Noch keine Masernfälle in der Region - Eschenbacher Arzt kritisiert Impfgegner
Immun gegen Argumente

Da sollten die Eltern dahinter sein. Eine Überprüfung des Impfstatus" schließt Immunisierungslücken.
Die Masern sind zurück. Allein In Berlin haben sich dieser Tage mehr als 400 Menschen infiziert, mehr als im ganzen Vorjahr in Deutschland. Dabei sollten die Masern bis Ende 2015 in der Bundesrepublik verschwunden sein, dachten Infektionsmediziner. Verschont blieb bisher - von Ausnahmen abgesehen - das flache Land. Auch im Raum Eschenbach ist das Virus noch nicht angekommen. Jedenfalls meldet die Gemeinschaftspraxis der Allgemeinmediziner Dr. Georg Bayerl, Dr. Hannelore Lippiotta und Dr. Frank Schröder keine Erkrankungen.

Kein Fall in zehn Jahren

Kalt lässt das Thema aber auch die Experten in der Region nicht. "Masern schienen ausgerottet", bemerkt Dr. Georg Bayerl mit sorgenvollem Blick auf den ungebremsten Expansionskurs der Erkrankung im Norden der Republik. Zurückblickend kann sich der Allgemeinmediziner in den vergangenen zehn Jahren an keinen Masernfall erinnern. Trotzdem warnt der Mediziner vor Impflücken. Besonders das Defizit an Auffrischungsimpfungen sei weit verbreitet. Als eher kleine Randgruppe sieht er Eltern, die sich gegen eine Immunisierung ihrer Kinder entscheiden. "Die profitieren vom umfassenden Impfschutz der Bevölkerung, weil die geimpfte Masse in der Regel auch den Impfgegnern ausreichend Schutz vor den gefährlichen Viren bietet."

Dr. Bayerl erinnert an das Prinzip jeder Impfung, abgeschwächte Erreger einer Erkrankung in die Blutbahn zu bringen, um in der körpereigenen Abwehr Antikörper etwa gegen Masern, Röteln oder Mumps zu bilden. Unerheblich sei, woher die Krankheit komme, aber entscheidend, dagegen immun zu sein, urteilt der Facharzt. Dr. Bayerl spricht sich dafür aus, vor dem Hintergrund der Masernwelle in Berlin die Impfkontrollen der Kinder zu verstärken. "Da sollten die Eltern dahinter sein. Eine Überprüfung des Impfstatus' schließt Immunisierungslücken." Besonders wichtig sei eine konsequente zweimalige Masern-Mumps-Röteln-Impfung.

Noch setzt die Politik beim Impfschutz gegen die Masern auf die Eigenverantwortung der Menschen. Der Bundesgesundheitsminister forderte die Eltern jüngst zur Überprüfung des Impfschutzes auf. "Wer seinem Kind die notwendige Immunisierung verweigert, gefährdet auch die Gesundheit anderer Kinder", erklärt Hermann Gröhe. Die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml drohte schon einmal mit Zwangsimpfungen, und der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach, selbst Mediziner, attackierte die Impfkritiker in den Arztpraxen: "Es gibt zu viele Ärzte, die Masernimpfungen in Zweifel ziehen und damit Eltern verunsichern."

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/masern
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.