Mut und Zuversicht beim VfB

In der Verfassung kann der VfB trotz der Auftaktpleite eine gute Rolle in der Bundesliga spielen. So beherzt und angriffslustig wie gegen Köln haben sich die Stuttgarter seit langem nicht mehr präsentiert. Neu-Trainer Alexander Zorniger hat dem Team in kurzer Zeit seinen Stempel aufgedrückt.

Natürlich eine Riesenenttäuschung, aber von Resignation keine Spur: Nach der bitteren Auftaktniederlage gegen Angstgegner 1. FC Köln herrschte beim VfB Stuttgart eher Aufbruchstimmung. Das unverdiente 1:3 (0:0) hatte den Schwaben zwar den Saisonstart und ihrem neuen Trainer Alexander Zorniger die Premiere in der Fußball-Bundesliga vermasselt, aber zugleich für Mut und Zuversicht gesorgt. "So spielen wir das ganze Jahr über Fußball, wenn es geht", kündigte Zorniger kampfbereit an. "Wenn sie weiter so lernen, mache ich mir keine Sorgen. Wir ziehen das so durch."

Euphorisiertes Umfeld

Kann der VfB so ein rasantes Tempo, konsequentes Gegenpressing, couragiertes Vorwärtsverteidigen und einen so unbändigen Offensivdrang konsequent und kontinuierlich liefern, sollte er erstmals seit zwei Jahren nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Dann könnte der Traditionsverein, wie von manchem Trainer prognostiziert und vom euphorisierten Umfeld fest einkalkuliert - sich wieder zu einem Kandidaten für die obere Tabellenhälfte entwickeln.

"Man hat gesehen, dass das System auch in der Liga greifen kann. Das muss uns Mut machen", sagte der junge Innenverteidiger Timo Baumgartl. Kapitän Christian Gentner urteilte: "Die Niederlage ist ärgerlich, da eigentlich alles gestimmt hat." Und Zorniger resümierte: "Wir haben gezeigt, wie unser Fußball funktionieren soll. Wir sind in der Lage, einen bestimmten Fußball zu spielen."

Auch die VfB-Fans honorierten den beherzten Auftritt ihrer Idole mit donnerndem Applaus - auch nach dem Abpfiff. Und Kölns Matthias Lehmann bescheinigte den Verlierern "ein Riesenspiel". Der VfB sei gegenüber der zurückliegenden Saison "kaum wiederzuerkennen" gewesen, staunte der defensive Mittelfeldmann. "Geißbock"-Coach Peter Stöger versicherte nach dem äußerst glücklichen Erfolg gegen "einen sehr, sehr starken Gegner" erleichtert: "Ich denke, dass es sehr schwierig wird, künftig hier Punkte mitzunehmen."

Letztendlich entschied eine einzige, aber äußerst schwerwiegende Stuttgarter Schwäche das gutklassige Spiel. Der weitgehend dominante VfB vergab - teilweise leichtfertig - ein Dutzend bester Torchancen. Zorniger bilanzierte: "Ich kann der Mannschaft bis auf das Ausnützen der Torchancen keinen Vorwurf machen. Es ist bitter, wenn man auf die Statistik schaut."

So blieb es bei bemerkenswerten 28 Torschüssen beim zwischenzeitlich neue Hoffnung machenden 1:2 durch den umsichtigen Spielmacher Daniel Didavi per Strafstoß (79. Minute). Dem standen die drei Treffer der Kölner Offensiv-Minimalisten durch Anthony Modeste (75./Elfmeter), Simon Zoller (77.) und Yuya Osako (90.+2) bei insgesamt nur neun Versuchen gegenüber.

Dass Schlussmann Przemyslaw Tyton mit seiner zum Strafstoß führenden Abwehraktion gegen Modeste die Partie zum Kippen brachte, führte zu keinen Vorwürfen. Zorniger nahm den polnischen Liga-Debütanten in Schutz: "Der Keeper hat die falsche Entscheidung getroffen, aber er musste eine treffen."

Am Samstag beim HSV

Im nächsten Spiel beim Tabellenletzten Hamburger SV mit seinem früheren Trainer Bruno Labbadia will der VfB wieder so couragiert und offensiv agieren. Nur das Ergebnis muss am Samstag stimmen. "Wir versuchen, die Punkte, die wir gegen Köln nicht eingesammelt haben, dort zu holen", sagte Zorniger.
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