Nach Tsunami Welle der Hilfe

Es ist keine Zufriedenheit, mehr das Gefühl, "das Richtige getan zu haben", erzählt die zierliche Frau mit den dunklen Augen. Als am zweiten Weihnachtsfeiertag vor zehn Jahren der Tsunami unfassbares Leid in beliebte Urlaubsdomizile brachte, half Hannelore Lanjri Mettaoui.

Altendorf. (cv) Briefe mit liebevollen Verzierungen, Karten, Fotos sind fein säuberlich in zwei großen Kartons aufbewahrt. Darunter auch Bilder von Kumara. Er hat sich einen Traum erfüllen können, ein kleines Souvenirgeschäft am Strand. Ein weiteres Foto zeigt die graue Tafel mit 130 Namen, 130 Opfer der verheerenden Naturkatastrophe vor zehn Jahren. Nach einem Jahr schloss Hannelore Lanjri Mettaoui ihre private Hilfsaktion ab, die Kontakte nach Sri Lanka, die Anteilnahme an den Schicksalen, den Lebenslinien, sind geblieben.

30 000 Euro Spendengelder

Eigentlich wollte sie Weihnachten vor zehn Jahren mit ihrer Tochter in Sri Lanka verbringen. Die Pläne änderten sich. Zum Glück: Der Bungalow, in dem die Altendorferin die Jahre zuvor gewohnt hatte, steht nicht mehr. Das Fischerdorf wurde größtenteils von der verheerenden Welle weggerissen. Hannelore Lanjri Mettaoui beschloss damals, "einfach zu helfen, aus Mitgefühl". Sie dachte an einen kleinen Spendenaufruf, um den Menschen vor Ort unter die Arme zu greifen. Nie hätte sie gedacht, dass ihr fremde Menschen 30 000 Euro anvertrauen. Die couragierte Frau flog im Januar 2005 ins Katastrophengebiet. Traumatisierte Kinder brauchten wieder einen festen Alltagsrythmus. Die Altendorferin besorgte vor Ort 600 Schulrucksäcke, füllte sie mit Stiften, Heften und Stoffen für Schuluniformen. Hannelore Lanjri Mettaoui kaufte Nahrungsmittel, Waschzeug, Bett- und Handtücher, Gaskocher, Kleidung und Werkzeug. Bei Kumara, der Mutter und Haus verloren hatte, liefen die Fäden zusammen. Seine Schwester Renuka kümmerte sich um Buchhaltung und Verwaltung. Die beiden wussten, "wo was am Nötigsten gebraucht wurde". Hannelore Lanjri Mettaoui flog drei Mal nach Sri Lanka - auf eigene Kosten - besuchte Camps, kaufte in Galle oder im sieben Stunden entfernten Colombo Betten, Milchpulver, Medikamente.

Nach diesem Jahr der Hilfe blieben die Kontakte. "Die Anteilnahme hört ja nicht plötzlich auf", erzählt die Altendorferin. Kumara litt noch Jahre darunter, "dass ihn seine Mutter in den Fluten losließ, damit er sich retten konnte". Die Leiche der Mutter wurde gefunden, die Schuldgefühle blieben. 130 Namen stehen auf der Gedenktafel in Strandnähe. Die Menschen wohnen nach wie vor hier. Nur die Häuser sind zweistöckig gebaut worden. "Was sollen die Menschen im Hinterland? Tourismus, Fischerei, wirtschaftliche Existenz - das sind der Strand und das Meer", so die Altendorferin. Doch die Einwohner von Tangalle seien sensibilisiert, "wissen, was es bedeutet, wenn das Wasser zurückgeht". Am Jahrestag packt der heute 40-jährige Kumara wieder Essenspakete für Bedürftige. Er möchte etwas von der Hilfe, die er erfahren hat, zurückgeben", erklärt die 61-Jährige.

252 Deutsche starben

Das Jahr 2005 war für sie schwer zu verarbeiten. Sie versteht die Urlauber aus dem Landkreis, die die Katastrophe damals überlebt haben und nicht mehr darüber sprechen wollen. 252 Deutsche sind gestorben. "Meine Albträume haben erst nach und nach aufgehört", so Hannelore Lanjri Mettaoui. Nie wieder wird sie in Tangalle einen unbeschwerten Urlaub am Meer verbringen. Doch wenn die Hilfe "auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein konnte - ich bin froh, dass ich es gemacht habe".
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