Neuer Fall für Ava Lee
Gnadenlos spannend

Sie ist stylish, verführerisch und alles andere als der Prototyp eines Gangsterjägers: Ava Lee, die kanadisch-chinesische Wunderwaffe gegen Wirtschaftskriminalität. Ian Hamilton (Jahrgang 1946), ihr Schöpfer aus Ontario, gönnt seiner Heldin wenig Zeit zum Entspannen. Kaum hat sie den Fall um "Die wilden Bestien von Wuhan" (2013) erfolgreich abgeschlossen, schickt er sie schon wieder in die Spur. Dieses Mal allerdings ist sie in privater Mission unterwegs. "Der Rote Stab von Macao" wird fast zum Fallstrick für Avas Bruder Michael.

Ungewöhnliche Reihe

Dass Ava ihm helfen wird, steht außer Frage - zumal Michaels Millionen-Desaster die ganze Familie betreffen könnte. Der vor zwei Jahren bereits in Kanada erschienene vierte Fall der hinreißenden Wirtschaftsprüferin soll nun Leser auf dem deutschen Büchermarkt erobern. Fans der eher ungewöhnlichen Krimireihe begeben sich mit der Protagonistin nach Macao, dem Las Vegas des Fernen Ostens. Hier treiben skrupellose Immobilienhaie gutgläubige Investoren methodisch in den Ruin.

Michael ist einer der Geprellten, der kriminelle Kao Lok, der "Rote Stab", Avas Gegenspieler. Dass sie den Fall am Ende lösen wird, liegt auf der Hand. Es geht um das Wie, und das ist gnadenlos und spannend - und selbst bei Aufbietung aller Toleranz auch etwas fragwürdig. Ava Lee ist nie zimperlich in der Wahl ihrer Mittel, doch überschreitet sie dieses Mal eine Grenze, was ihr einiges Unbehagen bereitet.

Wie immer kämpft sie ihren Kampf nicht allein. Ihr alter chinesischer Geschäftspartner, genannt Onkel, hilft ihr, so gut er kann - mit Beziehungen und guten Ratschlägen. Ebenso eine Freundin mit besten Kontakten. Hinzu kommt eine Reihe von harten Jungs, die keine Skrupel kennen, vor nichts und niemandem Angst, aber ein Herz für Ava haben. Die nötigen Mittel hat die umtriebige junge Dame auch, also nahezu alles, was sie für ihren gefährlichen Einsatz braucht. Und gefährlich ist er.

Kulinarische Vorlieben

Daneben erfährt der Leser viel über asiatische Küche und die kulinarischen Vorlieben Avas, was teilweise für Europäer gewöhnungsbedürftig, wenn nicht abstoßend sein dürfte (lebende Garnelen, die beim Aufbrechen zucken). Ja, Hamilton, der frühere Journalist und Ex-Diplomat, der über 20 Jahre lang den Globus, vor allem auch Asien bereiste, lässt sein Wissen über Länder und Leute, über Strukturen und Gewohnheiten wieder reichlich einfließen, obwohl sich Ava dieses Mal im Gegensatz zu den Vorgängerromanen fast ausschließlich auf chinesischem Territorium bewegt. Interessant ist es allemal, wie auch das gesamte Buch.

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Ian Hamilton: "Der Rote Stab von Macao". 416 Seiten, 9,90 Euro, Verlag Kein & Aber.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Zürich (98)Januar 2015 (7957)
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