Nicht inmitten von US-Soldaten

In den Anwesen Mozartstraße 1, 3 und 5 (Bild) sieht die Regierung der Oberpfalz geeignete Unterkünfte für Flüchtlinge. Konkret hat die Eigentümerin, die GKG Verwaltungs-GmbH aus Bad Windsheim, dem Bezirk einen der drei Wohnblöcke zur Miete angeboten. In den acht Wohneinheiten könnten bis zu 60 Menschen leben. Die Stadt Vilseck befürchtet Konfliktpotenzial. Weil sich zum Beispiel der Sportplatz der Amerikaner direkt für der Haustür befindet. Bild: Kosarew

Für Hans-Martin Schertl ist es "ein großes, großes Problem". Die Regierung der Oberpfalz will bereits ab April in der Mozartstraße bis zu 60 Asylbewerber unterbringen - mitten in einem Wohngebiet, in dem etwa 700 Amerikaner leben. Vilsecks Bürgermeister hält das für keine gute Idee und sogar für gefährlich. Damit ist er nicht alleine.

Vilseck. (tk) In der Vorwoche hatte Schertl eine E-Mail aus Regensburg erhalten, die unserer Zeitung vorliegt und in der wörtlich steht: "Da uns bekannt ist, dass in der Stadt Vilseck seit vielen Jahren ständig ausländische Staatsbürger leben, sind wir überzeugt, dass Sie (...) Ihren Beitrag dazu leisten und die Regierung der Oberpfalz in ihrer nicht leichten Aufgabe dabei unterstützen werden, damit der Aufenthalt der Asylbewerber in Ihrer Kommune ohne unangenehme Zwischenfälle verläuft."

Konkret ist davon die Rede, im Ortsteil Schlicht in einem Zweifamilienhaus bis zu 20 Personen aufzunehmen. In einem der Anwesen Mozartstraße 1, 3 und 5 möchte die Regierung bis zu 60 Flüchtlinge einquartieren. Früher, sagt Schertl, hätten die Häuser einem Vilsecker Geschäftsmann gehört, nun aber befänden sie sich im Besitz einer Gesellschaft aus Bad Windsheim. Diese habe dem Bezirk acht Wohneinheiten zur Miete angeboten. Das Problem laut Schertl: "Es kann nicht sein, dass nun vonseiten der Regierung der Oberpfalz geplant ist, mitten in diesem Bereich hinein 60 asylsuchende Personen unterzubringen, die möglicherweise vor einiger Zeit noch gegen US-Soldaten gekämpft haben."

US-Armee kontaktiert

Da die Regierung laut ihres Sprechers Joseph Karl von den ihr angebotenen Unterkünften nicht Abstand nehmen möchte (wir berichteten), geht Schertl nun in die Offensive und macht mobil. Er habe US-Generalkonsul Bill Moeller (München), General Christopher Cavoli und Kommandeur Mark Colbrook (beide Grafenwöhr) über seine Bedenken informiert. Vilsecks Bürgermeister ist felsenfest überzeugt: "Die Amerikaner werden das überprüfen. Ich bin mir sicher, dass da eine Reaktion kommen wird." Während eine offizielle Stellungnahme der US-Armee zunächst nicht zu erhalten war, schlugen sich die Vorsitzenden sämtlicher im Stadtrat vertretenen Fraktionen auf Schertls Seite. Markus Graf (CSU), selbst Berufssoldat, macht aus seinem Gefühl kein Geheimnis: "Ich habe da schon Sicherheitsbedenken. Die wird der Amerikaner auch haben." Aus seiner Sicht zu Recht: "Da können auch traumatisierte Syrer dabei sein. Ob die alle USA-freundlich sind, wage ich zu bezweifeln."

Auch Manuel Plößner (Arbeitnehmer-Eigenheimer) ist dafür, statt einer Gemeinschaftsunterkunft auf dezentrale Lösungen zu setzen. Die Angebote seien vorhanden. Privatpersonen hätten dem Landkreis sechs Wohnungen gemeldet, in denen über 30 Flüchtlinge leben könnten. Das Sagen aber habe die Regierung: "Das kann doch nicht sein, dass die Kommune da außen vor bleibt." Gemeinschaftsunterkünfte könnten stattdessen in anderen Orten entstehen, denn: "Es leben nicht überall so viele Amerikaner wie in Vilseck."

Parteiübergreifend einig

Manfred Högl vom Einheitsblock Freie Wählerschaft greift diesen Gedanken auf und packt ihn mit Blick nach Regensburg in eine Forderung: "Sollen sich die hohen Herren doch mal auf den Weg machen und sich das hier anschauen."
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