Neustadt am Rande des Meeres

Vor 500 Millionen Jahren sah die Welt noch anders aus. Es gab noch keinen Himalaya und keine Alpen. Neustadt lag übrigens am Rande eines Meeres.

Eine Führung zum Thema "500 Millionen Jahre Neustadt an der Waldnaab" bieten am Mittwoch, 27. Mai, zwei Geoparkranger an. Eine von ihnen ist Bettina Rüstow (55) aus Parkstein. Wer dabei sein möchte, kann an einer Verlosung teilnehmen (siehe Infokasten). Im Vorfeld sprach Redakteur Christopher Dotzler mit Rüstow.

Der Titel der Führung klingt ja schon mal spannend. Was erwartet die Teilnehmer?

Ich erkläre die Geologie. Neustadt liegt auf einem Gneisrücken, und der ist zirka 500 Millionen Jahre alt.

Gneisrücken: Was ist das?

Gneis ist ein Gestein. Dass Neustadt überhaupt erhöht ist, liegt daran, dass das harte Gestein geblieben ist und das weichere Gestein des Umlands abgetragen wurde.

"500 Millionen Jahre Neustadt an der Waldnaab". Wie ist es möglich, so weit in die Vergangenheit zu blicken?

Man kann feststellen, welche Gesteine aus welcher Zeit stammen. Die chemischen Formeln, die dafür notwendig sind, sind aber sehr komplex.

Gut, es geht auch mehr um die faszinierenden Geschichten, die damit verbunden sind. Welche gibt es da zu erzählen?

Ich erkläre die Kontinentaldrift und wo Neustadt vor 500 Millionen Jahren lag, als der Gneis abgelagert wurde. Es gab zu dieser Zeit einen Riesenkontinent auf der Südhalbkugel, "Gondwana", an dessen Nordrand Neustadt lag, und weiter nördlich einige davon abgespaltene kleine Kontinente und Inseln, die sich später zu dem Kontinent "Laurasia" vereinigt haben. "Gondwana" war in der Nähe des Äquators und ist dann nach Norden gewandert.

Wie hat Neustadt damals ausgesehen?

Auf alle Fälle war Neustadt am Rande eines Meeres. Natürlich gab es damals noch keine Menschen und keine Städte. Der Kontinentaldrift hat ein Himalaya-hohes Gebirge aufgeschoben, das es vor 500 Millionen Jahren noch nicht gegeben hat - genauso wenig wie die Alpen. Es hat alles völlig anders ausgesehen. Man war auf einer anderen Stelle des Globusses. Es gab eine vollkommen andere Tier- und Pflanzenwelt, hauptsächlich im Meer. Es war wärmer als heute, und die Landoberfläche sah marsähnlich aus.

Sie wissen das, weil sie Geoparkrangerin sind. Wie wird man eine solche?

Man macht beim Geopark Bayern-Böhmen ein Jahr lang eine Ausbildung. Sie befasst sich mit Geologie, Geschichte und Rhetorik. Ich selbst bin seit sechs Jahren Geoparkrangerin.

Wie sieht das Gebiet aus, für das es Angebote gibt?

Der Geopark erstreckt sich über vier Landkreise: Neustadt, Wunsiedel, Bayreuth und Tirschenreuth - und natürlich ein entsprechendes Gebiet in Tschechien, das aber eine eigene Geschäftsstelle hat. In diesen Landkreisen werden Führungen angeboten. Ich selber bin an sechs verschiedenen Orten im Landkreis Neustadt aktiv: am St. Quirin, am Rauhen Kulm, in Neustadt selbst, Parkstein, Pleystein und im Sauerbachtal bei Altenstadt.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.geopark-bayern.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Rüstow (1)Mai 2015 (7908)
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