Nürburgring lässt grüßen

Fast wie ein Motorrad fühlt es sich an für Martin Wiesend, wenn er mit dem X-Bow (ausgesprochen Crossbow; deutsch: Armbrust) von KTM durch die Landschaft braust. Mit seinem puristischen Hochleistungssportwagen zog er auf dem Oberviechtacher Marktplatz viele neugierige Blicke auf sich. Bild: Bugl

Ist da ein Rennwagen vom Nürburgring abgekommen? Überall, wo Martin Wiesend parkt, drehen Passanten ihre Köpfe nach ihm um und zücken Handy oder Kamera. Die Aufmerksamkeit gilt einer Philosophie auf vier Rädern.

Im Nu haben sich Neugierige um den Wagen geschart, der in Sichtweite der Oberviechtacher Eisdiele parkt. Amüsiert kann der Fahrer dieses auffälligen Gefährts in knalligen Orange beim Kaffeetrinken auf dem Marktplatz die Reaktionen der Passanten beobachten - und er gibt auch Auskunft über den Wagen, der in diesem Umfeld wie ein von der Bahn abgekommener Rennwagen wirkt.

Kein Dach, kein Kofferraum, nicht einmal Türen, aber 240 PS und eine Karosserie, die aus dem Rahmen fällt: Das zieht Blicke an wie ein Magnet. "Ich bin das gewohnt, es ist schließlich das einzige Auto, das KTM baut, ein X-Bow - und das einzige Modell dieser Art mit Straßenzulassung", sagt Wiesend, der das Fahrzeug in erster Linie beruflich nutzt. "Raus aus der Komfortzone": Diesen Slogan, der als Schriftzug den flotten Flitzer ziert, will der Unternehmer bei der Aus- und Weiterbildung seinen Kunden, den Servicetechnikern, vermitteln.

Der Bayreuther geht mit gutem Beispiel voran: "Komfortabel ist dieses Fahrzeug nicht, aber es macht Spaß." Und es ist ein guter Werbeträger für seine Firma, die Kundendienst-Mitarbeiter in Sozialkompetenz trainiert und Techniker dazu bringt, ihr Aufgabenfeld mal zu hinterfragen. "Bei 16 Grad ist das ein ähnliches Gefühl wie auf dem Motorrad, aber bei 5 Grad wird es schon recht frisch", gesteht Wiesend.

Leichtes Kult-Modell

230 Stundenkilometer sind mit dem Flitzer, der durch Carbon-Teile besonders leicht ist, kein Problem. "Aber die Kurven auf der Landstraße sind viel spannender," berichtet der stolze Besitzer, der den Wagen mit Baujahr 2010 vor einem Jahr für seine Firma erworben hat.

So bei etwa 65 000 Euro lag der Neupreis für das Kult-Modell, das laut Wiesend inzwischen allerdings nicht mehr gebaut wird. Das Nachfolgemodell sei bedeutend teurer. Fordert er damit nicht den Neid der Geschäftspartner heraus? "Nicht wirklich", meint der 54-Jährige. Die meisten fänden das Auto lediglich interessant. "Auf jedem Parkplatz eines Vier-Sterne-Hotels finden sich unspektakulärere Autos, die mehr kosten", weiß er. Begeistert waren jedenfalls die Kursabsolventen, die als Belohnung auf der Beifahrerseite mit einem Profi am Steuer tatsächlich über den Nürburgring düsen durften.

"Gutmütig" findet der Unternehmen seinen prestigeträchtigen "Kollegen" auf vier Rädern nicht und liefert auch gleich den Grund: kein ABS. Fährt ein Beifahrer mit, muss der schon das Gepäck auf den Schoß nehmen. Aber mit zu viel Komfort will Wiesend ja ohnehin aufräumen, denn: "Wer immer in der Komfortzone bleibt, kommt nicht weiter." Der Bayreuther setzt den Helm auf, steigt über den Rahmen auf den Fahrersitz, und ab geht die fahrt zum nächsten Kunden in Cham.

Zum Parken Lenkrad ab

Gegen Diebstahl ist der flotte Flitzer übrigens bestens geschützt, hat sein Besitzer zuvor noch erklärt - und mit einem schnellen Handgriff das Lenkrad abgenommen.
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