Musikalischer Bildband

Die große Abba-Tournee im Jahr 1977 war überall ausverkauft, in Europa und in Australien. "Dancing Queen", "Knowing Me, Knowing You", "I do, I do" oder "Mamma Mia" gelten als zeitlose Welthits. Die schwedische Pop-Gruppe Abba fasziniert auch mehr als 30 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Auftritt.

Deutschland, Australien. Die ganze Welt litt an Abba-Fieber - spätestens als Agnetha Fältskog (A) und Björn Ulvaeus (B) sowie Benny Andersson (B) und Anni-Frid Lyngstad (A) beim Eurovision-Song-Contest 1974 mit ihrem Titel "Waterloo" den Sieg ihres Lebens einfuhren. Nur im Heimatland Schweden war der Hype um das Pop-Quartett, das auch 30 Jahre nach seiner Trennung immer noch zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Musikgruppen der Welt gehört, nicht ganz so stark.

Ein Denkmal in Stockholm für Abba? Fehlanzeige. Eine Tafel am Haus an der Baggensgatan in der Altstadt Gamla Stan, in dem die zwei Paare eine Zeit lang wohnten? Von wegen. Vielleicht hat das auch mit der nordischen Mentalität zu tun. Schweden schätzen und respektieren Privatsphäre, erklärt Stadtführerin Elisabeth Daude. So tiefenentspannt wie das Leben in der Kapitale mit ihren 1,4 Millionen Einwohner vonstatten geht, so gehen sie mit ihrem Export-Schlager um - was soll die ganze Aufregung?

Wenig Aufsehen erregten auch seinerzeit die Filmdrehs von Abba mitten in Stockholm - zumindest weit weniger als sie es heutzutage würden. Nahezu ungestört nahmen die Vier Musikvideos in Stockholm auf. "Bravo"-Fotograf Wolfgang Heilemann, damals international renommierter "Rockfotograf", der auch Roy Black, AC/DC und Rod Stewart ablichtete, kam eigens in die Lagunen-Stadt und bannte Abba auf Film.

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Abba vor einem Vergnügungspark mit Riesenrad - Gröna Lund -, Abba auf einer Prachtstraße - Strandvägen - Abba vor einem kleinen Restaurant in einem Park - das Wärdshuset Ulla Winbladh. Fotos, die für Björn, Benni, Anni-Frid und Agnetha eher notwendiges Übel als Vergnügen waren. Sie standen lieber im Studio und machten Musik. Fotos, die aber einem Tourismusprospekt zur Ehre gereicht hätten. In der Stockholmer Stadtverwaltung kam niemand auf die Idee, mit diesen Bildern um Touristen zu werben.

Ulla Winbladh steht keine 500 Meter vom Abba-Museum entfernt auf der Insel Djurgarden - und wieder kein Hinweis auf Abba. "Abba - the Museum". Immerhin. Es eröffnete vor zwei Jahren und hat seitdem mehr als 700 000 Besucher gesehen. Direkt daneben Gröna Lund, davor eine Straßenbahn-Haltestelle, an der alle paar Minuten eine Tram mit Museums-Werbung vorbeizuckelt. Einige Meter weiter - auf dem Weg zum Fähranleger, wo die Abba-Boots-Tour stoppt, entsteht derzeit ein neues Abba-Projekt: "Mamma Mia - the Party". Eine ehemalige, alpenländisch gestaltete Bierhalle namens "Tyrol" wird derzeit zu einer Art griechischen Taverne umgebaut, mit Bäumen, Brunnen und einem von Balkonen gesäumten Platz. Die an fünf Tagen pro Woche erwarteten jeweils 450 Gäste sollen mit Kellnern, Musikern und Künstlern ein Echtzeitgeschehen abbilden. Wie ein Musical soll das sein, aber ohne Bühne, erklärt der Projektleiter. Und mit einer neuen Geschichte, neuen Charakteren, neuer Musik, aber auch alten Songs. Ein nicht ganz günstiges Vergnügen: Pro Kopf soll der Eintritt inklusive Essen etwa 130 Euro kosten. Die Premiere ist für 20. Januar 2016 geplant. Ob das Experiment glückt, wird sich zeigen. Vater der "Mamma-Mia-Party" ist jedenfalls Björn, der bislang bei der Vermarktung von Abba ein glückliches Händchen bewiesen hat. Abba-Musical? Läuft. Abba-Museum mit Pop-House-Hotel? Läuft. Und die Lieder verkaufen sich nach wie vor blendend. Jedes Mal, wenn etwa Radiosender "Money, Money, Money" spielen, spült es Tantiemen in die Kassen von Björn und Benny. Die beiden Herren waren die Komponisten der Abba-Lieder, ihre Partnerinnen sangen. Agnetha und Frida waren die Stimmen Abbas.

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Wie Mozart

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Das Saxofon Abbas ist Ulf Andersson. Der mittlerweile 75-jährige Stockholmer ging 1977 mit auf Welttournee und ist auch in "Abba - Der Film" zu sehen. Mit "Abba - The Show" ist er wieder mit auf Tour. Damals gehörte er zu den angesagtesten Saxofonisten Stockholms und war vor allem die erste Wahl von Björn und Benny. Unvergesslich hat er sich vor allem mit dem markanten Solo beim Song "I do I do I do ..." gemacht. Andersson bezeichnet den Abba-Sound als einmalig. "Das ist Musik, die ins Herz geht." Ebenbürtig mit den großen klassischen Komponisten. "Ich halte es für möglich, dass in 200 Jahren Abba gehört wird wie Mozart." Ganz offensichtlich sind Abba Stars, die nie verglühen.
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