Nur die "Hops-Oma"

Bei ihrem Besuch in Neidstein tauschten Gräfin Felicitas von Faber-Castell und ihre Cousine Bianca Bandekow Erinnerungen aus, als sie ihre Großmama Ottilie auf dem Schloss besuchten.

Seit einiger Zeit erstrahlt Schloss Neidstein wieder in prächtigem Glanz. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende herrschaftliche Bauwerk im Gemeindegebiet von Etzelwang im Landkreis Amberg-Sulzbach hat im Lauf seiner Geschichte viele Bewohner gehabt, die das Haupthaus auch immer wieder erweiterten und veränderten. Bis Juli 1973 war es von Dr. Philipp Theodor Freiherr von Brand bewohnt. Da er keine Kinder hatte, erbte das Schloss sein Neffe Theodor Philipp Rudolf Freiherr von Brand, Bundesrichter in den USA. Dieser verstarb im März 2004. Nicolas Cage, Hollywood-Schauspieler und Oscar-Preisträger, kaufte 2006 das Anwesen, der es an den Amberger Rechtsanwalt Dr. Konrad Wilfurth weiterveräußerte.

Erstaunlich viele Baumaßnahmen erfolgten 1918/19. Wahrscheinlich war die Hochzeit des damaligen Schlossherrn Philip Paul von Brand mit der Gräfin Ottilie von Faber-Castell der Grund dafür. Sie lebte hier bis zu ihrem Tod 1944. Über ihr Leben und ihre Zeit auf Schloss Neidstein hat die bekannte Schriftstellerin Asta Scheib eine Romanbiografie mit dem Titel "Eine Zierde in ihrem Hause" verfasst.

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Zwei Nachkommen der Gräfin Ottilie, nämlich Gräfin Felicitas Faber-Castell und ihre Cousine Bianca Bandekow, erinnern sich bei ihrem Besuch im renovierten Schloss sehr gut an ihre Oma Ottilie und die Aufenthalte bei ihr. "Bei uns wurde sie immer nur ,Hops-Oma' genannt!" erzählt Gräfin Felicitas mit feinem Lächeln. Als "sehr großzügig" haben beide sie in Erinnerung. Stets habe sie kleine Gastgeschenke auch für die Kinder dabei gehabt, wenn sie in Nürnberg im Grand Hotel logierte. Besonderen Eindruck habe einmal ein "weißer Teddy" gemacht und auch das Buch "Was drei kleine Bären im Walde erlebten" blieb bis heute in Erinnerung. Der Kontakt zu ihr habe immer bestanden.

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In die Zwergenschule

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"Mein Bruder Bernd und ich waren den ganzen ersten Kriegswinter 1939/40 in Neidstein", denkt Bianca Bandekow zurück. "Bei Eis und Schnee stapften wir nach Etzelwang in die Zwergschule!" Im März 1943 zerstörte ein Phosphorangriff dann das Haus in Stein. "Danach wurden wir noch einmal mehrere Wochen nach Neidstein evakuiert und fuhren täglich mit dem Zug nach Amberg in die Schule. War genau so anstrengend, aber das nur nebenbei."

Im Schloss fühlten sich die Kinder stets geborgen. Viele Bedienstete sorgten sich um die Bewohner. Viel geliebt war die Kinderfrau genannt "Boa". Selbige habe übrigens als Einzige einmal im langen Gang die "Weiße Frau von Neidstein" gesehen. Das Schlossgespenst sei seitdem allerdings nicht mehr gesichtet worden. Dann gab es den Butler Johann, der im Speisezimmer das Essen servierte. Fenchelgemüse war der große Schrecken, aber Kaiserschmarrn, den liebten die Kinder sehr.

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Freches Äffchen

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Der heutige Rittersaal wurde damals als Wohnraum genützt. Hier wurden Brettspiele gespielt und selbst einstudierte Theateraufführungen gezeigt. Hier standen auch ein Schreibtisch für die Gräfin Ottilie und daneben der Käfig mit den Kapuzineräffchen, die drollige, aber auch ganz schön freche Spielgefährten waren. Der Raum, der heute als Standesamt genutzt wird, war einst das Bücherzimmer. Hier habe sie begeistert jede Menge Marlitt-Romane verschlungen, schmunzelt Bianca Bandekow.

Der gelbe Salon, genannt Tee-Salon, durfte von den Kindern nicht bespielt werden. Das war wohl mehr das "Vorzeigezimmer" für vornehme Gäste. Fräulein von Plänckner, die Gesellschafterin der Gräfin Ottilie, wachte penibel darüber. Übrigens, sogar eine Prinzessin, Ina zu Hohenlohe, erblickte auf Neidstein das Licht der Welt, wissen die beiden Schlossbesucherinnen.

In der Belle Etage befinden sich heute vier mit kostbaren Antiquitäten eingerichtete Gästezimmer mit modernen Badezimmern. Das waren damals auch die Schlafräume. Allerdings hat sich besonders die Ausstattung der Nassräume doch stark verändert. Rosa Seidenvorhang um die Toilette, rote Vorhänge vor den Fenstern, Badewanne in den Boden eingelassen und eine rote Ottomane als Ruhepunkt gibt es nicht mehr.

Beim Gang durch die renovierten Räume des Schosses entdecken Gräfin Felicitas von Faber-Castell und Bianca Bandekow immer wieder Neues und erinnern sich an frühere Begebenheiten.
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