf eine Pause, obwohl dem Gitarrenvirtuosen nach einiger Zeit ein Krampf in der linken Hand plagte.

Weiter ging's mit "Kiss" von Prince und "Boat on the River" von Styx mit Mandolinenbegleitung. Richie Necker wusste zu überraschen und zu begeistern. Entsprechend lautstark fiel auch der Schlussapplaus aus. Nach zwei Zugaben und schon im Gehen kehrte Necker plötzlich nochmal um: "Scheiß ei, spüln ma nu oins", griff er nochmal zur Gitarre. Das brachte ihm zusätzliche Begeisterung und sicher ein paar neue Fans ein.
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