Nur 13 Mann sagen zu, Trainingsauftakt steht noch nicht fest - Rittner will's trotzdem anpacken ...
SC Luhe-Wildenau probiert's mit einem Mini-Kader

Oberwildenau. (af) Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Überleben: Am letzten Tag der Wechselfrist hatte der SC Luhe-Wildenau gerade einmal 13 Spieler um sich versammelt. Dem Traditionsverein droht in der Fußball-Bezirksliga Nord ein Debakel. Dennoch will er dort antreten.

"Und wenn wir 0:28 verlieren, dem Sportclub halten wir die Treue." In Siegfried Goschler kommen Glücksgefühle hoch, wenn er einen jener 13 Fußballer zitiert, die ungeachtet aller Auflösungserscheinungen das schwarz-rote Trikot tragen wollen. Goschler macht das Bekenntnis stolz. Und zwar darauf, dass vor allem Eigengewächse aus dem Juniorenbereich ihrem geliebten SC Luhe-Wildenau die Stange halten. "Das sind zum Großteil 19- und 20-Jährige, auf die wir zählen können", sagt der 68-Jährige.

Und wo sind die gestandenen Bezirksliga-Fußballer? Jene Akteure, die in der vergangenen Saison am letzten Spieltag den Klassenerhalt geschafft haben? "Sie sind alle weg. Es ist kein Einziger mehr da", erzählt Goschler. Ein Bekenntnis, das dem kommissarischen Abteilungsleiter weh tut. Und das ganze Dilemma beschreibt, in dem sich der Verein nun befindet.

Vor knapp drei Wochen hatte Goschler seine Rettungsmission angetreten. Die Situation, die er vorfand, war schier hoffnungslos. Wichtige Strukturen waren weggebrochen, die Spartenleitung seit Monaten nicht existent. Die meisten Leistungsträger hatten Konsequenzen gezogen und sich bereits zu anderen Vereinen verabschiedet. Goschler packte dennoch an, glaubte an eine glückliche Wendung. "Ich denke, dass wir bald ein positives Bild abgeben werden", sagte er damals.

Termine platzen lassen

Dem Optimismus ist Ernüchterung gewichen. Die letzten acht Tage beschreibt Goschler als "Lernphase". Mit über 80 Spielern sei er "von 9 Uhr vormittags bis 21 Uhr abends" in Verbindung getreten, darunter jede Menge Ehemalige, die bereits in Diensten des Sportclubs gestanden haben. "Ich hätte vorher nicht geglaubt, was sich im Fußballbereich alles abspielt", erzählt Goschler. Der 68-Jährige ist erschüttert. Nicht so sehr darüber, dass Spieler versuchen, viel für sich herauszuholen. Als "schockierend" empfindet er, dass Übereinkünfte nichts gelten. "Ich habe Termine vereinbart, die wurden nicht eingehalten. Zehn Spieler wollten mich zurückrufen. Keiner hat's getan." Wie es konkret weitergeht, konnte Goschler am Dienstag noch nicht sagen. Ein Datum für den Trainingsauftakt konnte er nicht nennen. Am Montagabend hatte zumindest Roland Rittner noch einmal seine Bereitschaft erklärt, als Trainer zur Verfügung zu stehen.

"Wir wissen, dass dies eine ganz schlechte Ausgangsbasis ist", sagt Goschler. Er berichtet von "viel Schadenfreude", die einem begegne, "weil es uns so schlecht geht". Die Flinte ins Korn werfen will Goschler aber nicht. "Es ist traurig, dass es so gekommen ist. Aber wir wollen in der Bezirksliga antreten", sagt er bestimmt.
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