Nicht mal Kuh darf allein vom Eis

Sie sprachen bei den Landfrauen (von links): Hauswirtschaftsoberrätin Ursula Eckl, Kreisbäuerin Brigitte Trummer, BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner und Justiziar Hermann Schopf. Bild: gf

Der Bauer verunglückt bei Waldarbeiten, hinterlässt seine Ehefrau, zwei Kinder, außerdem eines aus einer vorehelichen Beziehung. Ein Testament gibt es nicht. Da wird der Fall vertrackt.

Wenn es ums Vererben geht, müsse man eine "Richtigkeit" machen und ein Testament erstellen, das eigenhändig geschrieben werden kann. Der sicherste Weg sei das von einem Notar verfasste und beim Amtsgericht verwahrte Testament. Das koste zwar Gebühren, aber der Erblasser könne davon ausgehen, dass sein Nachlass ordnungsgemäß geregelt werde, sagte Hermann Schopf, Justiziar des Bayerischen Bauernverbands (BBV) bei der Frühjahrstagung der Ortsbäuerinnen im Gasthof Erras in Fichtenhof.

"Schon geerbet"

Ein alltäglicher Erbfall zog sich wie ein roter Faden durch den Abend, bei dem Schopf das ernste Thema "Redet ihr noch miteinander oder habt ihr schon geerbet?" humorvoll aufbereitete: Der Bauer verunglückt im Wald, hinterlässt seine Frau und zwei Kinder, außerdem eines aus einer vorehelichen Beziehung. Da kein Testament vorliege, trete die gesetzliche Erbfolge ein, was bei einem Nachlasswert von 2,4 Millionen Euro Folgen haben könne: "Denn eheliche und uneheliche Kinder sind gleichwertige Erben." So erhalte die Ehefrau die Hälfte, die Kinder die andere Hälfte, jedes somit ein Sechstel, was auch für das uneheliche Kind 400 000 Euro bedeute. "Und damit ist in dieser Familie die Stimmung im Keller", sagte Schopf trocken.

Nur noch gemeinsam

Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb vorhanden sei, sollte man das Zustandekommen einer Erbengemeinschaft unter allen Umständen vermeiden, da über alles nur gemeinsam verfügt werden dürfe - nicht mal eine Kuh könne ohne Zustimmung aller Erben verkauft werden. Natürlich könne eine Erbengemeinschaft einvernehmlich aufgelöst werden. Herrsche Uneinigkeit, könne ein Miterbe die Teilungsversteigerung betreiben, aber das komme teuer, sagte Hermann Schopf.

Er hatte bei den Ortsbäuerinnen offensichtlich seinen humorvollen Tag, beim Hinweis, dass etwa 80 Prozent der eigenhändigen Testamente nicht entdeckt werden, oder gar der Falsche sie finde. "Was würden Sie machen", lautete seine Frage, "wenn Sie das Testament Ihres Vaters finden, mit dem die Schwester Alleinerbin werden soll?" Alle, die dieses Testament beim Nachlassgericht abliefern würden, sollten aufstehen - aber es blieben alle sitzen.

Beim Erbrecht könne vieles vermasselt werden, daher sei vor Abfassung eines Testaments sachkundiger Rat dringend geboten, etwa die Beratung beim Bauernverband, für die er in der Amberger Geschäftsstelle jeden ersten Donnerstag im Monat nach Absprache zur Verfügung stehe.

Tierwohl und Mindestlohn

Hauswirtschaftsoberrätin Ursula Eckl ging auf das anstehende 100-jährige Bestehen der hauswirtschaftlichen Bildung in Amberg ein und wies auf den seit 22 Jahren angebotenen einsemestrigen Studiengang hin, den derzeit 18 Frauen absolvieren. Der Studienbetrieb sei so gestaltet, dass er mit Familie oder Beruf in Einklang zu bringen sei. 70 Jahre bestehe der Bayerische Bauernverband heuer, meinte BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner. Er ging auf aktuelle Diskussionen um konventionelle oder biologische Nahrungsmittelproduktion ein, auch das Tierwohl sei im Gespräch. Der Mindestlohn stelle für Landwirte eine große Herausforderung dar, weil die vorgeschriebenen Aufzeichnungen mit unendlich vielen Fallstricken behaftet seien.

Kreisbäuerin Brigitte Trummer stellte das Jahresprogramm vor mit Informationen zur Sicherheit im Internet, einer Maiandacht und einem Kindertag auf dem Bauernhof.
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