Nabburger Wehr rettet Luhe

Seine Erleichterung drückte Matthias Hägler in einer Dankanzeige im "Nabburger Volksboten" aus.

Der Markt Luhe hat der Nabburger Feuerwehr viel zu verdanken: Sie rettete 1928 die barocke Martinskirche vor den Flammen, die nahezu den gesamten Ort zerstörten.

Nabburg/Luhe. (sef) "150 Jahre Feuerwehr Nabburg" heißt es an diesem Wochenende. Das Jubiläumsprogramm bietet Höhepunkte für jeden Geschmack. Rückblickend enthält die Chronik der ehrenamtlichen Helfer unzählige Einsätze während der vergangenen eineinhalb Jahrhunderte. Doch besonders spektakulär und effektiv war das Engagement der Nabburger am 9. August 1928. An diesem Montag vernichtete ein verheerender Brand fast den gesamten Markt Luhe. Überregionale und lokale Zeitungen griffen das Thema begierig auf. Der "Nabburger Volksbote" machte keine Ausnahme. Dass er seine Leser ausführlich informierte, hing mit der besonderen Rolle der Nabburger Feuerwehr während der Löscharbeiten im 15 Kilometer entfernten Luhe zusammen. Sie verfügte nämlich wie die Weidener Einsatztruppe, die den Norden des Marktes beschützte, über eine leistungsfähige Motorpumpe und verhütete damit noch Schlimmeres im südlichen Ortsbereich.

Luhe in Flammen

1699 hatte man die barocke Umgestaltung des ehedem gotischen Gotteshauses in Angriff genommen. Vollendet war das Werk allerdings erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Baumeister und Künstler hatten eine Leistung vollbracht, die heute noch Bewunderung hervorruft. Aber vor exakt 87 Jahren war dieses Kleinod in höchster Gefahr, weil aus dem Kirchturm bereits Flammen züngelten. Aber Hilfe war unterwegs.

Hier der Bericht im "Nabburger Volksboten": "Nabburg, 10. August. Gestern nachmittags um 14.10 Uhr wurde aus Luhe ein Großfeuer gemeldet und die Hilfe der Nabburger Motorspritze erbeten. Luhe in Flammen! hieß es in der ganzen Stadt und von einzelnen höher gelegenen Punkten konnte man auch die Rauchsäulen sehen. Rasch war die Motorspritze fahrbereit und es ging in schnellstem Tempo dem Brandorte zu, so dass dort die Spritze bereits um 15.10 Uhr in Tätigkeit war. Das Feuer war im Hof des Bäckermeisters, Gastwirtes und Posthalters Reichenberger entstanden. Ob durch Kurzschluss oder durch den dort im Betrieb verwendeten Bulldog muss erst noch festgestellt werden.

Das Anwesen stand jedenfalls nach wenigen Augenblicken in hellen Flammen. Sie sprangen, da die Abwehrmaßnahmen vorerst noch gering waren, rasch auf die Nachbargebäude über. Der herrschende Wind trug Flammenbündel in die nächstgelegenen Städel und Häuser, so dass binnen weniger Stunden beide Seiten des Marktplatzes in Flammen standen. Ein schreckliches Bild! Innerhalb des südlichen Tores (Webertor) war der ganze Markt ein Flammenmeer. Niemand konnte ihm von der Hauptstraße aus näher kommen.

Sämtliche freiwillige Feuerwehren der Umgebung - 18 an der Zahl - waren zur Hilfeleistung herbeigeeilt, hätten aber bei der doch verhältnismäßig großen Entfernung der Naab - etwa 450 Meter - ohne die Unterstützung der modernen Motorspritzen bei der riesigen Ausdehnung des Brandherdes geringe Hilfe leisten können. Diese versuchten ihr Möglichstes und versorgten die Schlauchleitungen mit Wasser, so dass manches Haus gerettet werden konnte. Es soll hier öffentlich anerkannt werden, dass die Motorspritzenmannschaften der Situation vollkommen gewachsen waren und mit ruhiger Überlegung und unermüdlich arbeiteten. Zur Illustration sei angeführt, dass die Nabburger Motorspritze von 15.10 Uhr bis 21.30 Uhr ohne Unterbrechung in Betrieb war und sich vorzüglich bewährte. Nicht die geringste Störung war zu verzeichnen. Das war ein Glück, denn der riesige Feuerherd wurde durch starken Wind immer wieder angefacht.

So war auch die Martinskirche in größter Gefahr, da der Turm schon an verschiedenen Stellen zu rauchen anfing. Wegen der großen Bedrohung wurde das Allerheiligste durch H. H. Pfarrer Josef Kellner in kleiner Prozession in die außerhalb der Ortschaft stehende Kapelle Zur Schmerzhaften Muttergottes getragen. Durch das Ansetzen einer Schlauchleitung, die mittels eines Glockenseiles an der Turmaußenseite hochgezogen wurde, konnte der Brand im Entstehen gerade noch rechtzeitig gelöscht und so die Kirche durch das rasche und zielsichere Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Nabburg im Verein mit anderen Wehren gerettet werden. Das galt ebenso für das gefährdete Schulhaus und weitere in der Nähe befindliche Wohnhäuser. Darunter war auch das Gasthaus Am Webertor. Die Tätigkeit der Feuerwehren konnte sich überhaupt nur auf Abwehr beschränken, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Was brannte, musste dem Feuer überlassen werden. Bis gegen 21 Uhr abends waren alle Mannschaften angestrengt in Tätigkeit. Erst um diese Zeit konnte die Gefahr als beseitigt gelten.

Die vorbildliche Tätigkeit der Feuerwehren wurde allseits anerkannt. Bei der allgemein großen Trockenheit und dem herrschenden Wind waren sie vor eine sehr schwere Arbeit gestellt. Doch mit bewunderungswürdiger Aufopferung sah man die tapferen Männer zwischen den rauchenden und qualmenden Häuserreihen unermüdlich schaffen, um eine weitere Ausdehnung zu verhindern. Dabei wurden sechs Einsatzkräfte verletzt, die Feuerwehrmann Rubenbauer von der Motorspritzenmannschaft Nabburg versorgte. Die meisten Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder. Das Elend der Betroffenen kann man nicht beschreiben."

Spenden für Wiederaufbau

Die Brandkatastrophe war Gesprächsthema in ganz Deutschland. Deshalb setzte umgehend eine beispiellose Spendenaktion ein. Bis zum 14. August waren bereits 14 000 Reichsmark eingegangen.
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