Museum Lothar Fischer zeigt Werke der Gruppe "Wir" - Verbindungen mit der Gruppe "Spur"
Breites Spektrum in der Münchner Kunstszene

Neumarkt.Nicht einmal zehn Jahre hielt die Verbindung: Und dennoch hat die Künstlergruppe "Wir" einen der markantesten Beiträge zur Erneuerung der zeitgenössischen Kunst im München der Nachkriegszeit geleistet. Die exorbitante Wirkung dieser Verbindung fünf junger Studenten, die in einem Zusammenschluss mit der Gruppe "Spur" ihre endgültige Reifung erlebte, hat ihren Grund wohl darin, dass das Spektrum der 1959 gegründeten Verbindung breit angelegt war: Es reichte vom italienischen und bayerischen Barock über den Kubismus bis hin zur Popart.

Überblick der Werke

Das Museum Lothar Fischer zeigt 50 Jahre nach dem Ende von "Wir" einen Überblick über das Schaffen von Hans M. Bachmayer, Reinhold Heller, Florian Köhler, Heino Naujoks und Helmut Rieger. Ende bedeutet in diesem Falle einen Zusammenschluss mit der Gruppe "Spur", die bereits 1957 von Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und HP Zimmer gegründet worden war.

"Wir" beschritt einen ganz eigenen Weg in die Zukunft der Nachkriegskunst. Köhler, Naujoks und Rieger diskutierten die Möglichkeiten, das Informel der früheren Nachkriegskunst, um das sich unter anderem die Gruppe "Spur" bemühte, zu überwinden, ohne die abstrakte Nachkriegsmalerei zu ignorieren oder ihren Ansatz zu unterschätzen.

Sie zeigten sich zunächst interessiert an den Arbeiten alter Meister und waren fasziniert von der Vergeistigung der Motive in der Illusionsmalerei, entdeckten expressive Elemente vor allem im bayerischen Barock. Wenn auch die Bilder der Gruppe "Wir" in diesen Jahren Elemente auflösen und neu zuordnen, so verraten doch die Themen der Bilder den Bezug. Werktitel wie "Höllensturz" oder "Goethe in Italien" zeugen von einer festen Verbindung zur alten Kunst.

Das Museum Lothar Fischer zeigt in einer Ausstellung einige sehr hübsche repräsentative Beispiele der neuen Techniken. Im Jahr 1965, in dem Arbeiten der Gruppe in Augsburg im Frühjahrssalon, im BMW-Pavillon in Hamburg und in der Galerie Casa in München gezeigt werden, kommt es zu Diskussionen mit Vertretern der Gruppe "Spur". Dies führt 1965 zu einer Verbindung, die durch die gemeinsame programmatische Zeitschrift "Spur Wir Nr 1" dokumentiert wird.

Einfluss auf Nachkriegskunst

1966 schließlich geben sich die beiden Gruppen den Namen "Geflecht". Wenn sich die Gruppe "Wir" auch im Zuge der Studentenproteste von 1968 auflöst, so hat doch das Werk der fünf Künstler und ihrer Freude wesentlich zum Fundament der Nachkriegskunst beigetragen.

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Das Museum Lothar Fischer (Weiherstraße 7a, Neumarkt) bietet zur Ausstellung, die bis 3. Mai 2015 gezeigt wird, ein umfangreiches pädagogisches Programm, das vor allem junge Leute an die Kunst heranführen will.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.museum-lothar-fischer.de.
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