Mut machen ist wichtig

Stadtpfarrer Edmund Prechtl gab seine Erfahrungen im Umgang mit Sterbenden und Kranken weiter. KAB-Vorsitzende Martha Magerl hatte den Seelsorger als Referenten eingeladen. Bild: is

Nachdenklich verließen die meisten Zuhörer den Vortragsabend der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB). Zum Thema "Den Weg von Kranken und Sterbenden begleiten" sprach Stadtpfarrer Edmund Prechtl über seine Erfahrungen als Seelsorger beim Umgang mit Sterbenden und Kranken.

Pressath. (is) Die Debatte im Bundestag über die Sterbehilfe trug sicherlich ihren Teil zum überwältigenden Besuch im Schwesternheim bei. Nachdem Vorsitzende Martha Magerl die über 50 Zuhörer begrüßt hatte, erklärte Prechtl, dass der Besuch bei Kranken und Sterbenden keine leichte Aufgabe sei. Wichtig sei, sich zu verdeutlichen, warum man den Besuch abstattet und was es bedeutet, sich mit den Leuten und dem Thema Sterben und Krankheit auseinanderzusetzen.

Wünsche der Kranken seien, nicht allein gelassen zu werden, unerträgliche Schmerzen zu lindern, letzte Dinge zu erledigen und mit ihren Ängsten angenommen zu werden. Der Referent betonte, dass die Mitarbeiter in den Hospizdiensten ehrenamtlich arbeiteten und der Schweigepflicht unterlägen. Diese geschulten Kräfte begleiteten den Sterbenden auf der letzten Wegstrecke, wenn möglich zu Hause oder im Krankenhaus und Altenheim.

Kekse fehl am Platz

Der ambulante Hospizdienst "kann dazu beitragen, pflegende Angehörige und Freunde zu entlasten" und aus der Hilflosigkeit sowie Isolation herauszuführen. Dessen Präsenz mindere die permanente Angst vor dem Alleinsein. Der Geistliche legt großen Wert auf die seelsorgerische Betreuung der Patienten und das Gespräch mit ihnen. Den betroffenen Personen müsse Mut gemacht werden, unterstrich er. Floskeln und Phrasen wie "Nicht so schlimm, hab ich auch schon gehabt" und die üblichen Mitbringsel Saft, Obst oder Kekse am Krankenbett seien fehl am Platz. Wichtig seien die üblichen Höflichkeitsformen. Zuhören, auf Fragen antworten, merken, wenn man gehen muss, das Wiederkommen sowie die Frage, ob etwas benötigt werde. Auf die Wünsche des Sterbenden sollte eingegangen werden.

Oft seien Helfer und Angehörige bei der häuslichen Pflege überfordert. "Ein kranker Helfer kann nicht helfen", stellte Prechtl fest. "Kranke sind oft weiter als alle anderen, wollen nicht belogen werden und akzeptieren: Was Gott will, das geschieht." Der Referent wies eindringlich darauf hin, dass die Krankensalbung kein Zeichen des nahenden Todes ist, sondern eine Stärkung für den Kranken. Der letzte Schritt in einem christlichen Leben sollten der Empfang der heiligen Kommunion und das Gebet sein. Eine Versöhnung sei aber ein nicht immer erreichtes Ziel am Sterbebett. Nicht nur Erwachsene sondern auch Kinder sollten vom Toten Abschied nehmen und sich Zeit nehmen, um den Weggang begreifen zu lernen.

Tief ergriffen nahmen die Zuhörer das Gebet auf dem Sterbebild der ehemaligen Vorsitzenden des Bayerischen Hospizverbandes, Christine Denzler-Labisch, das Pfarrer Prechtl vortrug, zur Kenntnis: Sage ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichte machen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben - ja vielleicht deinem ganzen Laben. Sie sind nicht Zufall. Lass dem himmlischen Vater die Freiheit, selber den Verlauf deiner Tage zu bestimmen.
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