Nur die Eingeweide der Fürstin

Um den Erhalt gefährdeter Grabdenkmäler geht es dem Oberpfalzverein. In einer dreigeteilten Veranstaltung beschäftigte sich Vorsitzender Ernst Umann mit dem Neustädter Friedhof, informierte Dr. Susanne Kreutzer über Palliativmedizin und führte Stephan Schmid durch sein Bestattungsunternehmen. Bild: prh

Die Palliativstation bleibt noch mindestens drei Jahre auf dem Felixberg. Dies und noch vieles mehr erfuhren die Teilnehmer einer interessanten Veranstaltung des Oberpfalzvereins.

Neustadt/WN. (prh) Alten Grabdenkmälern droht auf dem Friedhof der Verfall oder die Auflösung. Der Oberpfalzverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf diese einmalige kulturelle, in Stein gemeißelte Chronik der Stadt hinzuweisen und zum Erhalt beizutragen. In einer in drei Teile gegliederten Veranstaltung ging es am Montagabend um das Leben mit dem Tod.

In Weiden vier Betten mehr

Den Anfang machte Dr. Susanne Kreutzer. Die gut 30 Zuhörer bekamen im ehemaligen Pfarrsaal in einem Frage- und Antwort-Referat interessante Informationen über die Palliativmedizin und die Hospizarbeit. "Wie lange ist die Palliativstation noch in Neustadt?", wollte ein Zuhörer wissen. Nach den derzeitigen Plänen ziehe die Station 2018/2019 nach Weiden um. "Wir haben dort 14 anstatt 10 Betten." Chemo- oder Strahlentherapien seien dann leichter zu handhaben.

Auf ein Loch angesprochen, das es in der Oberpfalz in Sachen Hospizdienste gebe, klärte die Leiterin der Palliativstation am Neustädter Krankenhaus auf, dass seit 2008 jeder Anspruch auf die spezialisierte ambulante Palliativversorgung habe. Deshalb sei auch die Palliativversorgung in Pflegeheimen wichtig. "Das würde bedeuten, dass man als Schwerkranker zu Hause bleiben könne und regelmäßig vom Palliativarzt und einer Schwester besucht und behandelt würde. In Neustadt ist das derzeit allerdings noch Zukunftsmusik."

Kreutzer klärte über verschiedene Schmerztherapien auf. "Es darf kein Mensch mehr Schmerzen haben", stellte sie fest. Auf die Frage, ob Patienten Sterbewünsche äußerten, antwortete sie: "Das kommt fast jeden Tag vor." Schmerzen könne man aber gut behandeln.

Bilder in der Trauerhalle

Ernst Umann, Vorsitzender des Oberpfalzvereins und Organisator der Veranstaltung, führte die Teilnehmer anschließend über die Straße zur Besichtigung des Bestattungsunternehmens Schmid. Die beiden Inhaber Stephan und Michaela Schmid gaben in den neuen Räumen einen Überblick über ihre Dienstleistungen. "Mittlerweile finden bei 65 Prozent der Verstorbenen Feuerbestattungen statt", wusste Schmid. In der Aussegnungs- und Trauerhalle zeigte Alfred Spachtholz Bilder von Neustädter Grabdenkmälern und der Friedhofskirche. Umann, Roswitha Jobst, Maria Enslein und Karin Dippl erklärten so manche Rarität auf dem Gottesacker. So ruhen zum Beispiel im Grab der Fürstin Maria Anna von Lobkowitz nur deren Eingeweide. Die Gebeine seien in der Stadtpfarrkirche beigesetzt worden.

Pfarrei klamm

Am Ende appellierte Umann an alle, mitzuhelfen, die steinernen Zeugnisse zu erhalten. Kirchenpfleger Oliver Völkl wies auf die klamme finanzielle Situation der Pfarrgemeinde hin. "Wir wollen aber unser Möglichstes dazu beitragen."
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