Museumsverein trifft Zeitgeist

Bibliothekar Alfred Wolfsteiner. Bild: ohr

Der Verein Oberpfälzisches Bauernmuseum Neusath-Perschen ist eines nicht: antiquiert. Nein, der Verein hat stattliche Mitgliederzuwächse und ist ein guter Partner, wenn im nächsten Jahr ein markantes Jubiläum ins Haus steht.

Nabburg-Perschen. (ohr) Das Freilandmuseum Neusath-Perschen feiert 2016 sein 30-jähriges Bestehen. Vor zahlreichen Gästen eröffnete Vorsitzender Bürgermeister Armin Schärtl im Wirtshaus "Zum Wiesenbacher" im Freibad Perschen die Jahreshauptversammlung und ließ in seiner Rückblende Entscheidungen und Ereignisse Revue passieren. Zwischen der Museumsleitung und der Vorstandschaft bestehe ein reger Gedankenaustausch. "Wir sind in die Arbeit eingebunden", so Schärtl. Sein Dank galt allen Autoren zur Vorbereitung des Informationsblattes. Im Berichtszeitraum erhöhte sich der Mitgliederstand um 64 auf 1 168 Personen. Die nächste Hundertermarke wird angepeilt.

Offene Pächterfrage

Der Wermutstopfen: Trotz aller Bemühungen konnte kein Pächter fürs Bauernmuseum gewonnen werden. Das Freilandmuseum Neusath-Perschen wurde offiziell 1986 eröffnet. In einer Ideenmesse sollen ansprechende Vorschläge zur Umsetzung fürs Jubiläumsjahr gefunden werden.

Schatzmeister Helmut Roßmann erinnerte bei der Vorlage der positiven Bilanz an die Zuwendung an den Bezirk - auch eine Kuh für 1500 Euro wurde angekauft - und sprach von einer sehr günstigen Finanzlage.

Dr. Birgit Angerer bedankte sich in ihrer Rückschau für die finanzielle Unterstützung durch den Verein: jeweils 15 000 für das Handwerkerjahr mit dem Motto 2015 "Wer will fleißige Handwerker sehen?" und die Beteiligung an den Personalkosten für die museumspädagogische Stelle von Lorenz Burger. Zum Rosstag im September erreichte das Oberpfälzer Bauernmuseum mit 3 300 Personen seinen Besucherrekord. Auch der Tag der alten Haustiere (1250) und der Kirchweihmarkt (1550) stießen auf gute Resonanz. Die Gesamtbesucherzahl von rund 60 000 im Jahre 2014 wird nicht erreicht werden - sicherlich bedingt durch den heißen Sommer. "Mit 238 Schulklassen, 78 Schülerprojekten und 22 Veranstaltungen für Kindergärten von März bis einschließlich Oktober hat die Museumspädagogik weiterhin einen hohen Stellenwert in der Vermittlungstätigkeit", unterstrich die Museumsleiterin. 37 Kurse fanden bei 445 Interessierten Anklang. Der gut besuchte Frühjahrsmarkt und die Theatervorführungen im Bauernmuseum Perschen taten den Besucherzahlen sehr gut.

Thema "Tracht"

"Tracht im Blick" lautet das Motto 2016, gab Dr. Birgit Angerer bekannt. Die Ausstellung in Neusath-Perschen steht unter dem Titel "Dirndl, Gwand und Heimatkleid". Auch komme die Komödie "Die Kreuzelschreiber" von Ludwig Anzengruber zur Aufführung.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter Lorenz Burger informierte über sein Projektseminar in Zusammenarbeit von Museum und JAS-Gymnasium sowie mit der Realschule Nabburg. Auch die Kooperation mit der Uni und der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg ist gut angelaufen.

Die Oberpfalz war seit dem Mittelalter nicht nur Transitland des Warenverkehrs wie etwa von Salz, Fellen, Stoffen, Wachs und anderen Produkten, sondern auch vor allem Transitland für den Ochsentrieb aus Ungarn und Polen", stellte eingangs Bibliothekar Alfred Wolfsteiner (Leiter der Regionalgruppe Schwandorf im Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg) in seinem Vortrag "Wildwest in der Oberpfalz - der Ochsenhandel durch die Oberpfalz im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit" fest.

Fleisch für Großstädte

Die importierten Rinder versorgten die damaligen "Großstädte" Regensburg und Nürnberg mit Frischfleisch. Anschaulich und lebendig ging der Referent auf die Triftwege, Weideordnungen sowie Aufgabe und Entlohnung der Treiber ein. Eine Tagesetappe betrug 20 Kilometer. Ungarische Ochsen waren von der Qualität her sehr geschätzt. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn änderte sich die Geschwindigkeit der Viehtransporte, und die alten Triebwege verloren an Bedeutung.
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