Nichts zu rütteln

David Becker drückt mit seinem Oberkörper gegen einen Grabstein und schaut auf das Display seines Kipp-Mess-Geräts. Nur wenige Sekunden dauert der Vorgang. Passt! Der Grabstein ist standsicher. Bild: mng

Wer von Frühjahr bis Herbst in Friedhöfen in ganz Deutschland unterwegs ist, sucht entweder Orte der Stille oder ist Sachverständiger für Grabmalprüfung. So wie David Becker vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus dem hessischen Weilmünster. Etwa 1080 Grabmäler nahm er sich in Kemnath vor.

Kemnath. (mng) David Becker geht von Grab zu Grab, das Prüfgerät umgehängt. Und immer wieder das gleiche Prozedere: ein Bein leicht gebeugt, das andere ausgestreckt und das Prüfgerät am Grabstein angelegt. Die Messung dauert nur wenige Sekunden. Ein Display zeigt einen Wert an. "Passt! Der Druck von 300 Newton ist ein Mittelwert, der auf den Grabstein ausgeübt wird."

Ein solcher wiege mehrere hundert Kilogramm. Wenn er umkippe, könne das katastrophale Folgen haben, erklärt Becker. Immer wieder komme es aufgrund mangelnder Standfestigkeit von Grabmalen zu Unfällen. Besonders Kinder und ältere Menschen seien betroffen, etwa dann, wenn sie sich bei der Grabpflege am Grabstein abstützen oder sich daran hochziehen. Und das werde mit der wiederkehrenden Prüfung verhindert.

Schon vier Mal war der Sachverständige in Kemnath: "Beim ersten Mal mussten knapp 30 Gräber nachgebessert werden, und im letzten Jahr waren es weniger als 20. Viel ist das nicht bei insgesamt 1080 zu prüfenden Grabmalen." Ist die Standsicherheit nicht mehr gegeben, wird der Grabstein fotografiert und mit einem Warnaufkleber versehen. Zudem notiert Becker die Angaben zu den Verstorbenen sowie die Prüfkraft, bei der der Mangel auftrat, und das Schadensbild. Diese Dokumentation der übergibt er der Friedhofsverwaltung, die die Nutzungsberechtigten schriftlich informiert.

Bis zu sechs Wochen Zeit

Innerhalb einer Frist von vier bis sechs Wochen sollte die fachgerechte Instandsetzung erfolgt sein. Wenn nicht, ist die Friedhofsverwaltung gefordert und muss an den Vollzug erinnern. Im schlimmsten Fall ist sie berechtigt, den Grabstein gezielt umlegen zu lassen.

Zwischen November und März erfolgen keine Prüfungen. Das Messergebnis würde verfälscht werden, wenn zum Beispiel tagsüber schmelzender Schnee in eine Fuge eindringe und über Nacht gefriere, erklärt der Experte. Es sei dann nicht auszuschließen, dass der eigentlich nicht standsichere Grabstein durch das gefrorene Eis wieder eine Festigkeit erlangt.
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