Nabburg muss liefern

Seit 160 Jahren überspannen - leicht nach Westen ausbiegend - neun tonnengewölbte Bögen die Waldnaab. Getragen wird die Last von acht massiven Pfeilern.

Weit und breit ist die Waldnaabüberquerung bei Unterwildenau, die ihrem großen Vorbild, der Steinernen Brücke in Regensburg, nacheifert, eine der schönsten Flussquerungen. Die Ständer reichen bis zur Flusssohle. Keilförmige Vorbauten, sogenannte Beschlächte, verstärken das Bauwerk und schützen es bei Hochwasser vor Beschädigungen beispielsweise durch treibende Baumstämme.

Vor rund 750 Jahren erhielt Luhe das Marktrecht. Dieses Privileg bekräftigten 1331 Kaiser Ludwig der Bayer und 1383 Erzbischof Johannes VI. von Prag. Der alte Markt Luhe erlangte große wirtschaftliche Bedeutung als Altstraßenknotenpunkt. Hier kreuzte sich die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Magdeburger mit der von Nürnberg nach Prag führenden Alten Heerstraße. Eine weitere Anbindung bestand nach Amberg, dem Zentrum des spätmittelalterlichen Eisenerzbergbaues.

Handel und Handwerk profitierten von der zentralen Lage. Reisende, Fuhrleute und Zugtiere waren zu versorgen. Zu dieser Zeit gab es in Luhe bereits vier Mühlen, mehrere Wirtshäuser, Bäcker-, Metzger- und Kramerläden. Der gegen Ende des 17. Jahrhunderts eingerichtete Postwagenkurs führte auf der Strecke Regensburg-Eger ebenfalls durch Luhe.

Magdeburger Straße

Die aus Regensburg, Burglengenfeld, Schwandorf, Nabburg, Pfreimd und Wernberg kommende Magdeburger Straße erreichte bei der Weißen Marter Weiden. Über Edeldorf ging es dann weiter nach Neustadt. Um 1775 wurde der Abschnitt zwischen Luhe und Neustadt ausgebaut und in Richtung Westen zur Naab hin verlegt. Der Hauptfluss der Oberpfalz trägt seinen Namen ab dem Zusammenfluss von Haide- und Waldnaab bei Oberwildenau bis zur Mündung in die Donau bei Mariaort.

Die Straßenverlegung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nützte besonders Unterwildenau, wo nacheinander Eisenhammer, Papiermühle, Schleif- und Polierwerk installiert waren. Doch wollten die Fuhrleute Richtung Norden weiterfahren, stellte sich ihnen nach 700 Meter die Waldnaab in den Weg. Dass ihre sichere Überquerung langfristig auf eine solide Basis gestellt werden musste, erkannte die kurfürstliche Landesdirektion Amberg.

Sie beklagte am 28. Juli 1804 "beträchtliche Nachteile, die dem Commerze der einheimischen Industrie und der Staatskasse durch den Mangel einer Brücke über den Naabfluß bei dem Dorf Wildenau (= Unterwildenau) schon seit vielen Jahren entstehen. Deshalb darf der Brückenbau auch wegen der geschehenen Unglücksfälle nicht länger verschoben werden. Sie soll eine Länge von 306 Schuh (0,3 Meter Mal 306 macht 92 Meter) aufweisen, gewölbt sein und 9500 Gulden kosten."

Bis zu vier Stunden entfernt

Die Magdeburger Straße war ein bedeutender überregionaler Verkehrsweg. Deshalb verpflichtete man alle Ortschaften und Untertanen, die bis zu vier Stunden entfernt waren, Scharwerksdienste personeller und materieller Art zu leisten. Zuständig für die Einteilung der Anlieger war das kurfürstliche Rentamt Weiden. Es kooperierte mit den Landgerichten Parkstein, Amberg, Nabburg und (Burg)-Treswitz.

Am 15. Februar 1805 hatte das Rentamt Weiden auch die Stadt Nabburg im Visier. Noch im selben Jahr wurden Nabburg "zu dem Brückenbau bei Wildenau 29 Steinfuhren zu verrichten auferlegt, wofür Justinian Junkl und Kaspar Grueber, beide Bürger zu Luhe, die mit diesen Scharwerksfuhren accordierten (vertraglich festgelegten) 66 Gulden erhielten". Die angeforderten Sandsteinquader stammten aus Schönbrunn bei Ehenfeld. Pro Fuhre bezahlte die Stadt an Sebastian Heldmann und Leonhard Bauer 5 Gulden, insgesamt also 145 Gulden.

Den Auftrag hatte zuvor Thadä Baumann überbracht. Er erhielt für sechs Stunden Weg 48 Kreuzer. Der Stadtbote Jakob Leypold musste der Landesdirektion Vollzug melden. Für den Extragang nach Amberg erhielt er ebenfalls 48 Kreuzer.

In den Nabburger Stadtrechnungen von 1806 findet sich folgender Vermerk: "Da auch heuer von dem Rentamt zu Weiden der hiesigen Stadt zum Brückenbau nach Wildenau 29 Fuhren mit Quadersteinen zu verrichten anrepartiert wurden, so hat man sich bemüßigt gesehen, diese Fuhren der Gemeinde Ehenfeld durch den bürgerlichen Kürschnermeister Huber verdingen zu lassen, welcher auch mit obiger Gemeinde den Accord die Fuhr zu 5 Gulden verrichten abgeschlossen hat. Für die bemerkte Gemeinde bekam Lorenz Kick von da laut aufschlüssiger Bescheinigung 145 Gulden."

Nicht nur Steine wurden benötigt: 1807 notieren die Stadtrechnungen die Lieferungen von Auffüllmaterial: "Zur Brücke bei Wildenau wurden in den Jahren 1806 und 1807 der Stadt Nabburg von dem Straßenbau-Inspektionsamte 29 Fuhren mit Schutt zu führen auferlegt, welche auch nach der hier aufliegenden Bestätigung des Wegemeisters Michael Gschwender zu Wernberg richtig von dem Mathias Bock zu Wildenau, dem diese 29 Fuhren verdungen wurden und wofür er á Gulden 45 Kreuzer pro Fuhre laut Scheines der Kammer 79 Gulden 45 Kreuzer erhielt, ausgeführt wurden."

Quader aus der Anfangszeit

38 Jahre sollte es dauern, bis die mittlerweile 109 Meter lange Waldnaabbrücke 1842 fertig war. Am Ende des Zweiten Weltkriegs beschädigten Panzer die Brücke. 1958 erforderte der zunehmende Verkehr eine Erweiterung. Gleichzeitig wurden Geländer und sichtbares Mauerwerk in Granit ausgearbeitet. Auf der Innenseite der Bogen sind aber noch heute die ursprünglichen Sandsteinquader zu sehen. Die bislang letzte Reparatur ging 1988/89 über die Bühne.
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