"Muss i denn" zur Schule hinaus

Einen stimmungsvollen Abschied bereiteten Schüler und Lehrer aus Freudenberg ihrem langjährigen Rektor Werner Schulz. Viertklässler Nico Simon aus Aschach spielt zum Abschluss der Feier auf seiner Ziehhormonika ein Ständchen. Den blauen Fan-Schal des TSV 1860 München ließ zuvor per Videobotschaft Ex-Schulbusfahrer Hans Scharnagel überreichen. Bilder: Steinbacher (2)

Es war ein herzlicher Abschied für einen, der mit ganzem Herzen bei der Sache war: Nach 41 Dienstjahren verabschiedete die Grund- und Mittelschule Freudenberg ihren langjährigen Rektor Werner Schulz (65).

Nico Simon aus der 4. Klasse setzte am Freitagvormittag den stimmungsvollen Schlussakkord hinter eine bunte Abschiedsfeier in der voll besetzten Wutschdorfer Schulturnhalle. Der zehnjährige Aschacher spielte für seinen ehemaligen Rektor das Stück "Muss i denn zum Städtele hinaus" auf der diatonischen Ziehharmonika. Viele Gäste klatschten dazu, manche zogen ein Taschentuch hervor, um zu winken. Einige gar, um sich eine Träne aus dem Gesicht zu wischen.

Recht auf Sympathie

23 Jahre lang leitete Werner Schulz die Freudenberger Schule. Konrektorin Claudia Piehler bedankte sich im Namen der Kollegen für eine "enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit". Schulz habe dafür gesorgt, "dass die Schule mehr war, als ein reiner Lernort". Sie erinnerte an einen Leitspruch, den der Pädagoge aus Hirschau immer wieder in den Mittelpunkt gestellt habe: "Jeder Schüler hat das Recht, gemocht zu werden!"

Schulrat Heinrich Koch hatte in der Personalakte geblättert und dort den handgeschriebenen Lebenslauf gefunden, mit dem sich Schulz einst um eine Lehrerstelle beworben hatte. "Und so sah der junge Mann damals aus", sagte er und präsentierte ein Schwarz-Weiß-Porträt aus der damaligen Zeit - sehr zur Erheiterung der Schüler. Koch zeichnete die beruflichen Stationen nach: vom Abitur 1969 an der Oberrealschule (heute Gregor-Mendel-Gymnasium) über seine zweijährige Dienstzeit bei der Bundeswehr, das Lehramtsstudium bis hin zur ersten Anstellung an der Amberger Luitpoldschule 1974.

Inklusion längst praktiziert

Fünf Jahre später folgte die Verbeamtung auf Lebenszeit. 1980 berief ihn das Schulamt zum Leiter der Grundschule Ehenfeld. Nach einer Zwischenstation als Konrektor in Schnaittenbach folgte 1990 die Aufgabe, die Schule in Königstein zu leiten. 1992 wechselte Schulz dann nach Freudenberg. Viele Weggefährten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten waren zu der Feier gekommen, pensionierte Lehrer und auch Altbürgermeister Norbert Probst. Mit ihm zusammen stemmte Schulz die Schulhauserweiterung in den 90er Jahren.

Für die Gemeinde Freudenberg würdigte Bürgermeister Alwin Märkl die Verdienste des 65-Jährigen. "Man kann es nicht allen recht machen", sagte Märkl. "Aber man kann vieles richtig machen. Und das hast du getan." Schulz hinterlasse ein reiches und wohlgeordnetes Erbe. Langjähriger Partner war auch der ehemalige Konrektor Albert Schindlbeck. Als Personalratsvorsitzender der Lehrerschaft im Bezirk dankte dieser ihm für eine stets faire und konstruktive Zusammenarbeit. Schindlbeck lobte unter anderem die Integration von Schülern mit Behinderung: "Du hast Inklusion schon praktiziert, als sie noch nicht vom Kultusministerium verordnet war." Auch hob er hervor, dass Schulz stets darum bemüht gewesen sei, jedem Schüler zu einem Ausbildungsvertrag zu verhelfen. "Kein Abschluss ohne Anschluss" sei sein Motto gewesen.

Als "Vorbild für alle" bezeichnete Elternbeiratsvorsitzende Ilona Obermeier den scheidenden Rektor. "Du hast keinen Schüler aufgegeben", sagte sie. "Bei dir gab es immer mehr als zwei Chancen." Obermeier bedankte sich auch bei Schulz' Familie. "Dein Engagement für die Schule wäre ohne das Verständnis deiner Frau nicht möglich gewesen", sagte sie. Der Rektor verabschiedet sich bereits zur Mitte des Schuljahres, weil er zu Hause bei der Pflege seiner Frau gebraucht wird. Schulrat Koch würdigte diesen Schritt mit den Worten: "Sie geben etwas auf, was ihnen viel gegeben hat. Sie geben etwas auf, um alles zu geben."
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