Neues Theater ohne Grenzen

Das neue Pilsner Theater besteht aus zwei Teilen. Das fünfstöckige Betriebsgebäude (links) ist unterirdisch durch ein gemeinsames Kellergeschoss und oberirdisch durch Brücken mit dem eigentlichen Theaterbau (rechts) verbunden. Die Fassade des "Nové divadlo" besteht aus einer Betonwand mit einer Fläche von 22 auf 14 Meter. Die 40 ovalen Öffnungen leuchten in der Nacht in verschiedenen Farben. Bilder: Portner (4)

Die 150. Theatersaison in Pilsen hat begonnen. Dazu hat sich die Kulturhauptstadt 2015 selbst beschenkt: Mit einem neuen Theater, das auch diesen Namen trägt, nämlich "Nové divadlo".

In der viertgrößten Stadt Tschechiens hat die Kultur schon immer einen hohen Stellenwert. Aber auch bei "Pilsen 2015" spielt der Neubau in der Jízdecká-Straße eine entscheidende Rolle. Denn das Neue Theater ist Teil des Projekts "Kulturhauptstadt Europas". So wird das 22. Internationale Theaterfestival die Stadt im September zehn Tage lang verzaubern.

"Jeder, der sich als Pilsener fühlt, muss einfach stolz sein auf das Neue Theater", schreibt Direktor Martin Otava auf der Homepage. Auch die nahe Oberpfalz partizipiert von den Möglichkeiten, die sich hier für Inszenierungen der verschiedenen Genres bieten. Das Josef-Kajetán-Tyl-Theater hatte bisher zwei ständige Bühnen - das Große Theater und das Kammertheater. Hochkarätige internationale Produktionen waren jedoch im maroden Kammertheater nicht mehr umsetzbar. Dieses wurde dann auch 2013 geschlossen. Mit den zwei Bühnen im Neuen Theater und der Bühne im Tyl-Theater ist Pilsen fürs Kulturhauptstadtjahr gut aufgestellt. Darüber informierte Jaroslav Möller eine Gruppe vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) aus Schönsee. Bei der Führung vom Keller bis zum Dach des ultramodernen Neubaus war auch CeBB-Geschäftsführer Hans Eibauer mit von der Partie.

"Das Josef-Kajetán-Tyl-Theater wurde 1902 gebaut und ein Jahr später das ursprüngliche Theater abgerissen", berichtete Möller. Das Deutsche Theater in der Goethe-Straße wurde 1965 geschlossen und im gleichen Jahr das Kammertheater eröffnet. "Dies war aber nur ein Provisorium. Wir wollten schon immer eine große Bühne", betonte der Koordinationsleiter. Dieser Wunsch hat sich nun mit dem Neuen Theater erfüllt, in welches nach nur 26 Monaten Bauzeit das Ensemble des J. K. Tyl-Theaters eingezogen ist. Premiere war im September mit einem Klassiker der tschechischen Oper ("Die verkaufte Braut" von Bedrich Smetana). Entgegen dem Tyl-Theater im Neorenaissance-Stil besticht der Neubau an der Straße aus Richtung Rozvadov mit einer Betonwand. Per Computertechnik erstrahlen die 40 ovalen Öffnungen bei Nacht als Farbkomposition. "Uns steht jetzt die modernste Theatertechnik in Tschechien zur Verfügung", schwärmte Möller. Der große Saal weist 460 Plätze auf, eine kleinere Studiobühne ist für 150 Zuschauer ausgelegt. Dazu kommen Proberäume für Schauspiel-, Opern-, Musical- und Ballettensembles sowie Chor- und Orchestergraben. Mit dem eigentlichen Theater ist ein fünfstöckiges Betriebsgebäude verbunden, in dem auch ein Club integriert ist. Für die Pilsner Philharmonie ist ein Backstage-Bereich vorhanden.

Auf das Ensemble wartet viel Arbeit: In der 150. Saison der Theatergeschichte Pilsens steht die Rekordzahl von 26 Premieren auf dem Programm. So startet im Neuen Theater ab Samstag 29. November das Musical "Sugar". Auch das Centrum Bavaria Bohemia wird wieder dabei sein (Näheres im Kasten).

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/pilsen2015
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