Nur gucken, nicht zertrampeln

Gemeinsam kümmern sie sich um den Schutz seltener Pflanzen. Allen voran Bund-Naturschutz-Vorsitzender Peter Zahn (Dritter von links), Abteilungsleiterin Forst Helga Verron (Vierte von links), MdL (Grüne) und Hauptnaturschutzwart Markus Ganserer (Mitte) mit Birgland-Bürgermeisterin Brigitte Bachmann sowie Judith Luber von der Naturschutzbehörde (Fünfte von rechts) und daneben Horst Schwemmer (Bund Naturschutz). Bild: hfz

Durch den Zauberwald zu den Orchideen - dass das nicht nur romantisch klingt, sondern auch so ist, davon überzeugten sich rund um Lichtenegg Fachleute aus dem Naturschutz sowie des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Hinter dem Ortstermin steckte aber noch mehr.

Die Teilnehmer diskutierten auf dem Orchideenweg darüber, wie und mit welchen Mitteln der hohe Besucherstrom den geschützten Frauenschuh und weiteren Begleitpflanzen am wenigsten schaden kann. Mit dabei war auch Bürgermeisterin Brigitte Bachmann aus Birgland in ihrer Funktion als stellvertretende Landrätin. Als weitere Gäste konnte Landtagsabgeordneter und Hauptnaturschutzwart des Fränkischen Albvereins, Markus Ganserer, unter anderem von der Kreisgruppe Amberg des Bundes Naturschutz, Vorsitzenden Peter Zahn und den Geschäftsführer Horst Schwemmer, sowie vom Forstamt Forstoberrätin, Helga Verron begrüßen.

Weg Nummer 34

Zunächst wanderte der Tross, zu dem sich auch Judith Luber von der Unteren Naturschutzbehörde und Jagdpächter Joachim Binder gesellten, steil den Berg hoch. Fast auf dem gesamten Weg, der mit der Nummer 34 gut gekennzeichnet ist, standen am Rand weitere, allerdings nicht so bekannte Orchideen und seltene Pflanzen, die von Horst Schwemmer auch gleich erkannt wurden.

Am bekanntesten unter den Orchideen ist der Frauenschuh. Einige der Exkursionsteilnehmer kannten trotz der Nähe und des Bekanntheitsgrades dieses Fleckens noch nicht die tatsächliche Dichte der Pflanzen. Bereits im vergangenen Jahr wurden zur optischen Abgrenzung dünne Fichtenstangen, die vom Besitzer dieses Privatwaldes, Martin Pickel, zur Verfügung gestellt wurden, angebracht. Ganserer: "Die große Gefahr ist einfach die Verdichtung des Bodens und damit der Entzug von überlebensnotwendigen Nährstoffen und Wasser für diese geschützten Pflanzen. Der Frauenschuh, der in lichten und kalkreichen Wäldern wächst, liebt Halbschatten, wechselnde Feuchtigkeit und magere Böden. Da die Orchidee auf eine Symbiose mit Pilzen angewiesen ist macht es keinen Sinn, vielleicht in einem scheinbar unbeobachteten Augenblick den auf der roten Liste stehenden Frauenschuh auszugraben."

Die Pflanze lebt mit einem Pilz der Gattung Rhizoctonia. Die Ernährung erfolgt jahrelang über diesen Pilz, bevor das erste grüne Blatt nach etwa vier Jahren angelegt wird. Bis zur Blühreife können 15 Jahre vergehen. "Man könnte nun sagen, diese zum Wald gehörende Pflanze ist ebenso wie ein Wald selbst auf Generationen angelegt." Es gab nun in der Vergangenheit unterschiedliche Beobachtungen, was die optische Abgrenzung zu den Beständen betrifft. Rolf Wolfermann aus Nürnberg berichtete von diszipliniertem Verhalten der Besucher, während Familie Weidinger aus Happurg doch einige Leute sah, die sich nicht um die Abgrenzung scherten. Auch deshalb sind noch vier weitere große Hinweisschilder, gesponsert von der Laufer Firma Schettler Consulting, vom Bauhof angebracht worden. Darauf steht die Bitte, die Bestände zu schützen und nicht auf Trampelpfaden zu laufen.

Kartierung der Bestände

Um über die Auswirkungen eine verlässliche Aussage treffen zu können, wurde im Nachgang beim Lichtenegger Schloßwirt überlegt, mittels einer Kartierung die Bestände zu beobachten. Hierbei versprach Helga Verron, die auch als Teamleiterin Natura 2000 aktiv ist, die Unterstützung durch das Amt. Wie das Zählen in der Praxis aussehen soll, darüber waren sich die Teilnehmer noch nicht ganz einig. Alle hoffen, dass durch die soziale Einstellung und Eigenverantwortung der Besucher die Hinweise an der Tafel Beachtung finden. Die Blütezeit des Frauenschuhs ist nun in wenigen Tagen beendet und andere, weit weniger bekannte Orchideenarten, stehen, wenn diese wegen Unkenntnis nicht zertrampelt wurden, in den Startlöchern zur Blüte.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lichtenegg (65)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.