Neues Bewusstein für Altstraßen

Leo Berberich engagiert sich in der Arbeitsgemeinschaft "Andiamo" und hat einen Blick für Altstraßen. Bild: hfz

Wer durch den Wald spaziert, hat einen Blick für Schwammerln, aber nicht für den geschichtsträchtigen Boden unter seinen Füßen, die Spuren der "Altstraßen". Was sich auf den alten Wernberger Handelswegen abspielte, gesäumt von gruseligen Galgen, aber auch befahren von Kaiser Mathias, hat Heimatpfleger Leo Berberich akribisch aufbereitet.

Wernberg-Köblitz. (cv) "Wernberg - Kreuzungspunkt aller Handelswege" ist sein Vortrag betitelt, den er am Mittwoch, 22. Oktober, um 19 Uhr im Landgasthof Burkhard auf Einladung des Kulturforums hält. Für Wernberg-Köblitzer ist der Abend fast ein Muss: Was sich da so auf Wernberger Straßen früher abgespielt hat- Leo Berberich hat Wochen und Monate darauf verwendet, um viele Facetten zusammenzutragen.

Durch "Andiamo"

A 6 und A 93, das Kreuz "Oberpfälzer Wald" punkten in der Gegenwart, doch schon um das Jahr 1000 und im Mittelalter war der Raum Wernberg für Handelstransporte gefragt. Ein Aufhänger ist für Berberich der Arbeitskreis "Andiamo", der die Altstraßenreste in der nördlichen Oberpfalz erfasst. Berberich will die Wernberg-Köblitzer teilhaben lassen an der Zeit, als es noch keine Karten und keine Straßen gab, aber gehandelt wurde - von Nord nach Süd, von West nach Ost.

Die Vorgänger der Prager Landstraße und der Magdeburger Straße waren um das Jahr 1000 herum abschüssige Pfade. Die Menschen mieden sumpfiges Gebiet, orientierten sich an Höhenzügen. Doch irgendwann musste man wieder bergab. "Andiamo" heftet den Blick auf wellenförmige Oberflächen in Waldgebieten. Denn es blieb nicht bei einer "Straße". War der Weg zu ausgefurcht und zu gefährlich, musste eine parallele Transportmöglichkeit her. Bis zu 15 Spuren nebeneinander sind im Gelände zu finden. Und wenn es zu abschüssig wurde, sorgte ein eiserner Bremsschuh dafür, dass die schweren Gespanne nicht zu viel Fahrt aufnahmen. Sie transportierten bis zu 14 Tonnen, waren für 15 Kilometer einen Tag unterwegs, um Salz, Eisen oder Erze zu transportieren. Dabei dreht sich in Texten und Karten vieles um "Schütthütten", so hieß der Ort unterhalb der Burg Wernberg, in dem Erze eine große Rolle spielten.

"Tiefe, böse Wege"

Auf der Reise durch historische Karten um 1600 hören die Zuhörer so manche Zoll-Episode, haben vor Augen, wie Kaiser Matthias zur Krönung nach Frankfurt gereist und in Wernberg gespeist hat. Goethe war auf der alten B 15 unterwegs. Manch schlimmer Unfall ist überliefert, so der auf der Prager Landstraße von Alletshof nach Kötschdorf, wo 1585 "wegen tiefer, böser Wege" ein Fuhrwerk kippte und einen Knecht erschlug".

Berberichs Ziel ist es, ein Bewusstsein für die Altstraßenreste zu schaffen, für Hohlwege, die leider häufig hergenommen werden, um "Zeug loszuwerden" oder aufzufüllen. Franz Neblich steuert zum Vortrag seine Fotos bei, Hermann Meiller Sagen und Geschichten, wie es den Menschen auf den Wegen erging.

Eine Exkursion

Als praktischer Teil, wird eine Exkursion zu Altstrassenresten zwischen Wernberg-Köblitz und Pfreimd folgen. Die Eindrücke vor Ort lassen die damaligen Strapazen für Mensch und Zugtiere oder den Stoff für Sagen leichter erkennen. Die Nutzung gängiger Technik, für die exakte Katalogisierung der Altstrassenreste wird dabei demonstriert. Termin für die Exkursion ist voraussichtlich in der Woche nach dem Vortrag.
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