Noch immer schaurig-schön

Die "Perchtengruppe" kannte kein Pardon und rückte auch dem Publikum zu Leibe.

Frau Percht, der Dammer mit'n Hammer oder die "Trud" - vielen Generationen wurde mit diesen finsteren Gestalten schon Angst und Furcht eingeflößt. Ausgestorben sind diese Angstmacher noch nicht.

) Der Trachtenverein "Enzian" lässt die "alten Geschichten" mit seiner Perchtengruppe wieder aufleben. Sie kommt in der Nacht oder gegen Morgen und legt sich auf den Schläfer. Man kann dann nicht mehr rufen und bekommt keine Luft. Alte, hässliche, behaarte Weiber mit Plattfüßen und auseinanderstehenden Zehen drücken Menschen, die im Schlaf auf dem Rücken liegen zwischen elf und zwölf Uhr nachts. Die Rede ist natürlich von der "Trud", gegen die man sich durch Bannsprüche, das Trudenkreuz an Tür und Bett oder dadurch, dass man die Schuhe mit der Spitze nach außen unter das Bett stellt, wehren kann. Aber auch Frau Percht treibt ihr Unwesen zur Rauhnachtzeit. Sie bestraft Faulheit und Verstöße gegen das Festspeisegebot. Die Bestrafung kann von einfachen Albträumen bis hin zum Aufschlitzen des Bauches reichen. Der Bauch des Opfers wird dann gerne noch mit Steinen gefüllt, um es in einem Brunnen zu versenken. Zudem kann Frau Perchts Atem töten oder blenden. Umgekehrt belohnt sie Fleiß und Hilfsbereitschaft. Neben vollen Spulen, goldenen Fäden und Flachknoten für Spinnerinnen verschenkt sie auch Münzen, die Mägde in Eimern finden.

Diesen und anderen Überlieferrungen aus der Zeit der Rauh- oder Losnächte, wie die Spanne zwischen dem Weihnachtstag und Heilig Drei König auch genannt wird, lauschten die vielen Besucher beim "Perchtenabend" des Trachtenvereins. In gekonnt gespielten Szenen wurde gezeigt, wie die "Trud" den Knecht plagte, Luzifer persönlich die Seele der jungen Marei holen wollte und Frau Percht sie retten konnte.

Die Darstellungen waren bestens arrangiert und Peter Schmid, der die Zwischenmoderation übernahm, passte vortrefflich ins Bild. Sehr interessant waren auch die Ausführungen von Brauchtumswart Daniel Reichinger, der das gebannt lauschende Publikum in die Welt der Sagen und Mythen des Bayerischen Waldes einführte. Mancher, dem mit diesen Geschichten in Kindertagen noch Angst eingeflösst wurde, erfuhr wissenswertes Neues.
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