Nürnberg sponsert Zoiglfahrt

Regelmäßig fahren Züge von Neustadt nach Nürnberg. Obwohl sich der Kreisausschuss gegen einen Anschluss an den VGN ausgesprochen hat, steht für den Verbund das Signal für eine Zusammenarbeit nicht endgültig auf Stopp. Bild: Götz

Neustadt/WN. (ui) Sieben Jahre liefen die Vorüberlegungen, den ÖPNV an den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) anzukuppeln. Der Kreisausschuss hat nun wie berichtet beschlossen, wie Tirschenreuth auch weiterhin alleine zu fahren. In Nürnberg sagt man, das sei eine politische Entscheidung auf vor Ort. Klaus Dechamps, Leiter Märkte und Absätze, ist beim VGN zuständig für Tarife und Berechnungen bei Verbundraumerweiterungen. Mit ihm sprach Redakteur Uwe Ibl.

"Man könnte fast den Eindruck gewinnen, man will uns nicht dabei haben", hatte Landrat Andreas Meier in der entscheidenden Sitzung des Kreistags gesagt. Ist der VGN froh, dass es mit dem Anschluss des Landkreises Neustadt an den Verkehrsverbund nicht geklappt hat?

Wo dieser Eindruck herkommt, können wir nicht nachvollziehen. Mit unseren Partnern, den Gebietskörperschaften und Unternehmen, wurde schon vor Jahren festgelegt, dass jeder in der Metropolregion die Chance hat, beizutreten. Das heißt, wir sind grundsätzlich offen. Das zeigte sich auch an den Befragungen, die je zur Hälfte der Beitrittswillige und der VGN zahlt. Für die Berechnungen der Eintarifierungen übernahm der VGN sogar zwei Drittel der Kosten und die Gebietskörperschaft nur ein Drittel.

Ist das eine spezielle Regelung für die potenziellen Oberpfälzer Beitrittskandidaten?

Das gleiche Verfahren wurde in den vergangenen Jahren immer wieder angewendet, und der Verbund ist gewachsen. Es ist immer gleich. Das hat sich gut bewährt beispielsweise für Bayreuth, Bamberg, Kitzingen, Hassberge und zuletzt Lichtenfels. Dabei kann es schon mal vorkommen wie in Coburg, dass eine Gebietskörperschaft sagt, dass ihr Aufwand und Nutzen zu teuer sind. Das werden wir akzeptieren.

Wer bestimmt über Beitrittskandidaten zum VGN?

Eine Gebietskörperschaft bekundet ihr Interesse. Dann besprechen wir die Rahmenbedingungen. Die Entscheidung fällt dann wieder bei der Gebietskörperschaft. Hier geht es wie so oft im Leben ums Geld. In der Abwägung Kosten - Nutzen ist der Landkreis frei.

Wie beurteilt man beim VGN die Absage aus dem Landkreis Neustadt?

Froh sind wir nicht. Aber wir sehen es relativ neutral. Wir wollen keinen Einfluss auf die dortige Politik nehmen. Das ist deren Entscheidung. Die Betrachtung der Verkehrsströme ist differenziert. Sie sind unterschiedlich gewachsen. Beispielsweise hat die Region im Westen bis Weiden einen großen Bezug zu Nürnberg. Der östliche Teil des Landkreises tendiert seit je her eher nach Regensburg.

Wie ist aus Nürnberger Sicht das Argument zu sehen, ein Anschluss sei eine teuere Angelegenheit?

Es gibt verschiedene Kostenfaktoren. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Harmonisierungs- und Durchtarifierungsverlusten. Bei ersteren geht es um die Frage, wer den Unterschied der Fahrtpreise vor und nach dem Anschluss an den VGN zahlt. Knapp ein Drittel der Harmonisierungs- und Durchtarifierungsverluste übernehmen die bisherigen VGN-Partner. Die übrigen etwa zwei Drittel zahlen die neuen Partner. Diese Ausgleichszahlungen in einer Größenordnung von insgesamt 900 000 Euro pro Jahr für eine Verbundraumerweiterung um die Stadt Weiden sowie die Landkreise Neustadt, Tirschenreuth und Wunsiedel sind nicht viel anders als in anderen Erweiterungsgebieten. Das ist ein sehr solidarisches Prinzip auf der Grundlage der Fahrgastbefragungen. Denn es bedeutet, dass beispielsweise die Stadt Nürnberg etwas zu den Zoiglfahrten seiner Bürger dazuzahlen müsste. In dem Fall wären es 60 000 Euro gewesen.

Was hat es mit den Durchtarifierungskosten auf sich?

Das ist harmloser. Hier geht es darum, wer für die Umstiege zur Weiterfahrt beispielsweise mit der U-Bahn in Nürnberg aufkommt. Derzeit muss ein Bahnkunde dafür meist einen extra Fahrschein lösen

Muss noch mehr bezahlt werden?

Weitere Gelder sind die einmaligen Umstellungskosten für die Vertriebssysteme wie zum Beispiel die Fahrscheinautomaten. Diese Änderungen auf das VGN-System fallen höher aus als bei vergleichbaren Beitritten, weil die Preise im Lauf der Jahre gestiegen sind. Ich gehe von einmaligen Kosten in Höhe von gut zwei Millionen Euro für alle Unternehmen in den vier Gebietskörperschaften aus. Ferner kostet die Einführung eines E-Tickets rund 300 000 Euro.

Wäre ein Anschluss des Landkreises Neustadt und der Stadt Weiden tatsächlich nur im Verbund mit den Landkreisen Tirschenreuth und Wunsiedel zu haben gewesen?

Nein. Das ist auch jetzt noch einzeln möglich. Nötig ist die verkehrliche Anbindung. Weiden alleine geht nicht. Neustadt und Weiden können aber auch ohne Tirschenreuth und Wunsiedel zum VGN. Dann muss man allerdings noch etwas neu rechnen, und das muss auch finanziert werden. Die Größenordnung dafür liegt im fünfstelligen Euro-Bereich.

Ist das Kapitel VGN und nördliche Oberpfalz mit dem Beschluss des Kreisausschusses endgültig beendet?

Die Frage ist hauptsächlich an die Gremien und Politik in der Oberpfalz zu stellen. Wir haben jetzt Berechnungen gemacht, die auf den Befragungen der Fahrgäste beruhen. Wenn die Daten zu alt werden, ist eine neue Befragung nötig.
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