Nie freundlich, manchmal recht derb
Der menschliche Körper im Dialekt: Luser, Blouser und Blebern

Dicke Backen werden gern als Blouser tituliert, auch wer sie, warum auch immer, aufbläst hat kurzzeitig Blouser. Bild: NT-Archiv
Im ersten Teil der Abhandlung "Der menschliche Körper im Spiegel des Dialektwortschatzes" wurde der Kopf mit den Teilbereichen Gesicht, Haare, Augen und Nase einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Im zweiten Teil geht es um die Ohren, die Wangen, den Mund und den Hals. Als Grundlage dient einmal mehr das Korpus des im Entstehen befindlichen "Oberviechtacher Wörterbuchs" des Oberviechtacher Dialektforums im Heimatkundlichen Arbeitskreis, für das über einen Zeitraum von 19 Jahren in mittlerweile 123 Dialektabenden weit über 4000 spezifische Dialektwörter behandelt wurden.

Die wertneutrale Bezeichnung für Ohren ist Luser oder Luserwàschl. Liegen dabei sehr ausgeprägte Exemplare vor, verwendet man das Wort Seglfliecher. Bei einem Luserhenkl dagegen handelt es sich um eine träge Person ohne besonderen Antrieb. Die unmittelbar an die Ohren angrenzenden Wangen beziehungsweise Backen werden als Blaouser betitelt. Der Ausdruck "raoudbackerter Bauernbou" nimmt zwar Bezug auf diesen Körperteil, wird aber im übertragenen Sinn als Schimpfwort gebraucht.

Der Mund ist, was die Fülle der Ausdrücke und der Bedeutungen betrifft, naturgemäß ein sehr weites Feld. Während die wertneutrale Bezeichnung Màl lautet, schwingt bei vielen anderen Wörtern eine negative bis derb-abwertende Nuance mit, wie etwa bei Bappm, Bobern/Blobern, Dregdrischl, Fotzn, Goschn, Lädschn, Raffl/Waffl, Schnodern und Schnufl. Bäppm, Blebern und Schmàdern wiederum haben einen weniger abfälligen Zungenschlag, wobei mit dem ersten Wort auch eine Fieberblase an der Lippe wiedergegeben wird, das zweite zusätzlich für die Lippe selbst steht, und das dritte darüber hinaus eine weibliche Person beschreibt, die viel redet. Das männliche Gegenstück dazu ist der Schmàderer, das dazugehörige Zeitwort ist schmàdern.

Ein Fotznrejerer bzw. Goschnrejerer ist jemand, der viel und angeberisch redet, mit Fotznspãngler meint man einen Zahnarzt, und ein Lädschnbene ist ein träger Mensch. In diesem Bereich sind auch eine Reihe von Redewendungen zu Hause, z. B. oin ã (freeche/growe) Fotzn/Goschn ohenka (jemandem über den Mund fahren, jemanden beschimpfen), ã Goschn homm wej ã Schwert (ein loses Mundwerk haben), d' Lädschn henka laoua (griesgrämig sein) und ã Schnufl macha (beleidigt sein).

Im Mund befindet sich der Bleschl (Zunge), und wenn die Zähne sehr markant sind, nennt man sie Haoung. Das Gleiche gilt für ein Bies (ausgeprägtes natürliches Gebiss). Fehlt ein Zahn, dann ist der Betreffende zoluckert. Der Hals beziehungsweise Grong stellt die Verbindung zwischen Kopf und Oberkörper her. Ist jemand an dieser Stelle mit einem Doppelkinn ausgestattet, dann besitzt er einen Drosterer. (slu)

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Die Serie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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