Neues jüdisches Zentrum soll in der Regensburger Altstadt entstehen
Endlich wieder eine Synagoge

Die 1912 eingeweihte Synagoge am Brixener Hof existierte nicht einmal drei Jahrzehnte. In der Reichspogromnacht 1938 wurde sie zerstört. Am gleichen Ort soll nun ein neues jüdisches Zentrum entstehen. Bilder: Jüdische Gemeinde Regensburg (2)

Über Jahrhunderte hinweg hat eine starke jüdische Gemeinde das Regensburger Leben geprägt. Ohne sie würde die Weltkulturerbe-Stadt heute anders aussehen. Dennoch fehlt der Gemeinde nach mehrfacher Zerstörung das Herzstück: eine Synagoge.

Unsere Räumlichkeiten reichen hinten und vorne nicht aus", erzählt Ilse Danziger, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, am Montag beim Ortstermin. In dem schmalen Verwaltungsgebäude der Gemeinde am Brixener Hof mitten in der Altstadt haben gerade mal ein Büro, eine Bibliothek, ein kleiner Gebetsraum und die Hausmeisterwohnung Platz. An Feiertagen treffen sich die Gläubigen in einem Mehrzwecksaal für knapp 100 Personen in einem Flachbau, der in den 60er Jahren im Hof des Gemeindezentrums entstand. Kein angemessener Ersatz für die prächtige Synagoge, die hier bis 1938 stand und in der Reichspogromnacht zerstört wurde.

"Das jüdische Leben spielt sich grundsätzlich in der Gemeinschaft ab, nach den Gottesdiensten bleibt man zum Reden und gemeinsamen Essen zusammen. Das ist hier kaum möglich", bedauert Danziger. Zu hohen Feiertagen werde die Gemeinde teils zu drei unterschiedlichen Terminen eingeladen, damit die Gläubigen Platz finden. Der Hintergrund: Nachdem die Gemeinde nach 1945 lange nur etwa 100 Mitglieder zählte, verzehnfachte sich die Zahl in den 90er Jahren durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Neuankömmlinge brachten frischen Wind, der Platz im Gemeindezentrum reicht für die nunmehr 1000 Mitglieder aber bei weitem nicht.

Seit Jahren schwebt der Gemeinde daher vor, eine neue Synagoge auf ihrem Grundstück am Brixener Hof zu bauen. Nun steht auch ein Datum fest: Bis 2019 soll das Gotteshaus errichtet werden - und damit genau 500 Jahre nach der Zerstörung der ersten Regensburger Synagoge, die bis 1519 am Neupfarrplatz stand, eröffnet werden. Danziger weiß, dass das ein ehrgeiziger Zeitplan ist. Doch die ersten Schritte sind bereits getan.

Anfang des Jahres startete ein Architektenwettbewerb. Zehn Büros waren eingeladen, Entwürfe abzugeben. Die Vorgaben: Es soll eine Synagoge für rund 200 Menschen entstehen, plus Nebenräume für Schulunterricht, gemeinsame Treffen und die Bibliothek. Eine besondere Anforderung für die Architekten: Einerseits müssen sie die Sicherheitsbedürfnisse der Gemeinde erfüllen - wie der jüngste Angriff auf eine Synagoge in Kopenhagen schmerzlich vor Augen führte. Andererseits will sich die Gemeinde keinesfalls abschotten, wie Danziger betont.

Auf keinen Fall soll es ein Nachbau der 1938 zerstörten Synagoge werden, sondern ein moderner Bau, der sich zugleich in das Stadtensemble einfügt. "Wir wollen nichts Pompöses." Im Mai soll eine Jury über die eingereichten Entwürfe entscheiden. Ein weiterer Knackpunkt ist die Finanzierung: Etwa 3,5 Millionen Euro wird der Synagogen-Neubau nach heutigen Schätzungen kosten. Dazu kommen die Sanierung und die statische Absicherung des bestehenden Gebäudes.

Historische Verantwortung

Hilfe kommt vom 2013 gegründeten Förderverein "Neue Regensburger Synagoge": 30 engagierte Bürger haben sich zusammengetan, um das Vorhaben durch das Eintreiben von Spenden und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Die Mitglieder seien keine Juden, wollen sich aber der historischen Verantwortung der Stadt stellen, erklärt Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins. "Es waren Bürger der Stadt, die die Synagoge zerstört haben und zugeschaut haben, wie die Juden vertrieben wurden." Deshalb sei es heute Aufgabe der Stadtgesellschaft, dafür zu sorgen, dass jüdisches Leben in Regensburg in adäquater Form möglich ist. Weber ist bewusst, dass Spendengelder allein das 3,5-Millionen-Euro-Projekt nicht decken können. Sobald der Architektenwettbewerb einen Siegerentwurf hervorgebracht hat, wollen sich Förderverein und Gemeinde daher an Stellen der öffentlichen Hand wenden - von der Stadt bis zum Freistaat. Von mehreren Seiten gebe es bereits positive Signale. Ilse Danziger setzt alles auf das Gelingen des Vorhabens, denn: "An der Synagoge hängt es, ob die Gemeinde am Leben bleibt. Wenn wir Veranstaltungen nicht durchführen können, verlieren wir unsere Leute.
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