Nicht nur "Märchentante"

Josef Pröls veröffentlicht die markantesten Werke seiner Frau in drei Büchern. Bild: Völkl

Sie begeisterte Kinder mit ihren fantastischen Märchen, verfasste Gedichte und Erzählungen. Zu markant, um im Familienkreis zu bleiben. Ein Jahr nach ihrem Tod hat Josef Pröls die Werke seiner Frau Gerhild in Buchform gebracht.

Pfreimd. (cv) Josef Pröls ist Schuhmachermeister und Ingenieur für Kunsttofftechnik. Der Betriebsleiter der früheren Firma Wilden war Jahrzehnte im Pfarrgemeinderat eine tragende Säule. Der 83-Jährige - Vater von vier Söhnen - führte eine glückliche Ehe mit seiner Frau Gerhild. "Im nächsten Jahr hätten wir diamantene Hochzeit feiern können", erzählt Pröls. Bevor seine Frau vor einem Jahr starb, hatte es ein stilles Einvernehmen zwischen dem Paar gegeben: Das, was Gerhild Pröls in Jahrzehnten verfasst hat, sollte nicht in Schränken verstauben. Josef Pröls machte sich an die Arbeit, sichtete und sortierte, um die Erzählkunst seiner Frau in Bücher zu fassen und zu illustrieren. Vor allem in der Zeit, als die vier Söhne heranwuchsen, brachte Gerhild Pröls ihre Beobachtungen und Gedanken - "basierend auf Liebe, Gottvertrauen und religiösen Wurzeln" - zu Papier.

Wer war Gerhild Pröls? 1935 geboren, erlebte sie die schwere Kriegszeit. Sie besuchte das Internat des Klosters Pielenhofen, dann die Schule Niedermünster, heiratete und wurde Mutter von vier Kindern und musste auch mit mancher gesundheitlichen Einschränkung zurecht kommen. Ein besonderes Anliegen waren ihr die Kindergottesdienste, die sie von 1970 bis 1992 anbot. Von den Kindern geliebt wurde die "Märchentante": Annähernd 40 Märchenstunden gestaltete sie in der Stadt- und Pfarrbücherei. Da wurde nichts vorgelesen, alle Märchen und Geschichten wurden frei vorgetragen. Vielen Besuchern der barocken Stadtpfarrkirche sind auch die von Gerhild Pröls ausdrucksstark geschmückten Jahrgangsosterkerzen aufgefallen. Dazu verfasste Gerhild Pröls ein großes Gebetsgedicht. In Anerkennung ihres Einsatzes erhielt sie 2013 den Ehrenteller der Stadt.

Ein großes Herz

Josef Pröls wollte die "fantasievollen, lebensnahen Gedichte, Geschichten, Gebete und Gedanken" für jeden zugänglich machen. Drei Bücher sind entstanden. Das erste gibt es bereits bei ihm zu kaufen. "Ein Blättchen rührt sich leis" ist es betitelt. Dr. Franz-Josef Ortkemper, Direktor i. R. des katholischen Bibelwerkes Stuttgart kommt hier zu Wort. "In vielen Texten wird eine große Liebe zu den Kindern sichtbar, ein großes Herz, auch Verständnis, tiefe Freude an ihnen und vor allem eine pralle Freude an den Schönheiten der Schöpfung", schreibt Ortkemper. Er zitiert Gerhild Pröls' Worte. "Schenke mir Augen, das Schöne zu sehen, Ohren, das Verborgene zu hören, ein Herz, das Gute zu denken, Kopf und Hände, das Richtige zu tun." Ortkemper hebt auch den "wunderbaren Wunsch" an junge Eltern heraus: "Ich wünsche eurem klitzekleinen Kind das Licht der Liebe, das sein Herz durchwärmt und Grenze ist, dem maßlosem Begehren." Aber auch Kritik an der heutigen Erziehung wird laut: "Lernen und Leisten, ohne Spiel, ohne Freude, ohne Sinn. Lernen. Nur ganz bestimmte hirnbedingte sinnvoll-sinnlose Dinge."

"Ein Blättchen rührt sich leis" ist fertig. "Geschichten aus Nedien" und das Buch über die Osterkerzen mit einem Ausflug in Märchenstunden und Kindergottesdienste sind im Entstehen. "Es sollen Lesebücher sein, die man gern am Nachttisch liegen hat", meint Josef Pröls schlicht.
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