Natur mit allen Sinnen

Ein Regenwurm ist nicht "igitt", Spielen auch ohne Plastik und "elektronische Kletten" eine Mordsgaudi und die Verwandlung einer Kaulquappe zum Frosch spannender als jede Fernsehserie: Erfahrungen wie diese sammeln die Mädchen und Buben der Trabitzer Kindertagesstätte beim "Waldkindergarten".

Trabitz. (bjp) Seit 1. Juni verbringen die 30 "Krümel" und "Dreikäsehochs" vier Wochen lang jeden Kindergartentag in der "Ketze" bei Hessenreuth. "Zum neunten Mal unternehmen wir diese Entdeckungsreise in die Natur", erzählt Leiterin Johanna Sulzbacher, die das "erlebnispädagogische Experiment" erstmals vor 15 Jahren wagte - anfangs im zweijährlichen Abstand, seit 2014 jedes Jahr.

Das Waldgelände rings um den Ketze-Pavillon sei hierfür wie geschaffen: "Kinder und Betreuer sind hingerissen von der reichen Tier- und Pflanzenwelt und genießen das Gefühl einer fast unendlichen Freiheit." Selbst das gefürchtete Trotzalter sei hier kein Thema: "Die freie, weitläufige Natur wirkt auf jeden Trotzkopf ausgleichend und beruhigend."

Vor allem aber, so Sulzbacher, wecke nichts die Neugier und Kreativität so sehr wie der "sinn-liche" Kontakt mit Pflanzen und Tieren, Sand, Erde und Wasser. Ganz bewusst nehme man in Kauf, dass sich die Kinder auch einmal ein wenig schmutzig machten: "Und ist es wirklich einmal zu arg, haben wir hier eine Quelle, deren sauberes Wasser sich zum Waschen eignet - und sogar zum Trinken."

In einem Waldtagebuch dokumentiert die Gruppe, was es alles zu entdecken gibt: Waldpelzbienen, Birkenspanner, Blutzikaden, Nacktschnecken, große Waldameisen und Weberknechte. Und jeden Tag werfen die Kinder mindestens einen Blick in den Eimer, in dem Kaulquappen ihre Wandlung zu Frosch oder Kröte durchleben. Zwischendurch spielen sie gern im Waldspielplatz mit Schaukel, Reckstange, Rutsche, Balancierbalken und Hängeleiter: "Alle Geräte haben wir gemeinsam aus Materialien aufgebaut, die wir im Wald vorfinden", verrät Sulzbacher.

Ein Höhepunkt sei die "Waldnacht". Außer dem eigenen "Kigamobil"-Wagen stehe hierfür noch ein Wohnwagen bereit. Zur Einstimmung werde ein Lagerfeuer angefacht, über dem in einem gusseisernen "Touch-Ofen"-Topf gesunder Breit- und Spitzwegerichkuchen gebacken wird.

Der werde ebenso eifrig verputzt wie das Essen aus Karin Merkers Kindergartenküche, das mittags angeliefert werde: "Dank der frischen Waldluft schmeckt es den Kindern noch besser als sonst", schmunzelt die Kindergartenleiterin. Ein Schmankerl sei auch das Holundergelee, das die Gruppe aus selbstgepflückten Blüten herstelle.
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