Namen statt Rahmen

Ein Klassenfoto des Einschulungsjahrgangs 1957/58: Wer hier jemanden erkennt, kann sich gerne an das Stadtarchiv Neustadt/WN wenden und zur vollständigen Dokumentation der Bilder beitragen. Bild: Stadtarchiv Neustadt

Und das der Salfetter. Da hinten steht noch die Schmid. Aber wer ist das da vorne? Keiner weiß den Namen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass viele der Bilder, auf denen die Personen abgebildet sind, oft älter als 90 Jahre sind.

Neustadt/WN. (esc) Alfred Spachtholz, Vorsitzender des Fotoclubs Neustadt und Mitarbeiter im städtischen Archiv, hat für die Foto-Durchsicht seinen Laptop aufgebaut. Die eingescannten Fotografien sind nun groß auf der Leinwand zu sehen. Im alten Mesnerhaus gegenüber der Kirche treffen sich am Montag früh die, von denen sich Spachtholz Namen erhofft. Und tatsächlich: Die acht Männer und Frauen liefern ihm einen nach dem anderen. "Ist das die Magdalena?" fragt die eine. "Nein, die kleine Schwester", sagt der andere. Und: "Das ist der Werner Witt" oder "der Schwarz von der Gramau".

NT-Fotograf Winkler

Ob Klassentreffen, Ausflug oder Jubelkommunion - alles ist dokumentiert. Nur die Namen fehlen eben. "Die müssen wir rausbekommen", sagt Spachtholz. "Denn ein Bild ohne Namen ist einfach nix." Und bei deren Vergebung überbieten sich die acht Besucher nahezu. Jeder erkennt irgendjemanden auf den Bildern. "Das ist die Frau von ..." oder "... die wohnten in dem Haus ..." helfen dann schon auf die Sprünge, um die richtigen Namen zuzuordnen.

Bei Gruppenbildern mit bis zu 60 Personen gestaltet sich das dann doch etwas schwierig: Viele der Bilder sind noch in schwarz-weiß, und die abgelichteten Frauen und Männer haben sich im Laufe der Zeit schließlich auch verändert.

Der Neustädter Fotoclub hat sich mit der Benennung der Personen viel vorgenommen: "Wir haben bisher 4000 bis 5000 Bilder auf mehreren Festplatten abgesichert", erzählt Spachtholz. Erst vor kurzem hat das Stadtarchiv wieder einen reichen Schatz erhalten: Der vor kurzem verstorbene NT-Fotograf Eero Winkler hat seine Bilder der Einrichtung hinterlassen. "Das sind 20 bis 25 Ordner mit wahnsinnig vielen Negativen", sagt Ursula Wiechert. Die Museumsleiterin trägt bei den Treffen alle Namen, die die Besucher wissen, in eine Tabelle ein. Zu diesen Bildern kommen dann auch immer wieder alte Fotoalben, die Bürger dem Archiv überlassen.

Mehrmalige Treffen

Spachtholz und Wiechert müssen sich beeilen: Denn die, die sich noch an die Abgebildeten erinnern und deren Namen kennen, sind auch nicht mehr die Jüngsten. Das heißt: Noch alles dokumentieren, festhalten und benennen, so lange die alteingesessenen Neustädter ihr Wissen noch kundtun können.

So etwa alle zwei Monate will der Fotoclub solche Treffen im alten Mesnerhaus abhalten und erhofft sich dann noch mehr Namen, Geschichten, Fakten, Daten zu den Bildern. Dann ruft der Verein wieder über die Tagespresse dazu auf, sich an der Runde zu beteiligen und Namen zu den Bildern zu liefern.
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