Nordlicht vom Sturm umtost

Mit der Idee, seinen Reichtum unter den Bollerbachern zu verteilen, erntet das "Nordlicht" Jens Knuppe bei Ehefrau Gunda erst einmal keine Begeisterung. Bilder: cs (2)

Seit nahezu 30 Jahren gastiert das Chiemgauer Volkstheater im Auerbacher Kolpingsaal und mobilisiert regelmäßig viele Fans aus der Bergstadt und darüber hinaus. Am Samstagabend hielt das Sturmtief "Elon" allerdings manche ab, noch kurzentschlossen loszuziehen.

"Nordlicht über Bollerbach" stand auf dem Spielplan, und wie seine Vorgänger schonte auch dieser Dreiakter die Lachmuskeln nicht. Regie führte Mona Freiberg.

Für den Wirt des Gasthofs "Zum blauen Krug" sieht es nicht rosig aus. Matthias Birkmoser (Markus Neumaier) und seiner Frau Monika (Kristina Helfrich) steht "das Wasser bis um Hals". Die Gäste bleiben seit Wochen aus; der wirtschaftliche Ruin scheint vorprogrammiert.

Spendierfreudiger Fremder

"Von den paar Hanseln, die nach Feierabend reinschauen, meinst da könn' ma' leben davon?", klagt die Wirtin vor dem von Mitleid geplagtem Mesner Benedikt Wurzer (Egon Biscan), der seinen Dämmerschoppen gerne gratis genießt. Umso mehr hofiert sie den Fremden aus dem Norden namens Jörg Knuppe, der sich für länger einquartieren möchte und spendierfreudig auftritt.

Auch der Birkmoser-Wirt sieht zunächst Land für seinen Betrieb. Das Geld, mit dem der unverhoffte Gast nur so um sich wirft, lässt die Kasse wieder klingeln. Als das Nordlicht anfängt, die Wirtin zu umgarnen, plagt ihn aber schnell die Eifersucht, und trotz seiner prekären Lage wäre er den geldigen Gast am liebsten ganz schnell los.

Gerüchteküche brodelt

Und das umso mehr, als nach einem Banküberfall ganz in der Nähe die Gerüchteküche heftig brodelt. Bäckergeselle Rudi (Flo Bauer) und die in den Mesner verliebte, in die Jahre gekommene Nachbarin Thilde Knopf (Mona Freiberg) stellen schnell Zusammenhänge zwischen Jens Knuppe (Harald Helfrich) und dem Raub her.

Obwohl auch der Rudi vom Geldsegen profitiert: Hundert Euro für "nix und wieder nix", nur wegen seiner Freundlichkeit. Dazu erhält er noch ein Motorrad in Aussicht gestellt. Das alles bringt ihn aber nicht davon ab, in dem Nordlicht einen Hallodri und verkappten Bankräuber zu sehen.

Bestärkt sieht sich der Bäckergeselle durch die spontane Vorauszahlung an den Wirt für Zimmer und Verpflegung - "man kann ja nicht so einfach 500 Euro aus dem Ärmel schütteln" - und durch das Angebot, die notwendige Sanierung des maroden Gasthauses mit 100 000 Euro zu finanzieren. Alle rätseln, was einen so reichen Mann ausgerechnet nach Bollerbach treibt - einem Ort "so ziemlich am Arsch der Welt"?

Die Aufklärung naht

Als sich wenig später ein weiblicher Gast einquartiert und als Gunda Knuppe (Christine Stichler) vorstellt, klären sich nach und nach der Reichtum von Nordlicht Knuppe und der Grund für seinen Abstecher in den "bayerischen Kongo" nach Bollerbach auf. Allerdings fällt es ihm schwer, den Dorfbewohnern zu vermitteln, dass es sich um einen Millionengewinn handelt, den er mit ihnen teilen will, weil Geld nicht alles ist.

Aktion auf dem Kirchturm

Durch seine spektakuläre Aktion, auf dem Kirchturm auszuharren, bringt er Ehefrau Gunda dazu, seinen "Verteilerplan" zu akzeptieren. Und mangels Erben willigt sie auch in die Adoption des Bäckergesellen Rudi ein, der eine eigene Bäckerei erhalten soll.

Nach dem Motto "Applaus ist das Brot der Künstler" wurden die Darsteller damit reichlich belohnt. Besonders galt er Egon Biscan, der sein 40-jähriges Bühnenjubiläum bei den Chiemgauern feiert.
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